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Ein Fenster in Berlin mit Blick nach China

Im Botschaftsviertel, in einem äußerlich grauen Haus, befindet sich ein Fenster – ein Fenster ins Reich der Mitte. migration business war vor Ort und interviewte den Direktor Jian Yang Chen (Foto). Er sprach über das Kulturzentrum, Vorurteile und eine Brücke nach China.

Von außen erscheint das Gebäude im Botschaftsviertel kühl und eher deutsch. Läuft man aber durch die Tür ins Innere des Hauses, wird man freundlich von einer jungen Chinesin am Empfang begrüßt. Man kann sich umschauen, die Bilder-Ausstellung ansehen, Tee trinken oder in der Bibliothek stöbern. Das Angebot ist vielfältig.

Im obersten Stockwerk, mit Blick über die Botschaften, ist das Büro von Herrn Chen, dem Direktor des Kulturzentrums. Er half beim Kauf und Bau des Grundstücks und leitet nun das Kulturzentrum seit Anfang September. Er selbst kommt aus China, liebt seine Kultur, sein Land und am liebsten, so verrät er uns, die Chinesische Kalligraphie. Vor seinem jetzigen Job arbeitete er in der Kulturabteilung der Botschaft. Seit 13 Jahren ist er im Diplomatischen Dienst für China tätig. 

Er erklärt, dass das Goethe-Institut dem Chinesischen Kulturzentrum als Vorbild diente, und er weist darauf hin, dass diese beiden staatlichen Kulturinstitute gemäß dem Kulturabkommen zwischen beiden Regierungen gleichberechtigt sind.

“Aller Anfang ist schwer”, gibt Herr Chung zu. „Aber in diesen knapp vier Jahren haben wir es geschafft. Wir haben über 300 Veranstaltungen verschiedener Art durchgeführt. Bis jetzt haben wir den Schwerpunkt auf Aufführungen und Ausstellungen gelegt. Das reicht uns aber noch nicht aus. Wir möchten nicht nur traditionelle Kunst aus China vorstellen, sondern auch moderne Formen wie populäre Musik und modernes Theater, damit die Berlinerinnen und Berliner die Chance haben, das Theaterleben in China auch hier live zu erleben.”

 

Angehörige des Qang-Volkes beim traditionellen Tanz. Sie feiern den Wiederaufbau ihres Dorfes nach dem schweren Beben von Wenzhou.

Am 2. November ist Chinesischer Herbst, das bedeutet ein Theaterfest, bei dem man mehr von der Chinesischen Kultur lernt. Daneben gibt es die Sprachkurse, die von Kindern bis hin zu Rentnern besucht werden, Kochkurse in der hauseigenen Küche und Tanzkurse, Tai-Chi-Kurse, Kurse zur Tuschemalerei und zur Kalligraphie…

Das Interview wird von Herrn Chens Frau unterbrochen, die ein Telefonat mit Peking führt und ihm berichtet, dass in drei Tagen Lehrer aus China kommen werden, die im Kulturzentrum Chinesisch-Kurse geben. Hier wird Wert auf gutes Deutsch und Chinesisch gelegt.

 

Zu wenig Wissen über China

Was der Direktor schade findet ist, dass es oft zu Vorurteilen und Missverständnissen kommt, da in Deutschland ein Mangel an Wissen über das Reich der Mitte herrscht, obwohl mit dem Kulturabkommen genau dem geholfen werden wollte. Aber mit einem Lächeln sagt Herr Chen, dass alle, die die Chance hatten, einmal nach China zu reisen, von dem Land und der Kultur begeistert sind.

Aber Interesse nimmt zu…

In Berlin gibt es reges Interesse, wie sich immer wieder zeigt. Beim Mondfest am 22. September, das bereits zweimal im Erholungspark Marzahn mit Auftritten von Profi-Künstlern stattfand, gab es bis zu 12.000 Besucher. Bei Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei im Roten Rathaus werden neben interessierten Berlinern auch Ehrengäste geladen. An den Sprachkursen nehmen über 100 Leute teil und beim Tag der offenen Tür gab es 1.500 begeisterte Zuschauer, als extra dafür eingeflogene Chinesen typisches Puppen-Theater vorführten. Die Berliner besuchen im Chinesischen Kulturzentrum selber jedoch am liebsten Opern-Veranstaltungen oder Auftritte prominenter Chinesen, verrät uns Herr Chen. Dann sei der Saal immer voll.

Auf die Frage, ob das Chinesische Kulturzentrum es denn nun wirklich geschafft hat, eine Brücke zwischen China und Berlin zu bauen, antwortet er mit “Ja”.

 

Text: Aylin Graf

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