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Sprache ist Schlüsselqualifikation für kulturadäquate Kommunikation und interkulturelle Kompetenz

Kirchhoff_DSC1746_CWHeute wird die Interviewreihe „5 Fragen an Experten“ mit Klaus Rainer Kirchhoff fortgesetzt. Er ist Vorstandsvorsitzender der Kirchhhoff Consult AG (Hamburg) und arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Investor Relations-Berater. Er gilt als Pionier der Geschäftsberichtsbranche, hat zu diesem und zu anderen Themen rund um die Finanzkommunikation mehrere Bücher geschrieben, so auch das Standardwerk der Investor Relations, „Handbuch der Investor Relations“.

mb: Herr Kirchhoff, wie bereiten sich Unternehmen am besten auf internationale Märkte vor?

Die Hürden für einen erfolgreichen Eintritt in neue Märkte sind vielfältig. Es sind zunächst natürlich betriebswirtschaftliche und rechtliche Fragen zu klären: Ist die Sicherung des Absatzes durch eine größere Marktnähe möglich, kann eine Senkung der Lohn- und Lohnnebenkosten erreicht werden, ist die Realisierung von Transportkostenvorteilen erreichbar, können die Kosten für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe gesenkt werden. Und natürlich: Können im Ausland erwirtschaftete Gewinne nach Deutschland transferiert werden. Gute Berater bei der Prüfung dieser und weiterer Fragen im Internationalisierungsprozess zeichnen sich neben ihrer fachlichen vor allem durch übergreifende Kompetenzen aus. Das heißt, sie verfügen über belastbare Netzwerke, und sie sind kulturell versiert und kommunikationsstark.

mb: Welche Rolle spielen die Themen Kultur und Kommunikation?

Eine herausragende: Unternehmen, die in den Weltmarkt aufbrechen wollen, brauchen Mitarbeiter, die grenzüberschreitend einsetzbar sind.  Die Wissenschaft spricht hier von interkultureller Kompetenz. Es sind die Fähigkeiten, die Mitarbeiter brauchen, um international erfolgreich tätig zu sein. Es ist mehr, als eine Fremdsprache zu beherrschen. Kommunikationsstärke ist Voraussetzung dafür, dass interkulturelle Kommunikation stattfinden und gelingen kann. Die Fähigkeit des richtigen Gebrauchs und des richtigen Einsatzes der Sprache ist Bedingung für eine kulturadäquate Kommunikation. Unter Kommunikationsfähigkeit kann z. B. die Fähigkeit zu klarer und stringenter Argumentation verstanden werden, oder aber die Fähigkeit erkennen zu können, wann Schweigen die bessere Alternative ist. Nur wenn die Beherrschung der Landessprache und die Fähigkeit zur Kommunikation vorhanden sind, können Interpretationsunterschiede und Missverständnisse erkannt und vermieden werden. Ich halte weiterhin die Reflexionsfähigkeit, die Fähigkeit über sich selbst und das eigene Handeln in Begegnungssituationen kritisch nachzudenken, für eine wichtige Eigenschaft. Denn Reflexionsfähigkeit im interkulturellen Kontext bedeutet, prüfend und vergleichend das eigene Handeln und Denken vor dem Hintergrund der Kulturgebundenheit zu hinterfragen. Die Fähigkeit zum Konfliktmanagement und Stressmanagement sind bei einer Auslandstätigkeit ebenfalls bedeutsam. Ein erhebliches Maß an Konfliktfähigkeit wird notwendig, da Entscheidungen häufig im Spannungsfeld verschiedener Interessen, insbesondere denen des Stammhauses und denen der einheimischen Mitarbeiter, getroffen werden müssen. Damit ein Konflikt durch das Akzeptieren eines Kompromisses gelöst werden kann, bedarf es eines gewissen diplomatischen Geschicks. Die Fähigkeit zur Entwicklung dauerhafter interpersoneller Beziehungen zu Angehörigen fremder Kulturen ermöglicht die Integration in die Kultur des Gastlandes und die Befriedigung des Bedürfnisses nach sozialer Interaktion. Weitere Fähigkeiten, die an der Universität Essen-Duisburg zusammengestellt wurden, sind Flexibilität, Einfühlungsvermögen, Unvoreingenommenheit und Lernbereitschaft. Der Stellenwert des Faktors Wissen ist im Rahmen interkultureller Kompetenz im Vergleich zu den beiden anderen Faktoren als zweitrangig zu erachten. Wissen kann angeeignet werden, während Fähigkeiten wie Kommunikationsstärke schwieriger entwickelt werden können.

mb: Welche Konsequenzen sollten Unternehmen, die international tätig werden wollen aus diesen Erkenntnissen ziehen?

