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Die südländische Mentalität begeistert mich!

Katharina Wolf begeistert sich seit jeher für die Kultur, Lebensweise und Sprachen der südeuropäischen Länder. Sie studiert Spanisch mit Nebenfach BWL an der Humboldt-Universität in Berlin. Auslandserfahrungen bringt sie reichlich mit – zurzeit befindet sie sich mit dem ERASMUS-Programm in der spanischen Stadt Salamanca. Spanisch spricht sie schon längst fließend, so wie auch Italienisch. Im Interview mit migration-business spricht die 23-jährige Studentin über ihre Erfahrungen in Italien und zeigt, wie man sich trotz mangelnder Vorkenntnisse und vieler Bewerber durchsetzen kann.

Mb: Wie hast du dich auf deinen Auslandsaufenthalt vorbereitet?

WOLF: Bei einem Europäischen Freiwilligendienst ist es sehr ratsam, nicht erst wenige Monate vor Abreise mit der Planung anzufangen, da es ein langer und zeitaufwendiger Prozess sein kann, das passende Projekt für sich zu finden. Besonders Länder wie Spanien, England und Italien sind bei den Freiwilligen sehr beliebt und es gibt viel mehr Bewerber als Plätze. Deshalb habe ich rund ein Jahr vor meiner Abreise damit angefangen mich im Internet über verschiedene soziale Einrichtungen in Italien zu informieren und erste Bewerbungen abzuschicken. Vor Beginn meines Auslandsaufenthaltes habe ich dann an einem obligatorischen Vorbereitungsseminar des Europäischen Freiwilligendienstes teilgenommen. Hier bekam ich die Möglichkeit auch andere Freiwillige kennenzulernen.

Mb: Warum hast du dich gerade für dieses Land entschieden?

Der Petersdom in Rom

WOLF: Die südländische Mentalität und Lebensweise hat mich schon immer begeistert. Ich mag das Temperament und die Offenheit der Südeuropäer, die mir als Deutsche auch geholfen haben schneller Kontakte in der fremden Umgebung zu knüpfen. Außerdem wollte ich unbedingt Italienisch lernen, da es für mich eine der schönsten Sprachen ist.

Mb: Hattest du sprachliche Vorkenntnisse oder musstest du eine neue Sprache lernen?

WOLF: Als ich mich für das soziale Jahr bewarb, sprach ich noch kein Italienisch. Es war mir aber wichtig meinen Freiwilligendienst nicht ohne jegliche Vorkenntnisse der italienischen Sprache zu beginnen, da es sonst viel schwieriger sein würde mich in der neuen Umgebung zu Recht zu finden. Daher habe ich ca. ein halbes Jahr vor Abreise angefangen, mir mit Hilfe von Lehrbüchern selber die Grundkenntnisse anzueignen. Da ich zum damaligen Zeitpunkt bereits gut Spanisch sprach, war es für mich leichter das Italienische zu verstehen, da die beiden Sprachen sich teilweise doch sehr ähneln.

Mb: Wie hast du gelebt – wie sah dein Alltag im Ausland aus?

WOLF: Während meines sozialen Jahres habe ich selber in dem Kinderheim gewohnt und mir dort mit einer spanischen Freiwilligen ein Zimmer geteilt. In dem Heim lebten insgesamt 8 Kinder im Alter von 10 – 17 Jahren, 3 Betreuer und 3 Freiwillige. Für mich war es eine komplett neue und interessante Erfahrung mit so vielen Menschen zusammenzuwohnen, da ich Einzelkind bin und es in der Form nicht kannte. Zwar fand ich es sehr schön, dass immer Leben im Haus war, und ich hab es genossen Zeit mit den Kindern zu verbringen, jedoch konnte es an manchen Tagen auch etwas schwierig sein, da man keinen wirklichen Rückzugsort hatte, wenn man mal etwas Ruhe brauchte.

Meine Aufgabe als Freiwillige war es unter anderem die Kinder von der Schule abzuholen, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen und sie zu ihren außerschulischen Aktivitäten zu fahren. Des Weiteren hatten wir die Aufgabe im Haushalt mitzuhelfen und jeden Tag das Abendessen für alle zuzubereiten. Die offizielle Arbeitszeit der Freiwilligen belief sich auf 6 Stunden pro Tag. Aufgrund der Tatsache, dass wir jedoch selbst im Kinderheim wohnten, waren wir praktisch den ganzen Tag im Einsatz und standen immer bereit, wenn unsere Hilfe benötigt wurde.

Mb: Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

WOLF: Alle europäischen Freiwilligen bekamen von der EU eine monatliche Förderung von 115 Euro. Unterkunft und Verpflegung wurden von meinem sozialen Projekt gestellt. Jedoch wurde ich während meines Auslandsjahres auch weiter von meinen Eltern unterstützt, da Rom eine sehr teuere Stadt ist und ich mit 115 Euro monatlich sonst nicht ausgekommen wäre.

Mb: Welche Unterschiede hast du zu Deutschland wahrgenommen?

WOLF: Innerhalb meines Projektes ist mir im Wesentlichen die unterschiedliche Rollenverteilung zwischen Mann und Frau aufgefallen. Uns weiblichen Freiwilligen wurde recht schnell deutlich gemacht, dass uns sämtliche häusliche Arbeiten wie bügeln, kochen und waschen zufallen, während sich die zwei männlichen Erzieher aus dem Heim kaum daran beteiligten. Auf meine Frage, warum das Kinderheim seit Jahren nur weibliche Freiwillige aufnimmt erhielt ich die Antwort: „Weil die Aufgaben, die im Hausalt erledigt werden müssen, eher etwas für Frauen sind.“ Auch den Kindern ,größtenteils Jungs, wurde diese Einstellung weitergegeben. Dies lässt sich aber natürlich nicht verallgemeinern, sondern war nur der Eindruck, den ich innerhalb meines sozialen Projektes gewonnen habe. Ob diese Verhaltensweise tatsächlich Bestandteil der italienischen Mentalität ist oder nur ein Phänomen, das mir an meinem Arbeitsplatz begegnet ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Viele meiner italienischen Freunde sowie meine spanische Bewohnerin waren überzeugt, dass Deutsche stets sehr ernst und übermäßig korrekt sind. Als sie mich kennenlernten waren sie erstaunt wie fröhlich und kommunikativ wir Deutschen sein können.

Bilder und Impressionen aus Italien:

Kollosseum

Lungotevere Dante 2 Lungotevere Dante 3

Pantheon

 

Das Interview führte Dario Mohtachem.

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