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Ausflug nach Rügen – zum letzten Mal

Fulya_SonnenscheinImmer mal wieder besuche ich gerne „die Schöne“ im hohen Norden. Die Insel ist unprätentiös und urig. Dabei hat sie edle Ecken wie Binz und die Strandpromenade aber ohne Chichi-Kultur. Leider werde ich jedes Mal von neuem enttäuscht und reise ab, mir fest vornehmend, nie wieder den Fuß auf diese Insel zu setzen. Trotzdem verklärt sich mit der Zeit mein Eindruck und ich tue es wieder.

Rügen 2Diesmal hatte ich ein Geschenk-Gutschein einzulösen von denen es über das Internet zuhauf gibt. Für Autowäsche und Haarentfernung bis hin zum Mehrgänge-Menü in einem teuren Lokal. Ich packte also meine zwei Kids ein (19 und 7 Jahre alt) und fuhr los. Wir waren schnell da und das Wetter machte mit. Trotz der Kälte hatten wir viel Spaß beim Strandspaziergang und Muscheln sammeln. Die eingefrorenen Möwen am Strand haben meine Kleinste zwar sehr aufgewühlt aber die Natur ist nun einmal unbarmherzig. So wie das Servicepersonal in so einigen Restaurants vor Ort. Wir waren durchgefroren und freuten uns auf ein schönes Abendessen an der Strandpromenade in Binz. Das Restaurant machte auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck und wurde durch das „Rotary-Schild“ außen auch schon ein wenig aufgewertet.

Na ‘n Dip halt zum Druffstreichn

Das servierte Essen sorgte sogleich für Ernüchterung. Wobei die Irritationen schon vorher begannen. Auf meine Frage auf welcher Basis der Knoblauchdip zubereitet war bekam ich als Antwort: „Na ‘n Dip halt zum Druffstreichn!“ Wir wählten dann den Kräuterdip und nachdem wir artig unser Essen bestellt hatten, genossen wir noch die wunderbare Aussicht vom Wintergarten des Restaurants.

Die selbst gemachten Gnocchi waren versalzen, meine Fischsuppe war mit Tomatenmark und Wasser verlängert und wie die das hingekriegt hatten weiß ich nicht aber der Kinderteller „Nudeln mit Tomatensoße“ war trocken obwohl die Nudeln in der mit Zucker und Wasser verdünnten Tomatenmarksoße schwammen.

Der Chefkoch ungehalten

RügenWir sind gute Esser und meine Kids sind nicht besonders zimperlich aber DAS konnten wir uns nicht runterwürgen. Also riefen wir den Service. Der kam dann auch sogleich, jedoch rief der Koch auf dem Weg zu uns „Man sowat hass ick ja!“ Darauf antwortete ich ihm, dass wir von diesem Umstand auch nicht besonders begeistert waren, aber die Gnocchi versalzen und mein Essen „mit Wasser verdünnte Tomatenmarksuppe“ war und nach nichts schmeckte. Seine Antwort war: „Die Pesto unter den Gnocchi ist halt sehr salzig!“ Meine Große, nicht auf den Mund gefallen, gab zur Kenntnis, dass man dann doch die großen Brocken Meersalz auf den Gnocchi hätte weglassen können. Jetzt wurde der Chefkoch ungehalten und fragte: „Na wie wolln se det nun haben? Mit janz ohne Salz oder wat?“

Jetzt wurde mein Teenager ungehalten und antwortete: „Na vielleicht nicht so stark salzen, dass mir die Brocken Salz zwischen den Zähnen knirschen!“ Es erübrigte sich über meine Suppe zu diskutieren und wir nahmen Abschied. Nicht ohne beim Verlassen des Lokals anzumerken, dass ein schönes Ambiente noch immer kein Garant für ein gutes Mahl und Anpampen von Gästen in der Gastronomie kein Novum ist.

Nie wieder Rügen – zumindest nicht bis zum nächsten Mal!!!!

Liebe Leser, sollten Sie vorhaben, Rügen zu besuchen, dann halten Sie sich an die unscheinbaren Restaurants, die sind bodenständiger und das Essen hält hier auch das, was es verspricht.

In diesem Sinne, ich wünsche Ihnen viel Spaß und guten Appetit, wo immer Sie diesen Artikel gerade lesen.

 

Text: Fulya Sonnenschein.

Fulya Sonnenschein ist Freie Trainerin für Interkulturelle Kommunikation und moderne Umgangsformen und Eigentümerin der Firma Knigge in Berlin. Sie trainiert sowohl multikulturell zusammengesetzte Teams in international aufgestellten Unternehmen, als auch Schüler an Berliner Grundschulen oder Privatpersonen in Fragen der Etikette und Internationalen Do’s & Don’ts. Sie selbst ist Migrantin, lebt in Berlin und ist in zwei Kulturen zuhause. Für migration-business schreibt sie jeden zweiten Freitag die Knigge-Kolumne und informiert die Leserinnen und Leser anhand von Beispielen über Do’s und Dont’s in Sachen Knigge und interkulturelle Kompetenz.Mehr Informationen über Frau Sonnenschein finden Sie unter: www.knigge-in-berlin.de

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