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Ein Jahr mit meinen neuen Kindern in Australien

Miriam kJeder kennt sicher junge Frauen und vielleicht sogar Männer, die als Au-pair in die Welt ziehen. Wie auch die Aufenthaltsdauer, variieren die Tätigkeiten und Gastfreundschaft – und daher auch die Geschichten der Rückkehrer. Miriam kommt aus einem bayrischen Städtchen, ist 18 Jahre alt und ein Jahr lang in Australien als Au Pair. Sie hat migration business erzählt, wie sie auch ohne viel Vorbereitung nach Australien kam und was sie an dem Land so sehr begeistert.

“Vorbereitet? (Miriam muss lachen) – vorbereitet habe ich mich gar nicht! Die erste Agentur, bei der ich war, lehnte mich mit dem Argument ab: Keine passende Familie gefunden. Ziemlich eigenartig, weil meine einzige Bedingung war kein veganes Leben! Also war das alles ziemlich spontan, ich musste alles selbst neu organisieren: Eine Familie suchen und Flug und Verbindungen buchen.”

Heute ist Miriam super glücklich in ihrem Lieblingsland – Australien! Obwohl sie allein in Down Under ist, fühlt sie sich nicht so.

Weihnachten ohne Schnee?

“Nun, ehrlich gesagt war der einzige Grund für Australien das gute Wetter!”, gibt sie grinsend zu.  Sie wollte einfach mal erleben, wie es ist, “richtig” Sommer zu haben. Außerdem fand sie die Vorstellung von heißer Weihnacht, statt weißer Weihnacht total interessant! Heute kann Miriam aber mit Gewissheit sagen, dass weiße Weihnachten eindeutig besser sind, denn “bei Heißen kommt einfach gar kein Weihnachts-Feeling auf”, verrät sie.

Von Ausländerfeindlichkeit keine Spur

Ihre Mutter war Stewardess und Miriam schwärmte seit sie denken kann von der Mentalität der Aussies: Wenn man einen Laden betritt, wird man sofort in ein Gespräch verwickelt und alle wollen wissen, wie es dir geht. Ausländerfeindlichkeit kennen die gar nicht. Noch dazu kommt, dass Miriam an der Westküste lebt, wo alle total lässig sind. Wenn etwas richtig kaputt ist, zucken sie mit den Schultern und verschieben es jeden Tag aufs Neue. An der Ostküste sind alle nur busy.

Kurz erklärt sie ihren Alltag, denn dieser unterscheidet sich deutlich von den anderen Au-pairs. Beim Einleben haben aber sicher auch die guten Englisch-Vorkenntnisse geholfen – Miriam hat ihr Abitur auf Englisch erfolgreich hinter sich gebracht.

Miriams Arbeitsalltag als Au-pair

“Meine Hostmom (Gastmutter) arbeitet im Hafen und bekommt jeden Tag erst um 14 Uhr gesagt, wann sie am nächsten Tag arbeiten muss, also ist jeder Tag spontan. Wenn sie morgens nicht da ist, dann wecke ich die Kids, mache Frühstück und begleite sie zur Schule. Die beginnt hier erst um 8.50! Ab da habe ich den ganzen Tag frei! (lacht) Wenn meine Hostmom am Morgen da ist, schlafe ich erstmal aus und hole die Kids am Nachmittag um 15 Uhr von der Schule ab. Dann geht es an die Hausaufgaben und es gibt etwas zu essen. Bis zum Abend unternehmen wir noch etwas – wie zum Beispiel Schwimmen: Wir haben einen hauseigenen Pool – oder Shoppen, spazieren gehen, … Danach gibt es Abendessen und um 19 Uhr bringe ich die Kleine ins Bett, um 20.30 Uhr den Großen. Das heißt aber auch, dass ich die ganze Nacht für die Kids da sein muss. Hat also einer Bauchschmerzen oder Alpträume, muss ich aufstehen und für ihn oder sie da sein.”

Die erste Nacht

Miriam selbst gibt zu, dass es in der ersten Nacht richtig schlimm war, weil sie sich für alles verantwortlich gefühlt hat! Die ganze Nacht hörte sie die Hunde bellen und dachte, es könnte vielleicht jemand einbrechen! Lachend erzählt sie, dass sie in dieser Nacht höchstens zwei Stunden geschlafen hat.

