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Jeder Unternehmer profitiert von Offenheit für Vielfalt

In Berlin wird gegründet was das Zeug hält. Immer mehr Zuwanderer gründen Startup-Unternehmen – mit Erfolg! migration business sprach mit Herrn Friedrich Brieger (Foto) von der IHK Berlin unter anderen darüber, was deutsche Manager und Unternehmer mit Migrationshintergrund voneinander lernen können.

mb: Herr Brieger, was haben ausländische Investoren davon, wenn sie in Berlin investieren?

BRIEGER: Sie investieren in einem Umfeld, das sich durch Internationalität und Vielfalt auszeichnet. Dabei finden sie eine gute Infrastruktur vor, und können von einer exzellenten Forschungs- und Ausbildungslandschaft profitieren, die gleichzeitig ein hohes Fachkräftepotenzial bindet und heranbildet. Hinzu kommen die zentrale Lage in Europa und der Zugang zu allen global wichtigen Märkten – Standortvorteile, die ebenfalls für unsere Stadt sprechen. Berlin bietet besonders für Wachstumsbranchen attraktive Ansiedlungsbedingungen. Dass die Innovations- und Zukunftsorte-Strategie vorangetrieben wird, führt auch zu einer besseren Verknüpfung von wissensintensiven Unternehmensdienstleistern, forschungsintensiven Industrien und wissenschaftlichen Einrichtungen – gute Rahmenbedingungen also, um gerade auch innovative Ideen umzusetzen. Nicht zuletzt ist das positive Image Berlins weltweit bekannt und die Stadt zieht mit ihrer hohen Lebensqualität auch international Fachkräfte mit hohen Ansprüchen an.

mb: Was bietet die IHK Berlin für Unternehmer mit Migrationshintergrund?

BRIEGER: Zunächst einmal natürlich das gesamte Service- und Informationsangebot der IHK Berlin, das sich an die Berliner Wirtschaft als Ganzes richtet. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Angeboten und Aktivitäten, die wir speziell für Unternehmer mit Migrationshintergrund geschaffen haben bzw. im Bedarfsfall bereithalten. Um Ihnen einen Eindruck zu geben: Das beginnt bei Vorträgen bei verschiedenen Migrantenverbänden zur Frage der Gründung sowie gemeinsamen Veranstaltungen zum Thema Unternehmensnachfolge. Das kann Informationsveranstaltungen beinhalten, beispielsweise zum Vergaberecht, die speziell auf die Bedürfnisse von Unternehmern mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind.

Und es erstreckt sich bis zu unserem Angebot im Rahmen des Business Immigration Service (BIS). Zu diesem gehören z.B. die Erstberatung zur Unternehmensgründung und Niederlassung in Berlin, Informationen zur Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit (§ 21 Aufenthaltsgesetz) und die Beratung von Arbeitgebern bei der Einstellung ausländischer Arbeitnehmer. Auch im Bereich Ausbildung sind wir speziell für Unternehmer mit Migrationshintergrund aktiv. Hier steht eigens ein IHK Mitarbeiter als Ansprechpartner zur Verfügung. Und das Projekt „Passgenaue Vermittlung Auszubildender an ausbildungswillige Unternehmen“, das auf alle Ausbildungsberufe der IHK ausgedehnt ist, hat einen Fokus auf Unternehmen sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund. Zusätzlich bieten wir – wie bisher in Kooperation mit der Türkischen Botschaft, der Arbeitsagentur oder arabischen Unternehmen schon geschehen – Informationen für türkische und arabische Jugendliche zur Dualen Berufsausbildung an.

Auch sprachliche Unterstützung will ich hier nennen. So lässt sich die sogenannte Gaststättenunterrichtung auch mit einem Dolmetscher durchführen, sollte ein Existenzgründer nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Und im Bereich der Weiterbildung gehört in Kooperation mit einem Bildungsträger ein türkischsprachiges Seminar zur Lebensmittelhygiene zum Angebot. Um die Belange von Unternehmern mit Migrationshintergrund insgesamt, aber auch Fragen zur internationalen Wirtschaft in Berlin und zur Integration allgemein besser diskutieren zu können, haben wir die IHK-Arbeitsgruppe der Unternehmerinnen und Unternehmer ausländischer Herkunft geschaffen.

mb: Wie viele Einwandererunternehmen zählt die IHK Berlin bereits zu ihren Mitgliedern?

