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Deutsche Internet-Start-ups profitieren von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund

Ferry Pausch

Ferry Pausch, Geschäftsführer der Deutschlandstiftung Integration

Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft machen Start-ups kreativer und innovativer – bürokratische Hürden schrecken allerdings bei Rekrutierung ab, so das Ergebnis einer neuen Studie von der Deutschlandstiftung Integration.

BERLIN – Mit dem Fachkräftemangel müssen sich heute viele Unternehmen auseinandersetzen – deutsche Start-ups aus der Internetwirtschaft gehen dieses Problem aktiv an. Bei fast der Hälfte dieser Unternehmen haben mindestens 20 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Die Unternehmen profitieren von fachlichen Qualifikationen, die in Deutschland nicht oder zu wenig vorhanden sind sowie von mehr Kreativität. Allerdings schreckt nahezu ein Drittel der befragten Start-ups vor dem bürokratischen Aufwand zurück, der die Beschäftigung von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund bedeutet. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Deutschlandstiftung Integration, die vom Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen Capgemini in Zusammenarbeit mit der SRH Hochschule Berlin durchgeführt wurde. An der Befragung nahmen über 110 Managementvertreter von deutschen Start-ups teil.

„Überraschend an den Studienergebnissen ist, dass deutsche Start-ups Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft einstellen, um Kreativität und Unternehmenskultur zu fördern – nicht etwa aus Kostengründen oder wegen ihrer Kenntnisse ausländischer Märkte“, sagt Ferry Pausch, Geschäftsführer der Deutschlandstiftung Integration.

Kultureller Mix macht innovativer

Start-ups leben von innovativen Lösungen und guten Ideen – diese versprechen sie sich unter anderem durch einen kulturellen Mix ihrer Mitarbeiter. Etwa 35 Prozent der befragten Unternehmen stellen daher neue Mitarbeiter mit Migrationshintergrund ein und setzen darauf, dass multikulturelle Teams kreativer sind.

„Die Studienergebnisse bestätigen unsere Philosophie, in der wir Projektteams möglichst divers zusammenstellen. Mitarbeiter mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können dazu beitragen, Aufgabenstellungen aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und dadurch ganz neue Ideen beisteuern“, sagt der verantwortliche Studienleiter Stefan Huch von Capgemini.

Aus Sicht der Start-ups wird die Integration der Mitarbeiter erleichtert durch eine offene und kommunikative Unternehmenskultur sowie flache Hierarchen. Als wichtig beurteilen die Befragten das Beherrschen der deutschen Sprache – trotz internationaler Geschäftsmodelle und kultureller Diversifikation innerhalb der Gründungsunternehmen.

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Sie ist Ausdruck unserer Lebenswelt und ermöglicht die Teilhabe an Gedanken, Emotionen und dem Alltäglichen“, sagt auch Prof. Dr. Anabel Ternès von der SRH Hochschule Berlin, deren Studierende an der Studie mitarbeiteten.

Barrieren bei Neueinstellungen

Fast 32 Prozent der befragten Start-ups schrecken vor dem bürokratischen Aufwand zurück, der die Beschäftigung von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund, beispielsweise aus Nicht-EU Ländern, bedeutet. Sprachbarrieren sind für etwas mehr als 28 Prozent der befragten Start-ups ein Hindernis bei Neueinstellungen. Optimierungsbedarf sehen die Unternehmen insbesondere bei den deutschen Behörden. Hier wünschen sie sich künftig vor allem bessere Fremdsprachenkenntnisse und schlankere Antragsprozesse.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es einen großen bürokratischen Aufwand macht, Mitarbeiter aus dem Ausland zu rekrutieren. Vor allem Start-ups mit wenig Ressourcen können diese Probleme schwer lösen“, sagt Roman Rochel, Mitgründer des Berliner Start-ups 9flats.com.

mb/jc/dsi

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