Finanziert hat sich Miriam alles selbst

“Ich wollte, dass es mein Auslandsaufenthalt ist – nicht der meiner Eltern!” Sie kellnerte über zwei Jahre lang und da sie die Organisation selbst in die Hand nahm, war es ohnehin nicht zu teuer. Außerdem verdient Miriam 150 Dollar die Woche, was aber nicht viel ist, bedauert sie, da sie die Nachmittage oft mit den Kids verbringt, also shoppen geht oder Eis essen und für sich selbst zahlen muss.

“Ein krasser Unterschied zu Deutschland sind die Preise!”, meint sie. In Australien kostet ein Bier 12 Dollar, das sei der drei- bis vierfache Preis von Deutschland.

Wo bleibt das Salz?

Richtig verwundert hat sie die Sache mit dem Salz! Zu Beginn dachte Miriam noch, ihre Hostmom könnte nicht kochen, aber dann wurde ihr erzählt, dass es in Australien vor einiger Zeit ein Problem mit Salz gab. Australier aßen damals zu viel Salz und die Ärzte empfahlen, weniger Salz zu essen. Diese Angst ist geblieben und die Aussies essen immer noch so gut wie kein Salz! Mit einem sehnsüchtigen Blick in Richtung Deutschland erzählt sie, dass auf den Pommes zum Beispiel kein Salz drauf sei – das müsse man sich extra dazu kaufen.

Unterschiede zwischen Aussies und Deutschen?

Ein weiterer Unterschied sei die 180 Grad Wendung zu den Deutschen! Die hätten die “Stock-im-Arsch-Mentalität und die Aussies sind so open-minded”, beschreibt sie, “das werde ich ziemlich vermissen in Deutschland.” Ja und klar – und der Linksverkehr! Wie den meisten zitterten ihr zu Beginn noch die Knie beim Fahren, aber heute kann sie es sich kaum noch vorstellen, rechts zu fahren und auf der “falschen Seite” zu sitzen.

“Was mich richtig gefreut hat ist, war dass die Australier einfach so auf Deutschland und vor allem Bayern abfahren! Alle wissen gleich, dass es bei uns viel Bier und in München das Oktoberfest gibt.” Unglaublich viele waren sogar schon in Deutschland und schwärmten nur davon. Obwohl der Flug so teuer und lang ist – schließlich fliegt man fast 20 Stunden!

Das Allerschönste, das ihr dort passiert ist?

MiriamMiriam überlegt nur wenige Sekunden, dann fällt es ihr ein: “Es war eine “Movie Night”: Ich habe mit den Kids einen Filmabend gemacht. Wir schauten “Bee Movie” an und die Szene war total traurig. Beide Kinder haben sich an mich gekuschelt und Pryce, das ist mein elf-jähriger “Sohn”, sagte: “You know Miriam, … you haven’t been here for long, but I already love you! I really do!” – Ich bin dahin geschmolzen!”, erzählt sie laut lachend. Bei ihrer sechs-jährigen “Tochter”, Jayde, dauerte es ein paar Wochen länger. Während sie sie ins Bett brachte, laßen sie ein Bärenbuch, in dem Mama-Bär zu ihrem Kind sagt “I love you”. Da sagte Jayde zu Miriam “And I love you!” und gab ihr einen Kuss. “Da kommen so deutliche Mama-Gefühle auf”, grinst die neue Part-time Mom.

Eine nicht so tolle, aber dennoch bleibende Erinnerung war ihr erster Sonnenbrand! An einem wolkigen Tag, an dem kein bisschen Sonne am Himmel war, verabredete sie sich mit ihrer Freundin am Fluss. Natürlich dachte sie, es gehe auch ohne Sonnencreme! “Heim kam ich dann aber mit krebsroter Haut und Brandblase an der Lippe. Seit diesem Tag ist Sonnencreme mein bester Freund! Gleich beim Zähneputzen wird sie wirklich überall verteilt, wo auch nur annähernd die Sonne hinkommen könnte!”, gesteht sie lachend.

Zusammenfassend sagt Miriam, dass sie nirgends lieber wäre und die Zeit richtig genießt und lebt. Sie kommt mit den Kids super aus und hat schon viele neue Freunde gefunden. Der Alltag ist meist entspannt, das Wetter ist super und in einem neuen Land gibt es immer viel zu entdecken.

 Text von Aylin Graf

2 Kommentare

  1. domi

    Voll interessant und Text auch echt toll geschrieben :))

    1. Conny

      Super – echt klasse und sehr interessant – da bekommt man gleich Lust ebenfalls als Au-pair zu arbeiten!! Viel Glück und Erfolg weiterhin!!!

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