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Wie betrete ich ein Restaurant?

Sie werden sich sicherlich fragen, was ich mir bei dieser Frage gedacht habe. Natürlich wissen Sie, wie man ein Restaurant betritt. Oder? Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber ich werde oft gefragt, wer denn als Erstes ein Lokal betritt und wie man das macht, mit der Tür und den Mänteln und ob man auf den Kellner warten soll oder sich einen freien Tisch selbst wählen darf.

Nun hier kommt die Auflösung:

Eine Sitte aus dem Mittelalter, die sich aber bis zu unserer heutigen Zeit gehalten hat besagt, dass der Gastgeber den Raum als Erster betritt.

Es war früher üblich, dass in herben Schänken schon einmal Hühnerknochen durch die Gegend flogen. Da waren Raufereien an der Tagesordnung und man musste aufpassen, mit heiler Haut aus dem Lokal zu kommen.

Nun haben wir eine physische und psychische Schutzfunktion gegenüber unserem Gast. Sind wir Gastgeber, müssen wir alles tun, um unseren Gast vor jeglichem Schaden zu bewahren. Bevor wir nun ein Restaurant betreten, sollten wir uns vergewissern, dass in diesem Lokal alles rechtens ist. Wir betreten die Gaststätte zuerst und nachdem wir uns vergegenwärtigt haben, dass unserem Gast keine Gefahr droht und alle Blicke auf uns gezogen haben, lassen wir nun unseren zarten Gast eintreten.

D.h. wir öffnen die Tür, machen einen Schritt und holen unseren Gast nach. Dieser bleibt aber gleich stehen und wir warten gemeinsam auf den Ober. Das amerikanische Prinzip hat sich bei uns durchgesetzt. Es gilt als sehr unhöflich, sich einfach an einen unbesetzten Tisch zu setzen ohne vorher den Ober gefragt zu haben, ob ein Tisch frei ist.

Wenn Sie reserviert haben, werden Sie ohnehin nicht umhin kommen, das Servicepersonal zu bemühen.

Die nächste quälende Frage folgt sogleich:

Darf der junge, attraktive italienische Ober nun meiner Begleiterin den Mantel abnehmen?

Nein, er darf es nicht! Es sei denn sie wünscht es ausdrücklich und hat Ihnen mit großem Nachdruck dieses Lokal empfohlen.

Sie sollten Ihrem Gast, sei es eine Dame oder ein Herr, die Jacke oder den Mantel abnehmen, anschließend Ihren eigenen Mantel ausziehen und diese dem Ober übergeben. Falls keiner zugegen, dann bemühen Sie sich bitte selbst an die Garderobe.

Jetzt geht es im Hot-Dog-Prinzip zum Tisch. Der Ober führt, der Gast geht in der Mitte und der Gastgeber folgt.

Nun haben Sie die Wahl. Wenn Ihnen der Tisch nicht gefällt, weil er z.B. direkt neben der Toilette ist, dürfen Sie diesen Tisch ablehnen. Dieses Spielchen dürfen Sie bis zu 3 x mit dem Ober machen, bevor er ungehalten wird. Haben Sie keine Scheu, als unbequem oder gar als lästig empfunden zu werden. Im Gegenteil, dieses Verhalten könnte beim Service sogar ihren VIP-Status erhöhen. Strapazieren Sie die Nerven des Obers nur nicht zu sehr. Nach dem dritten Tisch sollten Sie sich dann schon hinsetzen.

 

Text: Fulya Sonnenschein.

Fulya Sonnenschein ist Freie Trainerin für Interkulturelle Kommunikation und moderne Umgangsformen und Eigentümerin der Firma Knigge in Berlin. Sie trainiert sowohl multikulturell zusammengesetzte Teams in international aufgestellten Unternehmen, als auch Schüler an Berliner Grundschulen oder Privatpersonen in Fragen der Etikette und Internationalen Do’s & Don’ts. Sie selbst ist Migrantin, lebt in Berlin und ist in zwei Kulturen zuhause. Für migration-business schreibt sie jeden zweiten Freitag die Knigge-Kolumne und informiert die Leserinnen und Leser anhand von Beispielen über Do’s und Dont’s in Sachen Knigge und interkulturelle Kompetenz.Mehr Informationen über Frau Sonnenschein finden Sie unter: www.knigge-in-berlin.de

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