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Ali ist kein Migrant!

Wie Ali ergeht es vielen Menschen ausländischer Herkunft in Deutschland. Sie fühlen sich längst heimisch, bleiben aber in den Augen vieler immer ein „Migrant“. Wir sprachen mit Uwe Lange (Foto), dessen Abstammung und Name deutsch ist, der sich aber als polnischer Migrant bezeichnet und fließend Türkisch spricht. Heute ist er Generalsekretär der Türkisch-Deutschen Unternehmensvereinigung (TDU). migration business traf Uwe Marcel Lange und sprach mit ihm über das Auswandererland Deutschland und seine tägliche Arbeit mit Politikern.

Arbeit, Familie – Deutschland als Heimat

Ali, ein Name, den viele schnell mit einem Ausländer, einem Migranten, verbinden. Aber Alis türkische Familie kam vor 61 Jahren, nämlich in den 50ern, nach Deutschland und leistete einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der deutschen Wirtschaft. Sie arbeiteten aber nicht nur in Deutschland, sondern ließen sich in Deutschland zusammen mit ihrer Familie nieder. Deutschland wurde ihre Heimat. Ali selbst hat die Türkei noch nie gesehen. Anstatt Ausländer wird er heute “Migrant” genannt, doch was hat sich verändert?

Uwe Lange hilft bei den Problemen der türkischen Migranten in Berlin-Brandenburg. Er arbeitet zusammen mit Politikern, beispielsweise mit Innenminister Friedrich. Seine Aufgabe ist es unter anderem, der Bevölkerung zu zeigen, wie unterschiedlich und vielfältig die türkischen Migranten in Wirklichkeit sind.

Visum für Unternehmer

Vor nicht allzu langer Zeit war es so, dass es für Menschen türkischer Herkunft fast unmöglich war, ein Visum für Deutschland zu bekommen, auch schon für den Besuch einer Messe. Die Bearbeitungsdauer betrug 3 Monate, oft wurde der Antrag ohne einen Bescheid oder eine Begründung abgelehnt. Uwe Lange sprach mit Innenminister Friedrich und erreichte, dass türkische Antragsteller nun ein Visum innerhalb von sechs Wochen bekommen, das drei Jahre lang hält. Aber das reicht Herr Lange noch nicht. Für die Zukunft ist die völlige Visafreiheit für türkische Unternehmer sein Ziel.

Wirtschaftswunder Türkei?

Aber seit einiger Zeit zeigt sich ein neuer Trend:Die Menschen mit türkischen Wurzeln pendeln oder wandern sogar in die Türkei aus. „Verständlich“, findet Uwe Lange, da die Türken oft eine starke Heimatverbundenheit haben und zum Teil noch Verwandtschaft dort. Im Vergleich zu Deutschland ist das Wirtschaftswachstum in der Türkei stabil, seit vielen Jahren konstant zwischen sieben und neun Prozent. In Folge des Wachstums in der Türkei steigen auch die Löhne und die Anzahl der Arbeitsplätze. Die Rente erhöht sich und das Rentenalter wurde von 44 auf über 64 Jahre angehoben. Denkt man den jetzigen Trend weiter, so müsste die Türkei in ungefähr 15 Jahren zu dem Wirtschaftswachstum kommen, das Deutschland in den 50ern hatte – als nämlich die türkischen Migranten nach Deutschland kamen. Die meisten, die die Anzeichen erkennen, wandern ab oder pendeln. Das ist Globalisierung!

Dass Migranten und Hochqualifizierte auswandern ist inzwischen Realität. Herrn Lange begründet es damit, dass viele türkische Migranten immer noch zu schlecht integriert sind. In Zusammenarbeit mit Herr Christian Linder von der FDP fragten sich die zwei, was die Gründe für die meist schlechten oder nicht beendeten Schulabschlüsse sind. Wie kann man den jungen Menschen trotzdem helfen, sich in die Gesellschaft zu integrieren?

Die Integration beginnt früh

Herr Lange und Herr Linder vermuten, dass der Grund sowohl in der Schulzeit liegt, als auch in der Familienstruktur. Weil die türkischen Familien untereinander bleiben und mehrere Generationen zusammen wohnen, wird fast nur Türkisch gesprochen. In der Schule fällt es den Kindern dann schwer, alles im Unterricht zu verstehen, da sie sich auf Inhalt und Sprache zugleich konzentrieren müssen.

Doch Änderung ist in Sicht, denn der Preis für Wohnraum steigt und die Familien wollen nicht zu acht in einer drei Zimmer-Wohnung leben. Das bedeutet: Die jungen Leute ziehen aus. Die traditionelle Familienstruktur ist damit nicht länger möglich. Bei den Problemen mit der Bildung sorgt die TDU mit vielen Firmen-Partnern dafür, dass die Schüler, die keine Stelle bekommen oder den Abschluss nicht schaffen, dennoch Praktika oder Erfahrungen sammeln können. Eventuell sogar einen Ausbildungsplatz erhalten.

Die ausländischen Namen bei der Bewerbung

Das Grundproblem ist, dass viele, die abgelehnt werden, nie gelernt haben, eine Bewerbung zu schreiben. Dadurch haben sie kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Noch dazu kommt die Annahme, dass Arbeitgeber eher Angestellte wählen, dessen Name sie aussprechen können, wie Herr Lange feststellt. Das macht es ihnen leichter, auf die Leute zuzugehen. Doch dank der Partner-Firmen, die den türkischen Migranten Praktika anbieten, wurden viele übernommen und bekamen eine Stelle. Die TDU plant, mit noch mehr Firmen zu kooperieren und mehr Chancen für die jungen türkischen Schüler zu schaffen.

Ali arbeitet nicht in der Türkei, egal wie hoch das Wirtschaftswachstum ist. Er fühlt sich als Deutscher. So wie es viele andere mit gleichem Schicksal, trotz Sarrazin und Buschkowsky, tun.

Text: Aylin Graf und Dario Mohtachem.

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