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Chinesische Fachkräfte zur Förderung des eigenen China-Geschäfts

Durch die stete Zunahme der engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Deutschland entsteht bei immer mehr deutschen Unternehmen ein Bedarf an Fach- und Führungskräften mit entsprechenden Sprach- und Kulturkenntnissen.

Seit einiger Zeit etablieren sich in Deutschland daher spezialisierte Recruiting-Messen, die ihren Fokus auf chinesische Fach- und Führungskräfte legen. Zwei Gründe können dafür angeführt werden: Zum einen herrscht hierzulande nach wie vor ein eklatanter Fachkräftemangel und gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben es schwer, qualifiziertes Personal zu finden. Zum anderen hat die fortschreitende Globalisierung mittlerweile dazu geführt, dass auch die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen international tätig ist. Das bedeutet nicht immer gleich eine eigene Niederlassung im Ausland, auf jeden Fall aber intensive Geschäftskontakte in andere Länder. Und diese Geschäftskontakte erfordern häufig eben auch Personal, welches über Sprachkenntnisse und interkulturelles Verständnis verfügt. Eine Rekrutierung ausländischer Fach- und Führungskräfte aus den entsprechenden Ländern erscheint also in zweierlei Hinsicht Sinn zu machen.

Deutsche Unternehmen beliebt

Eine kürzlich unter chinesischen Beschäftigten in China durchgeführte Studie zeigte beispielsweise auf, dass vor allem junge Chinesen ausländische Arbeitgeber der Branchen Finanzen, IT, Energie und Chemie bevorzugen. Deutsche Unternehmen haben also gute Chancen geeignete Bewerber zur Förderung ihres China-Geschäfts zu finden.

Was bedeutet die „Blue Card“?

Zur leichteren Rekrutierung hochqualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland hat die Europäische Union jüngst die Blue Card ins Leben gerufen. Durch sie werden die Einreise und der Aufenthalt hochqualifizierter Arbeitskräfte in der EU wesentlich vereinfacht. Ziel der Blue Card ist es, insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu verbessern und der Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte aus dem EU-Raum vorzubeugen.

In Deutschland ist die Blue Card zum 1. August 2012 eingeführt worden und hat umfassende Veränderung des deutschen Aufenthaltsrechts mit sich gebracht. Im Kern wird durch die Richtlinie das Zulassungsverfahren vereinfacht und der Rechtsstatus der Menschen verbessert, die sich bereits innerhalb der EU befinden. Zudem wird eine europaweite Harmonisierung der Bedingungen für die Einreise und den Aufenthalt in der EU geschaffen.

Die Blue Card steht hochqualifizierten Arbeitskräften jedoch lediglich unter bestimmten Voraussetzungen zu. Entscheidend sind insbesondere ein Hochschulabschluss und ein Arbeitsvertrag mit einem Mindestjahresgehalt von 44 800 Euro. Für einige Branchen, in denen ein besonders akuter Fachkräftemangel herrscht, wurde bereits jetzt die Gehaltsgrenze auf 34 944 Euro reduziert. Zu diesen Branchen gehören z. B. die Ingenieure, Mathematiker, Ärzte und IT-Fachkräfte. Insgesamt wurde die Gehaltsgrenze damit von ursprünglich 66.000 Euro in erheblichem Maße gesenkt.

Auch die Zusammenführung von Familien wird mit Hilfe der Blue Card erleichtert. Sofern die Fachkräfte auch nach drei Jahren noch einen gültigen Arbeitsvertrag vorweisen können, steht ihnen und ihren Familien nach diesem Zeitraum ein Daueraufenthaltsrecht in der EU zu. Fachkräfte mit besonders guten Deutschkenntnissen wird eine solche Daueraufenthaltserlaubnis bereits nach zwei Jahren gewährt.

Die Blue Card bietet deutschen Unternehmen somit eine hervorragende Chance, ihre Belegschaften international auszurichten und ihre Unternehmensstrategie mit Hilfe von hochqualifiziertem Personal – z. B. aus China – erfolgreich umzusetzen. Die Kompetenzen und Perspektiven der Arbeitskräfte aus dem Reich der Mitte können sowohl in fachlicher als auch in kultureller Hinsicht eine enorme Bereicherung für deutsche Unternehmen sein und entscheidende Impulse setzen.

Kulturelle Missverständnisse

Eine internationale Rekrutierung und die damit steigende ethnische Vielfalt innerhalb der Belegschaft stellt Unternehmen aber zweifelsohne auch vor neue Herausforderungen. Sprachliche Probleme, kulturelle Besonderheiten oder unterschiedliche Arbeitsmethodik können schnell zu Missverständnissen führen. Unternehmen, die die Chancen der Blue Card nutzen wollen, sollten daher von Anfang an auf eine Integration von Recruiting und Diversity Management setzen.

Ein alle Unternehmensbereiche durchdringendes Diversity Management, welches eine auf personelle Vielfalt aufbauende Unternehmenskultur schafft, trägt sodann auch zu Fortschritt und Wachstum des Unternehmens bei. Dazu bedarf es einer für kulturelle Unterschiede und daraus entstehende Vorteile sensibilisierenden internen Kommunikation, interkultureller Schulungen und entsprechender Organisationsentwicklungsmaßnahmen. Sofern dies von den Unternehmen berücksichtigt wird, liegt in der Blue Card der EU eine außerordentliche Chance, sowohl dem Fachkräftemangel zu begegnen, als auch die eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

 

Text: Alexander Tirpitz.

Alexander Tirpitz ist Sinologe und Betriebswirt und Geschäftsführer des German Center for Market Entry in Berlin. Außerdem ist er Dozent für Themen des International Managements an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Das German Center for Market Entry (GCME) ist eine Ausgründung der Freien Universität Berlin und spezialisiert auf die Themen Internationalisierung und Schwellenländer. Die Aktivitäten und Leistungen des GCME umfassen Studien, Beratung sowie Seminare und Vorträge. Die Angebote richten sich an ausländische Unternehmen, die einen Markteintritt in Deutschland planen, sowie deutsche Unternehmen, die international tätig sind.

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