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Netzwerke in der Afrikaberatung

Konferenz_BerlinSchon wieder sitze ich im Zug. Diesmal nach Berlin, letzte Woche ging es nach Frankfurt, in der kommenden Woche steht ein Termin in Dortmund an. Immerhin kann ich aus Hannover all diese Ort in zwei Stunden erreichen kann, aber bei Gründung meiner Firma, in der es ja um Afrika geht, hatte ich nicht erwartet, dass ich so viel in Deutschland unterwegs sein werde. Was ich damals so stark unterschätzt hatte, ist die Bedeutung des persönlichen Kontakts, nicht nur vor Ort in Afrika, sondern eben auch auf der anderen Seite.

Netzwerke in Afrika

Auf der afrikanischen Seite liegt es auf der Hand, dass ein funktionierendes Netzwerk von zentraler Bedeutung ist. Auch wenn fast jeder ein Handy hat, ist das Niveau der Kommunikation weit von in Europa üblichen Standards entfernt. Das fängt damit an, dass selbst große Unternehmen keinen Internetauftritt haben oder auf anderen Wegen online oder offline gefunden werden können. Wenn der Kontakt erstellt ist, bleibt die laufende Kommunikation ein Problem. So werden Emails gefühlt nur an besonderen Feiertagen beantwortet und auf telefonische Rückrufe kann man sich in etwa genauso gut verlassen wie auf den Fahrplan der ivorisch-burkinischen Eisenbahn. Wenn ein Telefonat doch einmal zustande kommt, muss man oft mit sehr schlechter Übertragungsqualität kämpfen, viele Gespräche brechen plötzlich ab.

Die Technik und die Kommunikationskultur sind so schlecht, dass es nicht möglich ist, Kontakte aus der Entfernung aufzubauen und diese zu halten. Ohne ein funktionierendes Netzwerk vor Ort, über welches persönliche Kommunikation möglich ist, geht es nicht. Wenn etwa die Vorzimmerdame partout nicht dazu zu bewegen ist, ein Telefonat zum Chef durchzustellen, bleibt eben nur die Möglichkeit, dass meine lokalen Partner so lange im Vorzimmer des gewünschten Gesprächspartners ausharren, bis er keine anderen Termine mehr vorschützen kann. Dies dauert dann gerne auch einen ganzen Vormittag.

Daneben wollen auch Kontakte zu wirtschaftlichen Entscheidungsträgern und Politikern gepflegt werden. Dies ist ein entscheidendes Kapital, denn oft gelangt man nur über Empfehlungen an einen Termin mit wichtigen Persönlichkeiten. Auch diese Kontakte bauen sich nicht am Telefon auf, sondern eher bei einem abendlichen Bier.

Netzwerke in Europa

Auf der anderen Seite ist es für ein kleines Beratungsunternehmen wie meines genauso wichtig, auch in Deutschland und Europa gut vernetzt zu sein, so dass Auftraggeber unsere Firma finden, wir früh über neue Projektmöglichkeiten informiert werden und bei größeren Aufträgen mit anderen Spezialisten kooperieren können.

In diesem Kontext treffe ich mich mindestens zweimal im Jahr zu Konferenzen mit anderen Beratern mit Afrikaschwerpunkt, mit welchen ich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen bin. Hier tauschen wir uns zu unseren Spezialgebieten aus und planen neue Projekte. Dazu kommen unregelmäßige Veranstaltungen, die etwa der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft, die Handelskammern oder andere Organisationen anbieten.

So fand im Februar eine Konferenz mit fast allen afrikanischen Botschaftern in Deutschland statt. 30 Botschafter und deren Mitarbeiter hatten jeweils einen Tisch mit ihrer Flagge für sich und füllten so einen Saal im Haus der deutschen Wirtschaft in Berlin. Wie auf einer Messe kam man ohne Umschweife ins Gespräch. In den Pausen gab es dazu ein bemerkenswertes Buffet, dass offenbar von den Sponsoren der Veranstaltung getragen wurde – fast alles Pharmafirmen, die haben den afrikanischen Kontinent gerade für sich entdeckt.

Zentral ist bei solchen Veranstaltungen nicht nur der direkte Kontakt zu Vertreter aus Afrika, sondern auch das „Networking“ mit den anderen Teilnehmern an den Stehtischen während der Pausen. Alle anwesenden Personen haben Interesse an Afrika, viele suchen Geschäftspartner oder Berater. Für mich sind solche Veranstaltungen daher Kontaktbörsen von unschätzbarem Wert.

Wert des Netzwerkens

Seit über vier Jahren bin ich nun in dieser Branche und ich bin immer noch dabei, mein Netzwerk in meinen Kernbereichen und Kernstaaten gezielt auszubauen. Ein zentrales Erlebnis war in diesem Kontext ein Abend in Cotonou vor drei Jahren. Ich saß bei einem Termin mit einem Kunden, den ich vom geschäftlichen Standpunkt her für uninteressant hielt. Wir sprachen trotzdem über dies und jenes und auch über Stahlschrott, wofür ich seinerzeit unterwegs war. An einem Punkt nahm der Gesprächspartner sein Telefon und rief einen Bekannten an. Das war dann der Chef der beninischen Eisenbahn und der hatte viel gebrauchten Stahl. Am Ende hatte er auch noch Geburtstag, wir saßen bis zwei Uhr morgens zusammen und tranken nicht nur Apfelsaft. Das Geschäft mit dem Stahlschrott kam zwar nicht zustande, die Inder hatten bessere Konditionen, doch wenn ich Kontakte in die Chefetagen in Benin brauche, dann weiß ich, wen ich anrufen kann.

 

Text: Dr. Jan Cernicky.

Dr. Jan Cernicky studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Hannover und Paris und promovierte anschließend in Politikwissenschaften mit einer praxisnahen Arbeit über die Funktionsweise von regionaler Integration in Westafrika. Während mehrerer Aufenthalte im Zusammenhang mit damit verbundenen Forschungen in verschiedenen Staaten Westafrikas knüpfte Herr Cernicky ein enges Netzwerk von Kontakten in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Aufbauend auf diesem Netzwerk gründete Jan Cernicky im Jahre 2008 den Recherchedienst Afrika, der Informationsdienstleistungen und praxisnahe Beratung für wirtschaftliche Aktivitäten in Afrika anbietet, mit Fokus auf kleinen und mittleren Unternehmen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt im frankophonen Westafrika.

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