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Man sieht nur mit dem Herzen

Ein russisches Märchen für alle, die ihre Zauberstäbe noch nicht verloren haben und immer noch an den Weihnachtsmann glauben.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es sehr viele Planeten gibt. Einige Planeten existieren ohne besonderen Grund. Einige werden von verschiedenen Wesen besiedelt. Es wird sogar behauptet, dass den Planeten der grünen Bohne und der roten Krokodile gibt.

Ich persönlich kenne sie nicht, aber Besucher meinen, dass sie ganz und gar nicht gefährlich sind. Es gibt Milliarden kleiner und großer Planeten, und wenn man es genauer beobachtet, so kann man jeden Tag neue Entdeckungen machen. Man kann einen solchen Planeten besitzen, man kann ihm verschiedene Namen geben, man kann auch für ihn sorgen und sich mit seinen Bewohnern einfach befreunden.

Vor einiger Zeit, habe ich so einen kleinen Planeten entdeckt. Genauer gesagt: Ich habe einen seiner Bewohner getroffen. Im Grunde genommen hat er sich selbst als Gast vorgestellt.

Wir haben ihn in der Mülltonne entdeckt. Unser Gast hat uns aufmerksam angesehen, aber aus Mülltonne wollte er nicht freiwillig rauskommen, obwohl wir ihn freundlich gebeten haben. Dann mussten wir ihm helfen, da die Mülltonne für ihn sehr hoch war. Allein wäre er niemals zurechtgekommen.

Danach fingen wir an einander zu betrachten. Es war offensichtlich, dass er sich für uns Menschen sehr interessierte, beziehungsweise, wer wir sind, wie wir aussehen und was wir essen. Übrigens das Thema Essen war besonders wichtig für ihn. Er fand unsere Sprache sehr merkwürdig und sein Erstaunen hat er auf eine entsprechende Weise auch geäußert. Erschrocken war er auch über die Tatsache, dass wir Menschen nur auf zwei Beinen laufen. In seinem Volk war es nicht üblich, sich so komisch zu bewegen, deswegen hat er uns die richtige Position beim Gehen demonstriert – und zwar wie man auf vier Pfoten läuft.

Ich habe ihn gefragt, was er über die Affenbrotbäume denkt. Darauf hat er geantwortet, dass man die Affenbrotbäume für den Planet der Waschbären gar nicht schlecht findet, weil man auf diesen Bäume interessante Ausflüge machen kann. Auf diese Weise haben wir uns noch eine Weile unterhalten, bis sich der Waschbär auf den Weg nach Hause, zu seiner Familie  gemacht hat.

Eine Zeichnung zu machen, ist mir leider nicht gelungen, aber dafür habe ich ein paar Fotos gemacht. So sieht dieses ausländische Wesen aus! Wenn ihn jemand zufällig treffen sollte, haben wir eine große Bitte: Ihm einen schönen Gruß auszurichten und bei Gelegenheit zum Abendbrot einzuladen. Im Übrigen kann er immer kommen, wenn er Zeit dafür hat.

Leider waren wir als der kleine Prinz abflog, nicht da. Aber es blieb etwas von ihm auf unserem Planet, etwas, was sehr, sehr wichtig ist.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry)

Nach dem Treffen mit dem Waschbären habe ich gelernt, dass jeder von uns eine kleine Botschaft in sich trägt, die uns hilft, die Wege zu einander zu finden. Und jedes Mal, wenn ich die Waschbären sehe, denke ich an den kleinen Prinzen und daran was man mit Worten nicht sagen kann.

 

Text: Natalia Volk.

Natalia Volk wurde in Russland geboren und hat dort Journalistik studiert. Seit 2003 lebt sie in Deutschland.  Im Sommer 2011 hat sie die Ethnoagentur für Information und Kommunikation Die BRÜCKE gegründet, weil sie sich dafür begeistert im interkulturellen Bereich tätig zu sein und Ihre interkulturelle Kompetenz beruflich nutzen möchte. Seitdem versteht sie sich als Kommunikationsmanagerin und hat sich zur Aufgabe gemacht, als Brücke zwischen zwei Kulturen zu wirken. Ihre Prioritäten liegen in der Förderung der Kooperationen im wirtschaftlichen Bereich zwischen Russland und Deutschland und dem Ethnomarketing in Deutschland.

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