«

»

Deutsch sein, fremd bleiben?

Anna Knoll & Mark Erbel vom Integrationsforum

Integration in Deutschland ist und bleibt ein spannendes Thema. Das Berliner Integrationsforum, welches am 18.10.2012 im Grimm Zentrum der Humboldt Universität stattfand, setzte sich kritisch mit neuen Strategien und Identitätsmodellen auseinander.  Als besonderes Highlight kamen unter anderen Prof. Dr. Rita Süssmuth und der Publizist und außenpolitische Korrespondent der ZEIT Jörg Lau zu Wort.

In Kooperation mit HEYMAT (Hybride europäisch-muslimische Identitätsmodelle), einem Forschungsprojekt der Humboldt Universität wurden zunächst die vorläufigen Ergebnisse einzelner Projekte vorgestellt. Den Fokus der Forschungsarbeit bildeten die Gruppe der Muslime, von denen etwa 4,2 Mio in Deutschland leben. Obwohl diese gerade mal 5% der deutschen Gesellschaft ausmachen, wird diese Gruppe oft als bedrohlich empfunden.  Dr. Naika Foroutan, Leiterin des HEYMAT-Projekts, sprach die Auffassung vieler Deutsche direkt an: „Die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Muslimen ist nicht positv. Islam und Muslimisch-Sein gelten als etwas Konträres zum Deutschen“. Sie machte außerdem auf die „Doppelte Differenz Erfahrung“ aufmerksam, mit der viele Deutsche mit Migrationshintergrund zu kämpfen haben. Sie werden sowohl in der neuen Heimat als auch im Herkunftsland als „Anders“ wahrgenommen. Das Forschungsprojekt fand unter anderem heraus, dass eine mögliche Strategie die lokale Identität sei. Muslime sehen sich beispielsweise eher als Berliner oder Duisburger als als Deutscher.

Jörg Lau

Hier läuft etwas schief

Die Keynote Speech hielt am Abend der Journalist Jörg Lau, angesehener Kommentator in Fragen von Integration und multikulturellen Zusammenleben. Lau fasste die Deutsche Geschichte der Integration für die Anwesenden zusammen: „Deutschland ist weltoffener, entspannter, welterfahrener geworden. Trotzdem läuft hier etwas schief. Die gesellschaftliche Kommunikation leidet an einer schleichenden Vergiftung“. Gerade der Begriff Integrationsdebatte zeige dies auf eindrückliche Weise: „Über Integration zu sprechen, war einmal ein Fortschritt. In dem Wort liegt die Akzeptanz, dass der zu Integrierende bleibt und dazu gehören soll“. Heute aber empfinden diejenigen über die gesprochen wird den Begriff als Falle. Lau kritisiert, dass anders als der Begriff suggeriert, die Integrationsdebatte in Wirklichkeit eine Ausschlussdebatte ist, in der es darum gehe aufzuzeigen warum Migranten nie dazugehören werden.

Das deutsche Wesen

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging Prof. Dr. Rita Süssmuth, die erst 2006 ihr Buch „Migration und Integration: Testfall für unsere Gesellschaft“ veröffentlichte, auf die Unstimmigkeiten, die der Begriff deutsch in sich birgt ein: „Wenn alle sagen wir sollen deutsch denken, fühlen, handeln, dann frage ich mich wo dieses deutsche Wesen eigentlich existiert?“. Deutsch-Sein ist in der Tat schwer zu fassen. Was passt ins Bild und was nicht? Für Süssmuth ist es vor allem der gegenseitige Respekt vor der anderen Kultur der ausschlaggebend für ein erfolgreiches Zusammenleben ist: „Wenn ich nur vor meiner eigenen Kultur Respekt habe und die fremde ablehne, dann ist das gemeinsame Zusammenleben gräuslich“. Schwierigkeiten sollten gerade auch in der Politik beim Namen genannt werden. Das Integrationsforum in Berlin trägt dazu bei auf Herausforderungen aufmerksam zu machen und die Sinne zu schärfen.

 

 Text: Katharina Horn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>