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Talenteschmiede in der „gelben Villa“

Kreativworkshop in der gelben Villa

Früh übt sich, wer ein Meister werden will: In der gelben Villa in Berlin Kreuzberg haben Kinder jeder Herkunft die Möglichkeit, ihre Talente zu entdecken und zu fördern. Auf 5  Etagen bietet das bunte Bildungshaus auf der Wilhelmshöhe alles, was zur optimalen Entwicklung von Kindern gehört:Gesundes und günstiges Essen, spannende Kreativworkshops, Sprachkurse, Sportgruppen, Hausaufgabenhilfe und sogar ein Vorbereitungstraining auf den Mittleren Schulabschluss in Klein(st)gruppen.

Andreas Koepcke, Beauftragter für Fundraising und PR, führt mich am späten Nachmittag durch die Räume der Villa. Obwohl im heimischen Fernsehen beliebte Kinderserien laufen, ist die gelbe Villa gut besucht. Rund 120 Kinder durchlaufen sie täglich.

Zu den Grundlagen einer nachhaltigen Lebensweise gehört zunächst einmal eine gesunde Ernährung: Im Kinderrestaurant können sich Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre täglich ein 3-Gänge Menü inklusive Getränk schmecken lassen, für lediglich einen Euro. Das Essen wird täglich frisch zubereitet. Kleine Hobbyköche können in Kochkursen Gemüse und Kräuter aus dem Garten der gelben Villa sogar selbst ernten und verarbeiten.

Auch die Bewegung darf nicht zu kurz kommen: Neben dem freien Spiel auf dem Außengelände der Villa, werden viele verschiedene Sportkurse angeboten. Hier können die Kinder zum Beispiel beim „Streetdance“ oder „Kinderyoga“ ungenutzte Energien freisetzen.

Besonders beeindruckend ist jedoch das Kreativprogramm. Die gelbe Villa bietet jungen Talenten unzählige Entfaltungsmöglichkeiten. Herr Koepcke führt mich durch eine Holzwerkstatt, eine Töpferei, ein Schwarz-Weiß Fotolabor, eine Siebdruckwerkstatt hin zum Modeatelier. Hier treten wir ein. Jungen und Mädchen arbeiten gemeinsam mit einer Schneiderin an modischen Täschchen. Vom Entwurf bis zur Umsetzung sind hier die jungen Designexperten gefragt. Unsere nächste Station ist das Musikatelier, in dem gerade eine kleine Band probt. Musikschule kostet. „Alle unsere Angebote sind für die Kinder komplett kostenfrei. Insbesondere diejenigen, deren Eltern sich die Musikschule nicht leisten können, sollen hier Zugang zu Instrumenten und Lehrern bekommen“, meint Koepcke.

Im 21. Jahrhundert kommt eine Bildungseinrichtung natürlich nicht ohne einen Medienraum aus. Im Computerzimmer können Kinder altersentsprechende PC-Erkenntnisse erwerben. Bei den Kleinen kann das Vertrautmachen mit der Hardware heißen, bei den Älteren stehen Bewerbungstraining, Photoshop sowie Erstellen von Power Point Präsentationen auf dem Programm. „Surfen und Chatten können sie in der Regel. Wir versuchen, ihnen lebenspraktische Dinge zu vermitteln“, bemerkt Koepcke. Wer lieber offline lernt, kann sich in den Hausaufgabenraum zurückziehen. Hier warten Lexika, Bücher und vor allem die Ruhe zum Lernen, die nicht wenige Kinder daheim vermissen.

Besonders stolz ist die gelbe Villa auf das Programm zur Vorbereitung auf den mittleren Schulabschluss, das zu 90 – 100% von Jugendlichen mit Migrationshintergrund genutzt wird. „Sprachförderung im Deutschen ist der Schlüssel zum schulischen Erfolg“. Talente können nur mit soliden Kenntnissen der Landessprache optimal ausgedrückt und entwickelt werden.

Interkulturelles Zusammenleben und -lernen wird in der gelben Villa groß geschrieben. Zwischen 50 und 60% der Kinder haben einen Migrationshintergrund. „Wir wollen diese Mischung“. Voneinander und miteinander lernen, Toleranz üben stehen im Vordergrund. „In 80 Tagen um die Welt“ war der Titel einer Veranstaltungsreihe der gelben Villa, bei der unterschiedlichste Länder entdeckt wurden. Je eine Woche wurde den betreffenden Ländern gewidmet. In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kulturinstituten wurden verschiedene Workshops organisiert, zum Beispiel chinesische Kalligraphie mit einer Referentin aus China oder aber Literaturrecherche und anschließende Lesungen.

Gemeinsam gestalten

Egal welcher Herkunft, alle Besucher erwartet früher oder später einmal der Einstieg in Studium und Beruf. In der gelben Villa weiß man das und so werden seit kurzem Besuche in Betrieben organisiert. Beim Simulationsseminar „die gelbe Villa wird zur Firma“ können Jugendliche zudem fiktive Bewerbungsgespräche führen und ihre Plus-und Minuspunkte im Anschluss mit einer Jury auswerten.

Die gelbe Villa schließt, so mein Eindruck, die Lücke zwischen Schule und Familie, zwischen arm und reich, zwischen Kindern unterschiedlichster ethnischer und sprachlicher Hintergründe. Kindern wird eine nachhaltige Lebensweise vermittelt; Gesundheit, Bildung und Vertrauen in die eigenen Talente und Fähigkeiten sind der Schlüssel zu einem erfüllten und erfolgreichen Erwachsenendasein.

Die gelbe Villa wird maßgeblich durch Zuwendungen und Programme anderer Stiftungen gefördert, erklärt mir der Fundraising-Beauftragte Koepcke. Zusätzlich finanziert sich die Einrichtung durch Spenden von Unternehmen und Privatpersonen. Auch über die Plattform betterplace.org können Freunde und Unterstützer der gelben Villa besonders einfach spenden. Sonst erreichen Ihre Spenden en Bildungsbetrieb auch ganz klassisch per Banküberweisung an:

die gelbe Villa – Stiftung Jovita
Bank für Sozialwirtschaft AG
BLZ 100 205 00
Konto Nr. 32 87 500r

 

Text: Maximiliane Schwerdt.

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