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„Guten Appetit“

Damals, als sich viele Familien noch Hausangestellte leisten konnten, war es üblich, dass das Personal, wenn das Essen angerichtet war und die Herrschaften bei Tisch saßen, der Familie einen „Guten Appetit“ wünschte. Die Herrschaften wussten dann: Jetzt darf gegessen werden! Heute zählen wenige zu den priviligierten Familien, die sich Hauspersonal leisten können. Was tun also die Familien heute? Sie wünschen sich selbst „Guten Appetit“.

In der Familie und bei Freunden ist es eine schöne Sitte und trägt zur Tischharmonie bei, sich gegenseitig einen „Guten Appetit“ zu wünschen. Diese Tradition aufzugeben wäre schade und auch unnötig. Jedoch sollte man es vermeiden, bei einem Business-Lunch dem Chef einen „Guten Appetit“ zu wünschen. Es sei denn, der Chef tut es. Dann korrigieren Sie ihn bitte nicht. Dies könnte hinderlich für Ihre Karriere sein.

Es gibt Unternehmen, da gehört es zum guten Ton, sich ca. ab 11.30 Uhr „Mahlzeit“ über den Gang zuzurufen. Wenn Ihr Unternehmen dazu gehört, passen Sie sich bitte an. Sonst könnten Sie leicht als arrogant gelten und sich unbeliebt machen. Auch würde niemand verstehen, warum Sie Ihren Kollegen in der Kantine keinen „Guten Appetit“ mehr wünschen. Hier gilt es, mitzumachen, denn die Firmenkultur steht mit ihren Regeln und ethischen Vorsätzen oben.

Aber im Allgemeinen gilt, im Business und bei Galadiners wünscht man sich keinen „Guten Appetit“ mehr. Wenn Sie ein privates Abendessen zu Hause veranstalten, kann Ihnen niemand vorschreiben, wie Sie Ihren Gästen deutlich machen möchten, dass nun das Büffet eröffnet ist. Eine weitläufig übliche Art ist es, dass die Dame des Hauses das Buffet eröffnet, indem Sie sich am selbigen bedient und ihren Gästen huldvoll zunickt oder mit einer charmanten Bemerkung das Büffet für eröffnet erklärt.

 

Text: Fulya Sonnenschein.

Fulya Sonnenschein ist Freie Trainerin für Interkulturelle Kommunikation und moderne Umgangsformen und Eigentümerin der Firma Knigge in Berlin. Sie trainiert sowohl multikulturell zusammengesetzte Teams in international aufgestellten Unternehmen, als auch Schüler an Berliner Grundschulen oder Privatpersonen in Fragen der Etikette und Internationalen Do’s & Don’ts. Sie selbst ist Migrantin, lebt in Berlin und ist in zwei Kulturen zuhause. Für migration-business schreibt sie jeden zweiten Freitag die Knigge-Kolumne und informiert die Leserinnen und Leser anhand von Beispielen über Do’s und Dont’s in Sachen Knigge und interkulturelle Kompetenz.

Mehr Informationen über Frau Sonnenschein finden Sie unter: www.knigge-in-berlin.de

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