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Aufstiegsmöglichkeiten im fernen Osten

Bereits 2001 war Dirk Mussenbrock Diplomand in China, als es noch relativ unüblich war, den fernen Osten zu bereisen. Heute versuchen immer mehr Deutsche ihr Glück im Reich der Mitte. Wirtschaftliche Dynamik und eine spannende Kultur zieht die meisten dahin. Herr Mussenbrock, geschäftsführender Gesellschafter der Mussenbrock & Wang GmbH, erkannte bereits früh die große Nachfrage und startete im Oktober 2011 in mehreren deutschen Städten die erste Karriere-Messe mit China-Fokus: Die Sinojobs Career Days.

mb: Warum eigentlich gerade China? Was macht dieses Land besonders interessant?

MUSSENBROCK: Wenn man die Entwicklung der Volkswirtschaften in den letzten Jahrzehnten vergleicht, hat China einen sehr dominierenden Part. Auch wenn das Wachstum etwas abnimmt, haben die Chinesen ihr Land in kürzester Zeit relativ weit nach oben gebracht. Aufgrund der hohen Einwohnerzahl hat China für ausländische Firmen ein sehr großes Potential. So können selbst Unternehmen, die in Deutschland, in Europa oder der Welt in kleinen Nischenbereichen unterwegs sind, in China aktiv sein.

mb: Sie haben auf Ihrer Website geschrieben, dass mehr als 25.000 Studenten aus dem Reich der Mitte in deutschen Hochschulen eingeschrieben sind. Was motiviert Ihrer Ansicht nach chinesische Studenten, den Weg nach Deutschland zu suchen? Warum gerade Deutschland?

MUSSENBROCK: Die Zahl nimmt nicht zu, sie nimmt eher ab. Die Motivation liegt darin begründet, dass Deutschland grundsätzlich einen guten Ruf in China hat. Man verbindet die klassischen Tugenden und hochwertige Autos mit Deutschland. Das ist sicherlich ein Grund, warum viele Chinesen, die hier nach Deutschland kommen, auch in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen unterwegs sind, um das Know-how, was Deutschland hat, für sich zu gewinnen. Aber Deutschland ist trotz allem eine relativ kleine Nische für chinesische Absolventen. Allein in den USA sind um die 300.000 Studierende aus China. Das hat natürlich auch ein bisschen was mit der Sprache zu tun. Die meisten chinesischen Studenten hier in Deutschland teilen ein Problem: Wenn sie sich einmal für die deutsche Sprache entschieden haben, bleiben sie hauptsächlich bei der Sprache und sprechen oftmals kein Englisch mehr. Dies stellt für die Studenten ein Problem dar, denn wenn sie in deutsche oder europäische Unternehmen einsteigen wollen, ist Englisch eigentlich schon ein Muss.

mb: Aber auch umgekehrt ist ein Trend zu erkennen: Deutsche Studenten und Absolventen streben nicht mehr nach New York – sondern nach Shanghai. Was bewegt deutsche Studenten nach China zu gehen und dort auch beruflich Fuß zu fassen?

MUSSENBROCK: Ich glaube, was die Leute vor allem dazu bewegt, ist die wirtschaftliche Dynamik. Die Wachstumszahlen gehen sehr schnell nach oben und liegen weiterhin bei 7-8 Prozent. Das eröffnet Zuwanderern viele neue Möglichkeiten und bietet relativ gute Aufstiegschancen in ausländischen Unternehmen. Viele von ihnen sind jung, haben noch keine Familie und wollen sich auf neue „Abenteuer“ einlassen. In China haben sie zudem relativ große Chancen, schnell Führungsverantwortung zu übernehmen. Viele Immigranten sind auch von der Kultur, dem Land und den Menschen vor Ort fasziniert. Es ist ein hochspannendes Land, in dem es sehr viel zu entdecken gibt. Aber entweder mögen Leute die chinesische Kultur oder sie möchten ganz schnell wieder zu Wurst und Kartoffelsalat zurück.

mb: Und für alle, die sich für China begeistern, veranstalten Sie nun die erste Karriere-Messe mit China-Fokus – die sogenannten Sinojobs Career Days. Wie kamen Sie auf die Idee?

MUSSENBROCK: Die grundsätzliche Idee zu dem Sinojobs-Jobportal kam bei der Gründung. Bereits zu Beginn erhielten wir sowohl Anfragen von Chinesen, die in deutschen Unternehmen arbeiten wollten, als auch von Deutschen, die einen Job in China suchten. Die Nachfrage war immens, aber eine vergleichbare Jobvermittlung gab es nicht. Nach ersten Recherchen erkannten wir, dass es in Deutschland viele Karrieremessen gab und das Thema China von zunehmendem Interesse war. Und wie das letzte Jahr gezeigt hat: Es hat sich ganz gut bewährt.

mb: Und warum sollte man die Sinojob Career Days besuchen? Was bietet einem die Messe, was andere nicht tun?

MUSSENBROCK: Die bietet natürlich eine hohe Chinakompetenz. Sie können dort mit Leuten sprechen, die direkt im Chinageschäft unterwegs sind. Wenn Sie als Deutscher hingehen, treffen Sie auf Leute, die sich täglich mit China beschäftigen. Die einen stammen direkt aus China und sind im Tagesgeschäft vor Ort tätig. Andere beschäftigen sich in Deutschland direkt mit dem Thema. Auf einer gewöhnlichen Karrieremesse sprechen Sie natürlich mit Personal, welches sich vorrangig an deutschen Standorten orientiert und nicht den Fokus hat, Mitarbeiter für die USA, für China oder andere Länder einzustellen. Diese Personen kennen meist die richtigen Ansprechpartner und haben eine geballte Chinakompetenz. Sie wissen ganz genau, wie die Situation vor Ort ist, welche Leute sie suchen müssen und wie die Anforderungen aussehen.

mb: Welche Zielgruppen wollen Sie mit den Sinojobs Career Days ansprechen? Wer darf sich zu dieser Messe besonders eingeladen fühlen?

MUSSENBROCK: Wir sprechen insbesondere Studierende an, wobei der Fokus schon auf den Absolventen und High Professionals liegt. Das  Geschäft in China wächst beständig und sie brauchen mehr Menschen für Fach- und Führungspositionen. In diesem Fall sind Deutsche, die vielleicht schon ein paar Jahre in China gearbeitet haben und sogar Sprachkenntnisse mitbringen, sehr gefragt. Selbstverständlich aber auch Chinesen, die in Deutschland studiert haben und im Vergleich zu ihren lokalen Absolventen ein etwas anderes Profil haben, das sich besser für deutsche Unternehmen eignet. Diese können sich dort ziemlich schnell eine Führungsposition erhoffen.

mb: Im Oktober 2011 konnten Sie mehr als 3.200 Besucher auf Ihren drei Messen begrüßen. Wie viele Besucher erwarten Sie dieses Jahr und was soll sich zum letzten Jahr ändern? Was gibt es Neues?

MUSSENBROCK: Wir nehmen an, dass die Besucherzahl dieses Jahr etwas größer sein wird. 4000 wäre eine realistische Zahl. Großartige Änderungen haben sich eigentlich nicht ergeben, außer dass wir die Öffnungszeiten ein wenig nach vorne gezogen haben. Außerdem sind einige neue Unternehmen dazu gekommen. Von daher ist es wieder eine interessante Mischung.

 

Das Interview führte Dario Mohtachem.

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