Ich halte eine intensive interne Kommunikation für erforderlich, um Mitarbeiter stärker in den Prozess der Internationalisierung und die damit verbundenen Veränderungsprozesse einzubinden.  Es reicht nicht aus, nur in der Geschäftsleitung darüber zu debattieren. Im Rahmen der Mitarbeiterkommunikation soll Interesse am Thema Internationalisierung geweckt und verstärkt werden. Über kontinuierliche Informationen zu gesetzten Maßnahmen und Effekten schläft das Interesse nicht ein. Ideal ist es, wenn möglichst viele Personen im Unternehmen die Gelegenheit haben, Internationalisierungsaktivitäten aktiv mitzutragen. Zu den Inhalten dieser Kommunikationsmaßnahmen sollten auch die Gründe für die Internationalisierung – Kostensenkung, neue Absatzmärkte – erläutert werden.

mb: Sie sind Mitglied des MEAM-Expertenbeirats. Wie hat man sich den Ablauf des MEAM-Projektes vorzustellen?

Der MEAM will mit seinen drei Modulen Studie, Tagung und Award nachhaltige Erkenntnisgewinne für internationalisierende Unternehmen schaffen. In einer branchenübergreifenden Studie werden deutsche und ausländische Unternehmen zu ihren Erfahrungen, Anforderungen und Bedarfen bei der Erschließung neuer Märkte befragt. Die Ergebnisse werden auf einer Fachtagung vorgestellt und mit internationalisierenden Unternehmen sowie Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden diskutiert. Schließlich sollen im Rahmen der Tagung Beratungsgesellschaften für exzellente Beratungsleistungen aus Mandantensicht mit einem Award feierlich geehrt werden.

mb: Welche Ziele verfolgen Sie mit der MEAM-Initiative?

Wir wollen das Verständnis für die Erfahrungen und Bedürfnisse dieser Unternehmen verbessern. Wichtig ist es für uns, die Beratungsqualität von Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern in Internationalisierungsfragen aus Sicht der Unternehmen gründlich zu analysieren. In einem weiteren Schritt sollen Angebote, Leistungen und Kompetenzen der Berater weiterentwickelt werden. Schließlich wollen wir den fachlichen Austausch und die Netzwerkbildung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden fördern. Bei diesen Zielen ist der durchschlagende Erfolg auch eine Frage der Kommunikation. Nur mit einem intensiven Austausch untereinander und einer klaren und verständlichen Dokumentation und Kommunikation nach außen können wir am Ende ein positives Fazit ziehen. Glauben Sie mir: das kriegen wir hin.

 

Logo - MARKET ENTRY ADVISORY MONITORDer Market Entry Advisory Monitor (MEAM) ist ein Projekt zur detaillierten und branchenübergreifenden Analyse von Erfahrungen, Erwartungen und Anforderungen internationalisierender Unternehmen. Damit schließt das Projekt eine Lücke in der praxisorientierten betriebswirtschaftlichen Forschung zur Zusammenarbeit internationalisierender Unternehmen mit ihren Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Consultants und stellt eine bislang einzigartige Qualitätsinitiative dar. Kern des Projektes ist eine Befragung von 1.500 deutschen und ausländischen Unternehmen mit Internationalisierungshintergrund. Ziel der Studie ist es, die Geschäftsbeziehungen zwischen internationalisierenden Unternehmen und ihren Beratern umfassend zu beleuchten und Beratungs- und Qualifizierungsangebote für internationalisierende Unternehmen bedarfsorientiert weiterzuentwickeln. Ergebnisse der Studie werden auf einer Fachtagung am 05.09.2013 in Berlin vorgestellt. Das Projekt wird – begleitet von renommierten Experten und Hochschulen – initiiert und koordiniert von SMF Schleus Marktforschung (Hannover) und dem German Center for Market Entry (GCME, Berlin). Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf www.MEA-MONITOR.com.

 

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