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Darf man heute noch „Gesundheit“ wünschen?

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Großraumbüro mit 35 Mitarbeitern und ein Kollege hat Heuschnupfen. Nun Menschen, die an Heuschnupfen leiden, können Niesattacken bis zu 15 x hintereinander bekommen. Jeder möchte dem offensichtlich Leidenden Gesundheit wünschen. Sie können sich ausrechnen, wozu das führt, wenn diesem armen Menschen jeder 1x pro Niesanfall Gesundheit wünscht. Es wird leicht satirisch. Wünscht man ihm Gesundheit, stört man den Arbeitsablauf und irgendwann wird es auch nervig und störend. Tut man dies nicht, könnte man leicht als unhöflich gelten. Man ist also in einem Dilemma.

Was tun?

Im Allgemeinen gilt ein Niesen als eine Störung des Gesprächs oder des Meetings. Der Niesende sollte sich entschuldigen und die Gesprächsteilnehmer sollten den Störfall diskret übergehen. Ist er Allergiker, ist es im Grunde genommen besser, den Raum zu verlassen, bis die Niesattacken vorüber sind. Dies gilt im Übrigen auch für Hustanfälle. Im Business, bei Geschäftsessen und bei Einladungen mit offiziellem Charakter liegen Sie mit dieser Vorgehensweise immer richtig.

Nun wie erkläre ich Oma Gabi, dass es nach den neusten Regeln jetzt unhöflich ist, ihr Gesundheit zu wünschen, wenn Sie niest und in Ihr Riesentaschentuch schnäuzt? Gar nicht! Hier wenden Sie bitte, wie gehabt, die „alte“ Methode an. Sie wünschen Ihrer Oma „Gesundheit“. Die alte Dame würde es sonst nicht verstehen und wäre beleidigt, im Übrigen würden Sie als ein Rüpel da stehen.

Im engsten Familienkreis und unter Freunden entscheiden Sie selbst, welche Haltung am Besten passt.

 

Text: Fulya Sonnenschein.

Fulya Sonnenschein ist Freie Trainerin für Interkulturelle Kommunikation und moderne Umgangsformen und Eigentümerin der Firma Knigge in Berlin. Sie trainiert sowohl multikulturell zusammengesetzte Teams in international aufgestellten Unternehmen, als auch Schüler an Berliner Grundschulen oder Privatpersonen in Fragen der Etikette und Internationalen Do’s & Don’ts. Sie selbst ist Migrantin, lebt in Berlin und ist in zwei Kulturen zuhause. Für migration-business schreibt sie jeden zweiten Freitag die Knigge-Kolumne und informiert die Leserinnen und Leser anhand von Beispielen über Do’s und Dont’s in Sachen Knigge und interkulturelle Kompetenz.

Mehr Informationen über Frau Sonnenschein finden Sie unter: www.knigge-in-berlin.de

1 Kommentar

  1. Bastian Lee Jones

    Die Situation im Großraumbüro hat etwas komödiantisches.
    Vielleicht hat man immer einen Hustenbonbon oder eine Mandarine oder ein Taschentuch parat, welches man dem Niesenden, Schnupfenden still hinlegt.
    So stört es keinen, und man zeigt Anteilnahme und ist höflich.
    Und diese Methode habe ich aus Indonesien.

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