«

»

Erfolgreiche Zuwanderungssteuerung in Kanada

Laut einer Pressemeldung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, fällt bis lang die gesteuerte Zuwanderung von Arbeitskräften in Deutschland gering aus. Die Regelungen hierzulande sind restriktiv und äußerst kompliziert, heißt es. Generell gilt, dass nur derjenige einreisen darf, der über ein Jobangebot eines deutschen Arbeitgebers verfügt. Andere Länder verfolgen deutlich liberalere Strategien – unter anderem Kanada, das allein durch Zuwanderung jedes Jahr knapp ein Prozent seiner Bevölkerung hinzugewinnt. Mit einer am Humankapital der Zuwanderer orientierten Politik versucht das Land, den volkswirtschaftlichen Nutzen der Migration zu maximieren. Dies gelingt deutlich besser als in Deutschland. Während hierzulande 83,2 Prozent der einheimischen Bevölkerung zwischen 25 und 54 Jahren im Jahr 2009 erwerbstägig war, aber nur 68,7 Prozent der Zuwanderer, lagen die Zahlen in Kanada mit 82,2 beziehungsweise 74,9 Prozent weniger weit auseinander. Gerade Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten ist in Deutschland bislang nicht auf den Arbeitsmarkt abgestimmt. So waren 2009 nur 51,9 Prozent der in den letzten fünf Jahren zugewanderten Personen aus sogenannten Drittstaaten erwerbstätig.

Zuwanderer in Kanada sind besser qualifiziert

Zuwanderer in Deutschland und Kanada verfügen häufiger über einen Hochschulabschluss als die einheimische Bevölkerung – vor allem jene, die erst in den letzten Jahren ins Land gekommen sind, heißt es in einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Kanada besaßen 2010 etwa 45 Prozent der Menschen, die seit 2006 eingereist waren, einen Universitätsabschluss. Weiter 20 Prozent konnte eine abgeschlossene postsekundäre, nicht-universitäre Ausbildung vorweisen. In Deutschland liegt der Anteil der Hochqualifizierten etwas niedriger, und viele Zuwanderer sind anders als in Kanada gering oder gar nicht qualifiziert. Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten schneiden schlechter ab als der Durchschnitt.

Zentrales Element der kanadischen Zuwanderungspolitik ist das Federal Skilled Worker Program, welches seit 1967 Zuwanderer auf Grundlage ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse nach einem Punktesystem auswählt. Nach vielen Reformen sind heute Sprachfähigkeiten und der Bildungsstand die wichtigsten Auswahlfaktoren. Mit ihnen können potenzielle Zuwanderer etwa zwei Drittel der benötigten Punkte einfahren. Des Weiteren verteilt die kanadische Regierung Punkte für die Berufserfahrung, das Alter, ein bestehendes Jobangebot sowie andere Faktoren wie die Bildung des Partners oder vorige Aufenthalte in Kanada.

Im deutschen Zuwanderungsgesetzt fehlt solch ein Punktesystem, die nach Qualifizierung, Bildungsniveau und Sprachenkenntnissen eine Einwanderung in die Bundesrepublik regelt und steuert. Ein Punktesystem im Zuwanderungsgesetzt könnte auch die restriktive und problematische Visa-Vergabe lösen. Für Deutschland hätte ein Punktesystem neben seiner Effektivität darin, Hochqualifizierte ins Land zu bringen, einen zusätzlichen Vermarktungsvorteil. Potenzielle Hochqualifizierte Zuwanderer würden Deutschland stärker als bislang als mögliches Wanderungsziel wahrnehmen. Zudem dürfte es wegen seines transparenten Auswahlmechanismus und wegen seiner volkswirtschaftlichen Vorteile auch in der einheimischen Bevölkerung eine vergleichsweise hohe Akzeptanz genießen.

Die Erfahrung Kanadas zeigt auch, dass ein Punktesystem nur ein Teil einer umfassenden Zuwanderungsstrategie sein kann. Durchschnittlich und gering qualifizierte Personen, die etwa im Pflegebereich tätig sind, hätten mit ihm keine Chance auf eine Aufenthaltsgenehmigung. Um auch diesen dringend benötigten Arbeitskräften die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen, bietet sich eine zusätzliche über die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes gesteuerte Zuwanderungsvariante an, welche Interessierten mit bestehendem Jobangebot und bestandenem Arbeitsmarkttest zunächst eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung ausstellt.

 

Berlin Institut/mb/jc

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>