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Jolanta Walter – Puppentheater „Zum Glück“

Jolanta Walter lebt und arbeitet mit Rotkäppchen, dem bösen Wolf und Großmutter. Sie hat die Figuren auf die Bühne gebracht und mit Leben erfüllt. In ihrem Puppentheater „Zum Glück“ erlebt die Puppenspielerin ihr Glück jeden Tag aufs Neue – sie darf spielen. Als sie vor vier Jahren nach Deutschland kam, sah die Situation ganz anders aus.

Jolanta Walter kam aus Polen nach Deutschland. In Polen hat sie vier Jahre Puppenspiel auf der Kunstakademie studiert. Danach präsentierte sie in einem großen staatlichen Puppentheater ihre Kunst. „In Polen ist es anders als hier in Deutschland. Dort muss man Puppenspiel studieren, um auf der Bühne spielen zu dürfen. Dort lernt man auch wie man Puppen herstellt, wie das Bühnenbild realisiert wird und wie Regie geführt wird. Es ist ein umfangreiches Studium“ – erzählt Jolanta Walter (43). Aber trotz guter Ausbildung und viel Erfahrung konnte Jolanta Walter, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, ihre Familie nicht versorgen. Aus diesem Grund hat sie sich vor vier Jahren entschieden nach Berlin zu kommen: „Bevor ich endgültig nach Berlin umgezogen bin, war ich bereits hier, habe Freunde besucht und beschlossen hier zu leben.

Aller Anfang ist schwer – aber Jolanta Walter kämpft!

Aber es war keine leichte Entscheidung. Ich bin Puppenspielerin und die Sprache ist mein wichtigstes Werkzeug auf der Bühne. Aber als ich nach Berlin kam, konnte ich kein Deutsch“ – erzählt Jolanta Walter mit einem fast entschuldigendem Lächeln. Die Künstlerin erwies sich auch als Überlebenskünstlerin, denn der Neuanfang in Deutschland war schwer. „Als ich nach Berlin gekommen bin, habe ich als mobile Piercerin gearbeitet und war auch Straßenkünstlerin. In einem ausgefallenen orangefarbenen Kostüm stand ich auf der Straße und Touristen haben sich mit mir fotografieren lassen. Ich habe aber parallel zur Arbeit angefangen Deutsch zu lernen“ – und sie hat ihren Traum vom Puppenspielen nicht aufgegeben, fügt sie entschieden hinzu. Im Rahmen eines berufsbezogenen Sprachkurses wurde sie aufgefordert einen Praktikumsplatz finden. „Ich bin zum Figurentheater „Grashüpfer“ in Treptow gegangen und dort habe ich gesehen, was die deutschen Kollegen machen. Und: Dort habe ich wieder eine sehr, sehr große Spiellust bekommen.“

„Auf der Bühne ist mein Deutsch perfekt“

Ermutigt von deutschen Kollegen entwickelte Jolanta Walter ihr erstes Puppentheaterstück „Das Märchen vom Rotkäppchen“. Für das Puppenspiel entwickelte sie selbst die Puppen, entwarf das Bühnenbild und führte Regie. Die Zuschauer bekamen Jolantas Rotkäppchen zum ersten Mal bei dem Festival „1000 Jahre Rotkäppchen“ im Sommer dieses Jahres zu sehen. „Bei der Premiere war ich natürlich aufgeregt. Das war das erste Mal, dass ich auf Deutsch gespielt habe. Aber es ist erstaunlich. Auf der Bühne ist mein Deutsch perfekt, weil ich meinen Text auswendig gelernt habe und dann mache ich mir keine Gedanken. Außerhalb der Bühne mache ich noch Fehler, aber auf der Bühne nicht“ – erzählt Jolanta Walter stolz.

Kein großes Unternehmen, sondern die Bühne!

Mit ihrem ersten Puppentheaterstück ist noch ein weiterer Traum vom Jolanta wahr geworden – sie hat sich selbständig gemacht. Sie gründete das Puppentheater „Zum Glück“. „Dabei hat mir Coach Irina Luschnikowa von der Initiative Selbständiger Immigrantinnen ISI e.V. sehr geholfen. Meinen Businessplan habe ich alleine geschrieben und es war gut so, weil ich genau wusste, was ich machen wollte. Aber bei dem Finanzteil hat mir Frau Luschnikowa unter die Arme gegriffen und das Ganze richtig geformt.“ Die junge Unternehmerin und erfahrene Puppenspielerin spielt heute in Kindergärten, bei privaten Aufführungen, am liebsten aber auf der große Bühne: „Ich liebe im Theater zu spielen, weil dort alle hinkommen können. Und wenn ich sehe, dass Kinder Spaß bei meiner Aufführung haben, ist das die größte Belohnung für mich. Ich möchte kein großes Unternehmen haben, ich möchte nur auf der großen Bühne spielen.“

 

Text und Bild: Renata Sikic.

Renata Sikic, gebürtige Bosnierin, ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Initiative Selbständiger Immigrantinnen. Die erfahrene Radiojournalistin und gelernte Bildredakteurin begleitet in ihrer Arbeit Migrantinnen, die sich selbständig gemacht haben oder dabei sind diesen wichtigen Schritt zu machen. Seit 1991 fördert die Initiative Frauen unterschiedlicher ethnischer oder nationaler Herkunft in Berlin in ihrem Wunsch nach wirtschaftlicher Selbständigkeit. ISI e.V. bietet ein einzigartiges Model – Migrantinnen für Migrantinnen! Erfahrene und kompetente Dozentinnen und Coachs können dank der eigenen Migrationsgeschichte und Integrationserfahrungen Migrantinnen gegenüber mehr Verständnis aufbringen und Entgegenkommen zeigen.

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