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Berlinwood und schwedische Dokumentarfilme

Nermina LukacVom 7. Bis 17. Februar 2013 befindet sich die Hauptstadt wieder im Berlinale-Fieber. Rund um den Potsdamer Platz und in zahlreichen anderen Kinos zeigen Regisseure und Schauspieler aus aller Welt ihre Werke. Besonders skandinavische Filme sind auf dem internationalen Siegeszug und mit großer Spannung wird die Entscheidung am 24. Februar über den Oscar-nominierten schwedischen Dokumentarfilm „Searching for Sugar Man“ erwartet.

Auf der Berlinale laufen dieses Jahr zwei neue schwedische Dokumentarfilme, die große Aussicht auf Erfolg haben: Belleville Baby von Mia Engberg und TPB AFK: The Pirate Bay Away From Keybord von Simon Klose sind für die Sektion Panorama Dokumente ausgewählt, die am 8. Februar sogar mit der Welturaufführung von TPB AFK eröffnet wird.

In Belleville Baby ruft ein Telefonat alte Erinnerungen wach. Einst waren sie ein junges, verliebtes Pärchen in Paris und jetzt meldet sich ein langjähriger Gefängnisinsasse, der glückliche Erinnerungen aus der gemeinsam verbrachten Zeit hören will. Mia Engberg hat u.a. den international anerkannten Film Dirty Diaries gemacht, der auf zahlreichen Festivals gezeigt worden ist.

TPB AFK: The Pirate Bay Away From Keybord erzählt die Geschichte der Gründer der größten filesharing-Plattform der Welt: The Pirate Bay. Der Film folgt ihnen, nachdem sie verurteilt sind und mit einem Leben off-line, ”AFK – away from keyboard”, konfrontiert werden. Dies ist der erste abendfüllende Film von Simon Klose, der sich bislang vor allem Musikvideos und Musikdokumentationen gewidmet hat. Unterstützung fand Simon Klose vor allem durch sogenanntes crowd funding: Er schaffte es, mit seinem Projekt knapp 1800 Menschen aus 60 Ländern zu einer Spende von insgesamt 51.000 Dollar zu überzeugen. Zeitgleich mit der Welturaufführung in Berlin wird der Film auch im Internet freigeschaltet unter www.tpbafk.tv

Wieder ein schwedischer Kinderfilm auf der Berlinale.

Letztes Jahr wurde der schwedische Kinder- und Jugendfilm Ice Dragon (Isdraken) von MartinHögdahl, in der Sektion Generation Kplus gezeigt und mit einer Auszeichnung belohnt. Eine Ehre, die diesem Film auch auf weiteren Filmfestivals zuteil wurde. In dieser Winter- und Frühjahrssaison kommt der Film in Deutschland und in acht weiteren Ländern ins Kino. Dieses Jahr wurde der Spielfilm Eskil & Trinidad von Stephan Apelgren für die Kindersektion Generation Kplus ausgewählt. Der Film erzählt die Geschichte eines Jungen der hin und her gerissen ist zwischen dem Eishockeyinteresse seines nordschwedischen Vaters und der Sehnsucht nach seiner Mutter, die in Kopenhagen wohnt.

Berlinale Shorts zeigt vier schwedische Kurzfilme

Der Berlinale-Kurzfilmwettbewerb, Berlinale Shorts, ist weltweit eine der prestigeträchtigsten Festivalplattformen für Kurzfilm. Von gut zwanzig Filmen, die an diesem Wettbewerb teilnehmen, kommen dieses Jahr vier Filme aus Schweden.

Die Animation Whaled Women von Ewa Einhorn und Jeuno JE Kim handelt von zwei gereizten Beamtinnen, die in eine arktische Region entsandt worden sind und dort mit einem ungewöhnlichen Problem konfrontiert werden.
Victor Lindgrens Undress Me (Ta av mig) ist ein einfühlsames Datingdrama mit queren Vorzeichen und den Themen Geschlechterrollen, Geschlechtertausch und sexuelle Unsicherheit. Der Film ist auch für den Teddy-Award nominiert. Victor Lindgren stammt aus Umeå/Nordschweden.

