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Gold, Politik und indigenes Cinema „NATIVe“

Berlinale_02Mit 404 Filmen aus 70 Produktionsländern ist die 63. Berlinale einmal mehr ein „Fenster zur Welt“. Vom 7. bis 17. Februar 2013 sind die Fenster international weit geöffnet und präsentiert erstmalig: NATIVe – A Journey into Indigenous Cinema. In den ausgewählten Wettbewerbsbeiträgen zeichnet sich die Berlinale weiter als ein Filmfestival mit einem politischen Anspruch aus: Viele Filme beschäftigen sich mit internationalen Konflikten, Menschenrechtsverletzungen und ökologischen Themen.

„Gold“ – Deutsche Migranten im Goldrausch

Tagebücher und Fotos von deutschen Auswanderern, die um 1898 in Kanada dem Goldrausch folgten, inspirierten den deutsch-türkischen Filmregisseur Thomas Arslan zu seinem Film Gold – der einzige deutsche Beitrag für den Berlinale Wettbewerb. Auf einem langen Treck reiten die Schauspielerin Nina Hoss, Lars Rudolph und weitere fünf Gefährten durch die Wildnis Kanadas. Der Weg – nicht das Ziel – ist hier das Thema. Arslan präsentiert keinen Western, sondern eher Stimmungsbilder über Deutsche als Migranten in einer Zwecksgemeinschaft und zeigt den Überlebenskampf auf der Jagd nach Gold.

Politisch-Ökologischer Beitrag von Matt Damon

Als Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent präsentierte Matt Damon am ersten Wettbewerbstag der Berlinale den ökologisch-politischen Film Promised Land und sorgte für Diskussionsstoff: Im Fokus steht die umstrittene Methode der Erdgasgewinnung durch „Fracking“: Bislang unerreichbare Reserven werden mit Chemikalien tief in der Erde erschlossen. Auf der Pressekonferenz erschien ein engagierter Matt Damon: „Das ökologische Thema ist mir ein persönliches Thema. Eine ganze Stadt muss hier eine Entscheidung treffen und unser Film zeigt die Dynamik bei so einem Entscheidungsprozess.“ In der Rolle des Steve Butler überredet Matt Damon die Provinzbevölkerung zur Aufgabe ihrer längst unrentabel gewordenen Farmen und verspricht märchenhafte Kaufpreise. Die Risiken der Fördermethode verschweigt er.  Ein sehenswerter Film der zugleich ein Abgesang auf eine ländliche Idylle ist, die in den USA ihren Niedergang findet.

 

Neue Reihe „NATIVe “

Ten Canoes, AUS 2006, Regie: Rolf de Heer © Alamode Film

Ten Canoes, AUS 2006, Regie: Rolf de Heer © Alamode Film

Die Reihe „NATIVe – A Journey into Indigenous Cinema“ steht für die Wertschätzung für das indigene Filmerbe und dessen künstlerische, wirtschaftliche und politische Relevanz über Stammes- und Landesgrenzen hinaus demonstrieren. Festivaldirektor Dieter Kosslick: „Wir möchten die Bedeutung des indigenen Kinos für die Filmkunst und vor allem für indigene Völker sichtbar machen. Ich freue mich, dass die Berlinale hier initiativ wird und NATIVe sein starkes Potenzial auf dem nächsten Festival und darüber hinaus zeigen kann.“ In einem eigenen Programm aus Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen werden Meilensteine indigenen Filmschaffens gezeigt.

 

Die Reihe wird von Maryanne Redpath gemeinsam mit zahlreichen Experten kuratiert, die selbst indigener Herkunft sind. Zentraler Veranstaltungsort für diese neue Reihe der Berlinale ist das Haus der Berliner Festspiele, wo Filmvorführungen, Diskussionen und weitere Veranstaltungen stattfinden. Diese Reihe ermöglicht auch das Wiedersehen mit Rolf de Heers Film Ten Canoes mit der Stimme des legendären australischen Schauspielers David Gulpilil.

Sektion Panorama

In der Sektion Panorama zeichnet sich bei den Dokumentarfilmen kinofähige Werke ab zu brisanten Weltthemen wie Palästina und dem Nahen Osten mit State 194 und Alam laysa lana (A World Not Ours), Vergangenheitsbewältigung in Indonesien mit The Act of Killing oder der fortschreitenden Gentrifizierung in westlichen Ländern in Gut Renovation.

WCF – World Cinema Fund Day

Der WCF setzt sich für die Förderung der Filmindustrie in spezifischen Weltregionen ein: Lateinamerika, Afrika, Mittlerer Osten, Kaukasus, Zentral- und Südostasien. Der World Cinema Fund will talentierte Filmemacher und Filmprojekte aus Ländern mit nicht existierenden oder mangelhaft funktionierenden Produktionsstrukturen international sichtbar machen und steht für die Entwicklung einer inhaltlich brisanten und künstlerisch starken kreativen Filmsprache. WCF-Filme durchlaufen denselben Auswahlprozess wie alle anderen Berlinale-Filme: Sie bekommen keine Vorzugsbehandlung. 2012 fanden zwei WCF-Spotlights (WCF-Filmreihen und -Workshops in Zusammenarbeit mit lokalen Festivals und dem Goethe Institut) in Havanna/Kuba und Hanoi/Vietnam statt. Diesen beiden Ländern wird auch der diesjährige World Cinema Fund Day gewidmet.

 

Text: Susanne Jensen.

Susanne Jensen, M.A. /Journalistin & Kuratorin.
Studium & Arbeitsaufenthalte führten sie nach Australien, Kambodscha, Thailand, Vietnam und in die USA. Wissenschaftliche Mitarbeiterin für interdisziplinäre Kulturprojekte, Ausstellungen sowie Moderation Berliner Wirtschaftsgespräche in der Dänischen Botschaft: „Flexicurity – Adaption auf den deutschen Arbeitsmarkt?“ 2006-2011 Mitglied im Beirat für Migrationsangelegenheiten Berlin/Charl.-Wilm. Sie kommt aus Dänemark, lebt in Berlin und schreibt für migration-business zum Themen-Schwerpunkt: Politik & Migration.

 

 

Tipp: 

Mittwoch, 13. Februar 2013 um 11:00 Uhr

Ort: Filmmuseum Berlin – Deutsche Kinemathek

 „Filling the Gap: The Art of Filmmaking in Cuba & Vietnam“

 

Panel-Diskussion:

Carlos M.Quintela (Regisseur von La Piscina, Panorama 2013)

Sebastian Barriuso (Produzent La Piscina, Panorama 2013 )

Phang Dang Di (Regisseur von Be, Don’t be afraid, Cannes 2010),

Nguyen Hoang Diep (Regisseurin & Produzentin Flapping in the Middle of Nowhere, WCF-Förderung 2012)

Moderation: Vincenzo Bugno, WCF

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