BRIEGER: Wir führen bei unseren Mitgliedern nur die Staatsangehörigkeit. Auf dieser Grundlage stellen wir fest, dass die IHK-Mitglieder ausländischer Herkunft immer stärker vertreten sind. Würden wir auch den Migrationshintergrund betrachten können, so würde sich das Bild unserer Mitglieder sicherlich noch vielfältiger gestalten. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang auch auf die jüngst aktualisierte Studie „Internationale Wirtschaft in Berlin“ des Bereichs International der IHK Berlin verweisen. Danach ist mittlerweile jeder 12. ausländische Bürger in der Stadt gewerblich tätig – mit steigender Tendenz. Denn im Vergleich zum Jahr 2009 ist die Zahl der in der Studie erfassten ausländischen Gewerbe auf über 38.000 im Jahr 2011 gestiegen. Ausländische business-communities entwickeln sich also kontinuierlich zu einem wichtigen Faktor des Berliner Geschäftslebens, wobei ihnen eine hohe Gründungsdynamik zu eigen ist. Über 90 Prozent aller ausländischen Gewerbe in Berlin wurden in den letzten zehn Jahren gegründet.

mb: Welche ethnischen Gruppen sind besonders unternehmerisch aktiv und in welchen Wirtschaftsbranchen werden Betriebe gegründet?

BRIEGER: Nach der genannten Studie bietet sich uns insgesamt ein vielfältiges Bild, denn die ausländischen Gewerbetreibenden in Berlin gehören 170 Nationalitäten an. Dabei sind die polnische und die türkische business-community am stärksten vertreten – Unternehmen aus diesen beiden Ländern machen zusammen ein Drittel aller ausländischen Unternehmen aus. Auch bei der Betrachtung nach Branchen zeigt sich eine vielfältige Verteilung. So finden sich ausländische Gewerbetreibende in zwanzig Branchen. Dabei zählt – wie für die deutschen Gewerbetreibenden auch – der Handel zu den wichtigsten Betätigungsfeldern. Weiterhin ist das Baugewerbe ein wichtiges Betätigungsfeld für die ausländischen business-communities –Anteil 18,5 Prozent. 12,1 Prozent der gewerblich gemeldeten ausländischen Betriebe erbringen sonstige Dienstleistungen.

mb: Arbeiten Sie mit den Chambers, wie zum Beispiel die Türkisch-Deutsche Unternehmervereinigung e.V., zusammen?

BRIEGER: Die ausländischen business-communities bzw. Unternehmer mit Migrationshintergrund sind ein wichtiger Faktor des Berliner Geschäftslebens. Deshalb ist für uns der Austausch mit entsprechenden Unternehmervereinigungen und Verbänden selbstverständlich, beispielsweise auch mit der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (TD-IHK). Regelmäßig treffen wir uns in Arbeitsgruppen. Außerdem tauschen wir uns auch über (Aus-)Bildungsfragen und mögliche gemeinsame Projekte aus oder finden Kooperationen. Für das kommende Jahr planen wir eine Kooperation bei einer Veranstaltung zum Thema „Vielfalt in Unternehmen“.

 mb: Was können deutsche Manager und Unternehmer mit Migrationshintergrund voneinander lernen?

BRIEGER: Zunächst einmal gebührt jeder unternehmerischen Leistung Respekt. Und wenn jemand den Schritt ins Ausland oder gar die Gründung in einem anderen Land unternimmt, dann sollte auch der damit verbundene Wille anerkannt werden, sich auf eine neue professionelle oder wenn Sie so wollen – kulturelle Umgebung einzulassen – und dort den Erfolg zu suchen. Der Austausch über dabei gesammelte Erfahrungen ist sicherlich für jeden Unternehmer interessant und von Nutzen. Und generell denke ich, dass jeder Unternehmer – ob nun mit oder ohne Migrationshintergrund – von Offenheit für Vielfalt profitieren kann. Die Vorteile von Vielfalt in Führungs- und Arbeitsteams aber auch bei der Ansprache bzw. der Gewinnung neuer Kundengruppen werden von immer mehr Unternehmen wahrgenommen.

mb: Herr Brieger, ich bedanke mich für das Interview!

 

Das Interview führte Joel Cruz.

1 Kommentar

  1. Lukas S.

    Ein echt spannendes Interview! Ich finde es richtig, dass Migranten nicht ständig mit „Gewalt“ oder „Kriminaltiät“ in Verbindung gebrachten werden, so wie einige SPD-Politiker wie Sarrazin oder Buschkowsky. Teile von der CDU und FDP machen das ja auch sehr gerne. Dass Zuwanderer auch unternehmerisch tätig ist bereits eine Realität. Laut dem Interview scheint die IHK Berlin vom Denken her viel weiter zu sein als einige Politiker! Finde ich sehr gut! An die Macher von Migration-Business-Team: Macht weiter so!!!!

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