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Tourismus in Deutschland auf Wachstumskurs

Ernst BurgbacherGleich zur Eröffnung der ITB Berlin, der weltgrößten Fachmesse der Reisebranche, präsentierte der Deutsche Reiseverband den weiter steigenden Trend im Metropolen-Tourismus. Doch wie kann sich die ländliche Region in Deutschland behaupten, um internationale Touristen zu gewinnen? Migration Business im Gespräch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie und Beauftragten der Bundesregierung für Mittelstand und Tourismus, Ernst Burgbacher, MdB.

mb: Tourismus – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Deutschland?

BURGBACHER: Für die Bundesregierung hat die Tourismuspolitik einen hohen Stellenwert, rund sieben Millionen Arbeitsplätze in unserem Land hängen direkt an dieser Branche. Der Tourismus in Deutschland steht für eine Bruttowertschöpfung von fast 100 Mrd. Euro und beschäftigt 2,9 Millionen Erwerbstätige, die überwiegend im Mittelstand angesiedelt sind. Wir haben bereits die 60-Millionen-Grenze ausländischer Übernachtungen in Deutschland erreicht. Im Jahr 2012 wurden erstmals über 400 Millionen Übernachtungen verzeichnet, damit ist der Tourismus ein echter Jobmotor in Deutschland.

mb: Wer profitiert?

BURGBACHER: Von einem wachsenden Tourismus profitiert die gesamte Branche und alle Regionen. Den stärksten Zuwachs verzeichnen derzeit Städte wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Stuttgart. Die Besucher buchen gerne die Städtetour mit einem Konzert bzw. Musical im Programm oder sind Kongress-Teilnehmer. Die Zahlen belegen, dass viele Touristen drei bis vier Tage in einer Metropole verbringen. Der Jahresurlaub wird weniger in seiner gesamten Länge genutzt.

mb: Welche Bereiche sind im Aufwind?

BURGBACHER: Es gibt viele wichtige Bereiche im Tourismus, die sich immer stärker entwickeln. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie setzt hier wichtige Impulse. Neben Projekten unter anderem im Gesundheits-, Fahrrad- oder im barrierefreien Tourismus möchte ich das Projekt „Tourismus in ländlichen Räumen“ hervorheben. Denn gerade in strukturschwachen ländlichen Gebieten hat der Tourismus das Potenzial, Arbeitsplätze zu schaffen. So müssen beispielsweise auch mediengerechte Strategien weiter entwickelt werden, denn nur Prospekte zu drucken ist überholt. Anbieter in ländlichen Räumen müssen wahrnehmen, dass eine schöne Landschaft als Werbebotschaft allein nicht konkurrenzfähig ist – es wird ein Alleinstellungsmerkmal benötigt.

mb: Welche Bedeutung hat im Tourismus derzeit Nachhaltigkeit?

BURGBACHER: Nachhaltigkeit wird immer stärker nachgefragt, so gibt es zum Beispiel eine stark zunehmende Sensibilität für regionale Produkte. Authentizität einer Region ist gerade im ländlichen Raum sehr wichtig für den Tourismus – auch in Deutschland. Ökologische Rentabilität, Verbesserung der Personalschulung und der Umweltgedanke sind drei Säulen, die diese Attraktivität tragen werden. Die Menschen wollen keine Bettenburgen mehr.

mb: Wie bewerten Sie die Bedeutung sportlicher Ereignisse?

BURGBACHER: Sportliche Ereignisse, insbesondere sportliche Großereignisse, erhöhen die touristische Attraktivität und haben ganz konkrete Auswirkungen. So hat die Fußball WM 2006 mit Sicherheit zu einem Anstieg der Touristen in Deutschland geführt. Mit der WM hatten wir nicht nur mit dem Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ Erfolge, Deutschland hat sich der Welt in einer Weise präsentiert, die die Menschen in das Land einlädt. Mit der nationalen Service-Kampagne förderte die Bundesregierung mit rund einer Million Euro die Servicefreundlichkeit Deutschlands. Die Kampagne wurde von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) mitinitiiert und koordiniert.

mb: In diesem Jahr ist Indonesien das ITB-Partnerland. Letztes Jahr präsentierte sich Ägypten als Partnerland. Was ist Ihr Fazit für den Tourismus in Ägypten?

BURGBACHER: Für Ägypten ist der Tourismus ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Der Tourismus ist aber ein „scheues Reh“. Er reagiert sehr sensibel auf äußere Bedingungen. Der Tourismus kann in Ägypten in alter Stärke zurückkehren, wenn Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit gewährleistet sind.

mb: Zielsetzung für 2013 ?

BURGBACHER: Auch für 2013 ist die weitere Stärkung der Tourismuswirtschaft das Ziel. Es werden viele Schwerpunkte gesetzt. So werden beispielsweise mit dem DZT-Themenjahr 2013 „Junges Reisen nach Deutschland – Hotspots, Brandnew, Lifestyle“ besonders jüngere Zielgruppen angesprochen. Ein wichtiges Thema ist ferner der barrierefreie Tourismus, der überall in Deutschland noch intensiver gewährleistet werden muss. Unabhängig von den einzelnen Tourismusbereichen ist die Begegnung des Fachkräftemangels in der Tourismusbranche eine große Herausforderung. Hier hat die Bundesregierung ein Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht, beispielsweise das sehr erfolgreiche Portal www.make-itin-Germany.com.

mb: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Susanne Jensen.

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