Leontine Arvidsson ist mit zwei experimentellen Kurzfilmen im Wettbewerb vertreten:
2011 12 30 und Untitled (Utan titel). Beide Filme kreisen um eine junge Frau, die ihren Körper neu erfahren muss. Leontine Arvidsson studiert an der Königlichen Kunsthochschule Stockholm.

In der Sektion Kinderfilm wird auch der animierte Kurzfilm The Meatballs and Sorry Bullies (Köttbullarna och mobbångrarna)von Johan Hagelbäck gezeigt, der bekannt ist für seine humorvollen Animationen und zuletzt für seine Kinderreihe über Fleischbällchen/Buletten.

Um die Preise in der Sektion für Jugendliche, Generation 14plus, bewerben sich vier schwedische Filme.

Dies sind Sanna Lenkens Eat Lunch (Äta lunch) über die 15-jährige Klara, die ihr Mittagessen zusammen mit vier Gleichaltrigen in einer Klinik für Jugendliche mit Essstörungen innerhalb von 30 Minuten einnehmen soll.

The FIrst Time (Första gången) von Anders Hazelius beginnt auf einer Party, die Therese und Johan verlassen, um im nahen Wald die erste Erfahrung mit Sex zu machen. So einfach scheint das aber nicht zu sein, und die beiden stehen vor dem Problem: was erzählt man Johans Freunden? Anders Hazelius hat seine Regieausbildung an der Filmhochschule Göteborg abgeschlossen. Auch sein Film ist den Teddy Award nominiert

Minka JakersonsThe Yearning Room betrachtet am Beispiel der Freundinnen Anne und Julia die Einschränkungen, die ein Körper, in dem man sich nicht wohlfühlt, mit sich bringen kann. Minka Jankerson hat ihre Ausbildung 2007 an der Dänischen Filmschule abgeschlossen.

Animal I Killed Last Summer (Djur jag dödade förra sommaren) von Gustav Danielsson erzählt von Leo, der gern Ameisen und andere Kleintiere quält und von seinem Vater, der damit nicht umzugehen weiß. Gustav Danielsson, der bei Roy Anderssons You – The Living für die Kamera zuständig war, erhielt für seinen vorigen Kurzfilm The Twin (Tvillingen) den Preis „1km Film“ des Stockholmer Filmfestivals. Daraus entstand der neue Film.

Shooting Star

Bereits im dritten Jahr hintereinander ist Schweden mit einem Shooting Star in Berlin vertreten. Dieses Jahr vertritt die 22-jährige, in Montenegro geborene, Nermina Lukač Schweden. Für ihre Rolle in Gabriela Pichlers Filmdebut Eat Sleep Die (Äta sova dö) ist sie bereits mehrfach ausgezeichnet worden und hat vor wenigen Wochen auch den schwedischen Filmpreis als beste Darstellerin erhalten.

Mehr Schwedisches auf der Berlinale 2013

Einer der wichtigsten Werbefilmer, mit großem Erfolg in den USA tätig, ist der Schwede Fredrik Bond, der seine Laufbahn im Medienbereich allerdings schon begann, bevor er nach USA übersiedelte. Sein Spielfilmdebut, The Necessary Death of Charlie Countryman, mit Shia LaBeouf und Evan Rachel Wood in den Hauptrollen, läuft im Wettbewerb.

Die Legende Anita Ekberg, in Südschweden geboren, einst zur Miss Schweden gewählt und unvergessen als Sylvia in Fellinis La Dolce Vita, wird in einer Gesprächsreihe beim Berlinale Talent Campus mitwirken.

Weitere Filminformationen finden Sie in der Broschüre Swedish Film.

mb/ce/sb

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