«

»

Prost!

Tante Trude aus Buxtehude wurde 70 und da klopfte man schon Mal ans Glas und prostete sich gegenseitig zu. Dies ist heute nicht mehr erlaubt. Sie werden sofort von der Knigge-Polizei verhaftet! Denn Anstoßen ist anstößig!!! Prost gilt als Vulgärlatein. Schöner ist es sich „Prosit“ zu wünschen und Sie ahnen es schon, es klingt sehr nach Silvester und der Ausdruck hat einen sehr festlichen Charakter.

Das Anstoßen hat Tradition. Im Mittelalter stieß man mit seinen Spießgesellen mit den Bierkrügen an, das Bier schwappte über und vermischte sich in den Gläsern. An der Reaktion seines Gegenübers konnte man nun sehen, ob das Bier, zu dem man freundlicherweise eingeladen wurde, vergiftet war. Diese Art der Tötungsdelikte habe in den letzten 500 Jahren stark abgenommen und wir können unser Bier wieder getrost trinken ohne Angst haben zu müssen, dass ein gemeiner Mensch uns nach dem Leben trachtet.

Im Biergarten unter Freunden, raubt es die Freude, sich nicht zuzuprosten. Es macht einfach Spaß! Jedoch sollten Sie tunlichst vermeiden, dies bei einem Arbeitsessen zu tun. Der Klang von Bierhumpen und Weinglas ist nicht sehr schön.

Es gilt, man wünscht sich „Prosit“ bei großen Anlässen, wie Jubiläen, Silvester, Hochzeiten etc. Man darf auch anstoßen jedoch nur mit den gleichen Gläsern und ausschließlich mit Champagner oder Sekt. Der Klang ist einfach schön und elegant. Dabei sollte man vermeiden, seinem Gegenüber fixierend und wie paralysiert in die Augen zu starren, nur um ihm zu signalisieren, dass Blickkontakt die höflichere Art ist, sich beim Anstoßen zu begegnen und man sonst 7 Jahre vom Pech verfolgt würde. Es genügt, wenn Sie den Blickkontakt suchen. Wenn Ihnen kein Blickkontakt gewährt wird, korrigieren Sie Ihr Gegenüber nicht, denn Besserwisserei ist fast genauso unhöflich, wie das Nichtanwenden von Höflichkeitsregeln.

 

Text: Fulya Sonnenschein.

Fulya Sonnenschein ist Freie Trainerin für Interkulturelle Kommunikation und moderne Umgangsformen und Eigentümerin der Firma Knigge in Berlin. Sie trainiert sowohl multikulturell zusammengesetzte Teams in international aufgestellten Unternehmen, als auch Schüler an Berliner Grundschulen oder Privatpersonen in Fragen der Etikette und Internationalen Do’s & Don’ts. Sie selbst ist Migrantin, lebt in Berlin und ist in zwei Kulturen zuhause. Für migration-business schreibt sie jeden zweiten Freitag die Knigge-Kolumne und informiert die Leserinnen und Leser anhand von Beispielen über Do’s und Dont’s in Sachen Knigge und interkulturelle Kompetenz.

Mehr Informationen über Frau Sonnenschein finden Sie unter: www.knigge-in-berlin.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>