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Die arabische Gastfreundlichkeit ist vorbildlich

Nach einem verheerenden Brand im Central-Market Abu Dhabi wurde durch den Scheich eine Taskforce aus deutschen Berufsfeuerwehrleuten gegründet. Zu der heutigen Emirates Fire and Rescue Company (EFRC) gehört auch der 24-jährige Student Erik Lieske, der dort schon seit einigen Monaten Erfahrungen als Assistent Supervisor sammelt. Abseits von seinem Studentenalltag an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Hochschule Magdeburg-Stendal kann er nicht nur seinem Hobby nachgehen, sondern auch eine faszinierende arabische Kultur kennenlernen.

mb: Wie hast du dich auf deinen Auslandsaufenthalt vorbereitet?

ERIK: Zunächst habe ich mich über das Land informiert: Über Allgemeines, Sitten, Regeln usw. Hier eignen sich Fremdenführer und natürlich auch das Internet ganz gut. Online-Tagebücher waren mir ebenfalls eine große Hilfe. Über meinen Kontakt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) konnte ich in Erfahrung bringen, was ich unbedingt vor Ort brauchen würde. Die Gespräche liefen dabei entweder über Videotelefonie oder Handy. Der organisatorische Aufwand war für mich nicht allzu groß, da sich die Personalabteilung im Ausland um Wohnung, Visum und Flug gekümmert hat. Ich bin zwar über den Arbeitgeber in einer regionalen Kasse krankenversichert, jedoch empfiehlt es sich, über eine zusätzliche Absicherung, ob private Krankenversicherung oder private Haftpflicht, nachzudenken.

mb: Warum hast du dich gerade für dieses Land entschieden?

ERIK: Ich habe mich auch bei anderen Unternehmen und Institutionen in unterschiedlichen Ländern beworben. Doch zumeist scheiterte ich an meiner fehlenden Auslandserfahrung. Bei der EFRC wurde das Hauptaugenmerk auf die feuerwehrtechnische Ausbildung gelegt. Da ich diese durch mein Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr vorweisen konnte und somit Hobby und Beruf verbinden konnte, galt es nur noch, das Bewerbungs-Interview zu bestehen. Letztendlich waren die Voraussetzungen passend für meine Suche nach einem Auslandsaufenthalt. Aber auch die VAE sind für mich durchaus lukrativ. Schließlich hat man schon oft Beiträge von „boomenden“ Städten wie Dubai und Abu Dhabi gehört und gesehen. Gerade die berühmten Projekte wie „The Palm Jumeirah“ oder „Burj Khalifa“ sind schon beeindruckend.

mb: Hattest du sprachliche Vorkenntnisse oder musst du eine neue Sprache lernen?

ERIK: Die Landessprache ist Arabisch, die Wirtschaftssprache aber Englisch. Da Abu Dhabi interkulturell stark gemischt ist, spricht die große Masse auch verständliches Englisch. So fällt einem die Kommunikation nicht schwer. Ein paar wenige – aber bedeutende – Worte Arabisch konnte ich in den bisherigen 3 Monaten lernen, da ich aufgrund der Arbeit viel mit Einheimischen zu tun habe. Die arabischen Kollegen erfreuen sich natürlich an der Tatsache, dass man sich mit ihrer Sprache auseinandersetzt. Letztendlich spricht man aber Englisch.

mb: Wie lebst du – wie sieht dein Alltag im Ausland aus?

ERIK: Ich wohne in einer möblierten 2-Raum-Wohnung in Abu Dhabi City. Die Wohnung, als auch ein Transfer zur Arbeit und zurück, wird mir vom Arbeitgeber gestellt. Das Apartmenthaus beherbergt fast ausschließlich EFRC-Mitarbeiter, also alle Feuerwehrleute. Hier wird auch hauptsächlich Deutsch gesprochen. Ich arbeite im Schichtsystem, d.h. von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr morgens des Folgetages in einer 24h-Schicht; danach habe ich 48 Stunden frei. In den Freiblöcken wird eigentlich immer etwas mit Kollegen unternommen. Die VAE sind dafür auch bestens geeignet.

mb: Wie finanzierst du deinen Auslandsaufenthalt?

ERIK: Da ich ein Arbeitsverhältnis eingegangen bin, bekomme ich Gehalt. Zur Höhe des Gehalts kann ich nur sagen, dass es mehr als ausreichend ist. Wohnung und Transfer werden vom Arbeitsgeber übernommen und selbst für einen Hin- und Rückflug nach Deutschland werden finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Geht man einkaufen oder abends mal weg, muss man feststellen, dass die VAE schon recht teuer sein können. Da man aber keine Steuern zahlen muss, bleibt dafür auch genug übrig.

mb: Welche Unterschiede kannst du zu Deutschland wahrnehmen? Wie wurdest du als „Deutscher“ aufgenommen?

ERIK: Der deutlichste Unterschied zu Deutschland ist eindeutig die Mentalität der Einheimischen. Gerade zu Beginn meines Aufenthaltes war das häufigste Wort „Welcome“ oder auch „You are welcome“. Und ich fühlte mich auch willkommen und herzlich aufgenommen. Ich habe jedenfalls nie erlebt, dass jemand verstimmt war, wenn er oder sie von meiner Herkunft erfuhren. Ganz im Gegenteil. Mit einer Sache muss man sich allerdings anfreunden: Die Gelassenheit und Ruhe, der man stets begegnet, ist man aus Deutschland nicht gewohnt. Man gewöhnt sich allerdings schnell daran.

mb: Was vermisst du während deines Auslandsaufenthaltes?

ERIK: Wenn ich für mich spreche, dann vermisse ich als Europäer vor allem Regen und Unwetter. Außerdem ernährt man sich anders, allerdings eher ungesünder. Freunde, Familie und vor allem meine Freundin sind weit weg, deswegen fehlen sie mir sehr.

mb: Welcher bisherige Moment aus deinem Auslandsaufenthalt wird Dir besonders im Gedächtnis bleiben?

ERIK: Mir werden mehrere Momente im Gedächtnis bleiben, vor allem die Freundlichkeit und die Großzügigkeit der Kollegen, ganz egal welcher Herkunft. Gerade zum Essen wird man gern zur geselligen Runde eingeladen. Es wird gern geteilt. Falls man ablehnt, kann das sogar als unhöflich verstanden werden. Die Gastfreundlichkeit ist vorbildlich!

 

 

Das Interview führte Sabrina Daubitz.

 

 

 

 

 

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