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Russische Unternehmen in Deutschland: Nachfolger und Türöffner nach Osteuropa für den Mittelstand

Während viele deutsche Unternehmen nach Russland expandieren, haben russische Firmen hierzulande bereits über 7 Mrd. Euro investiert. Deutsche Unternehmen können daraus durchaus Nutzen ziehen.

Russland ist mittlerweile der größte Investor unter den Transformationsländern weltweit – auch in Deutschland. Rund 1.600 russische Kapitalgesellschaften sind in Deutschland ansässig und in den unterschiedlichsten Branchen aktiv. Global dominieren einige große Energie-, Rohstoff- und Metallkonzerne die russischen Auslandsinvestitionen und damit auch das Bild russischer Unternehmen. Weit über die Hälfte der in Deutschland aktiven russischen Firmen sind kleine und mittlere Unternehmen, die sich vor allem im Handel engagieren. Daneben sind russische Unternehmen in zahlreichen Branchen wie Tourismus, Logistik, Luxusgüter, Bau- und Rohstoffindustrie, Automobilzulieferung und IT tätig. Für viele von ihnen wird  Deutschland zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen – und das sogar stärker als andere ost- oder westeuropäische Märkte.

Vorurteile werden nicht bestätigt

Das German Center for Market Entry hat Ende 2011 erstmals die Markteintritte russischer Unternehmen in Deutschland untersucht und dazu auch 18 größere russische Unternehmen zu ihren Erfahrungen befragt. Im Ergebnis wurde deutlich, dass die Firmen entgegen weit verbreiteten Vorurteilen sehr professionell agieren und mit ihrem Investment in Deutschland primär strategische Ziele verfolgen. In Konsequenz negiert dies häufig geäußerte Ängste, durch russische Investoren gekaufte deutsche Firmen könnten ausgeschlachtet und dann geschlossen werden. Der Standort Deutschland mit seiner weltweit gerühmten Qualität und Innovativität ist für die Russen viel zu wertvoll.

Kleine und große Unternehmen…

Während die großen Unternehmen den Markteintritt bevorzugt über Akquisitionen vollziehen, gründen russische Mittelständler eher kleinere Tochtergesellschaften. Bei ihrem Markteintritt in Deutschland mangelt es letzteren aber häufig an einem allgemeinen Verständnis der bürokratischen Rahmenbedingungen sowie des deutschen Wirtschaftssystems. Allerdings ist das kein typisch russisches Problem, sondern eher ein typisches Problem kleiner Unternehmen. Problematischer ist hingegen die häufig zu beobachtende fehlende Marktkenntnis und eine unzureichende Vorbereitung auf die deutsche Geschäftskultur. In der Folge führt dies zu Missverständnissen zwischen Geschäftspartnern oder zu einer auf falschen Annahmen basierenden Geschäftsplanung.

Russische Großunternehmen hingegen legen enormen Wert auf professionelle Unterstützung durch Rechtsanwälte und Unternehmensberater. Öffentliche Stellen wie Industrie- und Handelskammern oder Behörden werden eher weniger – und wenn dann von kleineren Unternehmen – beansprucht. Messen sehen russische Firmen im Vorfeld eines Markteintritts vor allem als Instrument zur Imagepflege.

Im deutschen Markt empfinden russische Unternehmen besonders die ihnen gegenüber bestehende Vorbehalte bzw. ihr vergleichsweise schlechtes Images als Problem. Innerhalb der Unternehmen gestaltet sich primär die Harmonisierung deutscher und russischer Arbeitsweisen als eine Herausforderung.

Russische Unternehmen sollten im deutschen Markt folglich insbesondere auf eine gute Corporate Governance im Sinne einer verantwortungsvollen und transparenten Unternehmensführung und eine offene interne und externe Unternehmenskommunikation setzen, um so Vertrauen zu schaffen. Weiterhin sollte wie in jedem inter- bzw. multinationalen Unternehmen ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung einer interkulturell angepassten Führungskultur, die gegenseitiges Verständnis fördert, gelegt werden.

Chancen für deutsche Unternehmer

Für deutsche Unternehmen ergeben sich daraus Chancen, wenn die eigene Russland-Kompetenz weiter ausgebaut wird – etwa durch Mitarbeiter mit Sprach- und Kulturkenntnissen. Der gegebene Beratungs- und Unterstützungsbedarf lässt russische Unternehmen zu einer interessanten Zielgruppe für entsprechende Produkte und Dienstleistungen werden.

Daneben stellen russische Unternehmen aber auch eine Option für die Unternehmensnachfolge oder zur Eigenkapitalfinanzierung deutscher Mittelständler dar. Denn ein russischer Partner bringt nicht nur Kapital und ein primär strategisches Interesse, sondern gleichzeitig auch die bestehenden Strukturen und Netzwerke für die Erschließung des russischen Marktes mit. Eine wahre Win-Win-Situation!

 

Text: Alexander Tirpitz.

Alexander Tirpitz ist Sinologe und Betriebswirt und Geschäftsführer des German Center for Market Entry in Berlin. Außerdem ist er Dozent für Themen des International Managements an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Das German Center for Market Entry (GCME) ist eine Ausgründung der Freien Universität Berlin und spezialisiert auf die Themen Internationalisierung und Schwellenländer. Die Aktivitäten und Leistungen des GCME umfassen Studien, Beratung sowie Seminare und Vorträge. Die Angebote richten sich an ausländische Unternehmen, die einen Markteintritt in Deutschland planen, sowie deutsche Unternehmen, die international tätig sind.

2 Kommentare

  1. Marc

    hmmm,…schön zu hören wenn Russen in D. investieren.

    Solange die lokale Korruption in sämtlichen Regionen Russlands nach wie vor vorherrscht, und selbst russische Mittelständler gezwungen werden, Schutzgeld zu zahlen, und sei es bei den lokalen Polizeibehörden (oder solche, die sich dafür halten), wird das Land wohl für Investitionen (regulärer Art) ein NoGo bleiben!

    Aber Putin will/wollte das ja ändern! Hehe,… 😉

    1. Waldemar

      Was bist du denn für ein Idiot!

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