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ResearchGate bedeutet Vernetzung der Wissenschaft

Social-Networking für Wissenschaftler! Für Dr. Ijad Madisch, der Gründer der Wissenschaftsplattform ResearchGate GmbH, ist die Vernetzung der Wissenschaft primär, wovon die gesamte Gesellschaft profitiert. migration business sprach mit Herrn Madisch über Diversity Management und warum er seiner akademischen Laufbahn den Rücken kehrte.

mb: Herr Madisch, wie kamen Sie auf die Unternehmensidee ResearchGate?

MADISCH: Als ich noch in der Forschung tätig war, bin ich in meinem Experiment an einen Punkt gekommen, wo weder ich noch meine Kollegen oder mein Chef weiter wussten. Ich habe die Ineffizienz in der Forschung erkannt. Der Wissensaustausch hat nicht funktioniert, er war zu kompliziert, zu undurchsichtig und zu langsam. Also habe ich mich mit meinen Freunden Dr. Sören Hofmayer, auch Virologe, und dem IT-Experten Horst Fickenscher zusammengetan. Im Mai 2008 haben wir ResearchGate gelauncht. Heute vernetzt die Plattform 2,2 Millionen Forscher.

mb: Was ist das Besondere von ResearchGate

MADISCH: ResearchGate ist wirklich etwas Besonderes. Als Sir Tim Berners-Lee vor über 20 Jahren das Web schuf, war sein Ziel bereits die Vernetzung der Forscher. Seitdem haben wir das Web für so ziemlich alles genutzt, außer für die Forschung. Wir bringen die Wissenschaft ins Netz und helfen Forschern so, ihre eigene Sichtbarkeit zu steigern und sich einen Namen zu machen. Die Vernetzung der Wissenschaft ist primär aber etwas, wovon die gesamte Gesellschaft profitiert: Wenn Forscher zusammenarbeiten ist die Chance viel höher, dass sie schneller Lösungen zu Problemen finden, die uns alle etwas angehen. Wir sind auch die erste Plattform, auf der Wissenschaftler negative Ergebnisse veröffentlichen können und so die Forschung noch schneller vorantreiben, weil andere Forscher aus diesen Fehlern lernen können.

mb: Warum haben Sie sich überhaupt für den Weg der Selbstständigkeit entschieden?

MADISCH: Mit ResearchGate hatte ich eine Idee, von der ich wusste, dass sie das Potenzial hat die Welt zu verändern. Viele Menschen haben mir dennoch von dem Schritt in die Selbstständigkeit abgeraten. Mein Professor meinte, ich solle mir die “Flausen” aus dem Kopf schlagen, ich hätte gute Chancen, einer der jüngsten Professoren Deutschlands zu werden. Ich wusste aber, dass ich mit ResearchGate noch viel mehr bewegen könnte. Also habe ich meiner akademischen Laufbahn den Rücken gekehrt und habe zusammen mit Dr. Sören Hofmayer und Horst Fickenscher ResearchGate gegründet – eine Entscheidung die ich seitdem an keinem Tag bereut habe. Mein alter Professor hat sich mittlerweile übrigens auch bei ResearchGate angemeldet.

mb: Ihre Belegschaft setzt offensichtlich auf Diversity Management. Was nützt eine vielfältige Belegschaft für ResearchGate?

Die Hälfte unserer Mitarbeiter kommt aus aller Welt, von Argentinien bis Zambia. Diese Internationalität ist für uns unglaublich wichtig. Schließlich arbeiten wir an einem Produkt für Menschen auf der ganzen Welt. Es gibt kulturelle Unterschiede, die wir gar nicht kennen. Nur jemand aus diesem Kulturkreis wird daran denken. Ich denke dass Diversität innerhalb eines Unternehmens Innovation schafft.

mb: Was macht Berlin als Standort für Ihre Firma so attraktiv?

MADISCH: Wir konnten uns zwischen San Francisco und Berlin als Hauptstandort für ResearchGate entscheiden. Die Wahl fiel uns nicht schwer. In Berlin finden wir genau diese kulturelle Vielfalt und Offenheit, die wir uns für ResearchGate wünschen. Die Hauptstadt zieht junge, neugierige Menschen aus der ganzen Welt an. Sie wollen sich hier ausprobieren, etwas erreichen. Und das können sie bei uns. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit Berlin die richtige Entscheidung getroffen haben.

mb: Warum sind Wissenschaftler aus aller Welt für Deutschland wichtig?

MADISCH: Wissenschaft ist keine nationale Angelegenheit. Das ist schon lange nicht mehr so. Wissenschaftler aus Deutschland arbeiten mit Forschern auf der ganzen Welt zusammen. Das ist wichtig, weil damit unterschiedliche Kompetenzen zusammen kommen und nur so Herausforderungen angegangen werden können, die die ganze Welt betreffen. Uns ist es wichtig, Wissenschaftlern einfache Möglichkeiten zu bieten, um grenzüberschreitend effizient zu arbeiten.

mb: Wo sehen wir einen Herrn Ijad Madisch und ResearchGate in zehn Jahren?

Das wüsste ich auch gerne. Vor vier Jahren waren wir drei Leute, heute sind wir 80. Damals kannten sich die meisten Mitglieder auf der Plattform tatsächlich noch persönlich. Vor ein paar Monaten haben wir die Zweimillionenmarke überschritten, unter unseren Mitgliedern sind sogar ein halbes Dutzend Nobelpreisträger. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin stark wachsen und der Wissenschaft so große Dienste leisten, dass wir irgendwann einen Nobelpreis gewinnen. Aber das muss nicht in den nächsten zehn Jahren passieren, zumal erst eine neue Kategorie erfunden werden müsste.

mb: Herr Madisch, vielen herzlichen Dank für das Interview!

MADISCH: Danke Ihnen.

 

Das Interview führte Luisa Benzinger.

1 Kommentar

  1. Julia Carlos

    Gutes Interview! Spannend! Wissenschaft ist nun mal international.

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