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Beantragung von Fördergeldern – Wo viel Geld ist, ist auch viel Schreibtischarbeit

Dr. Jan Cernicky kHeute geht es weniger um fremde Länder, Bürgerkriege und halbseidene Schrotthändler wie in Kolumnen zuvor. In der letzten Zeit saß ich vor allem in meinem Büro und schrieb Projektanträge. Heute geht es daher vor allem um die unzähligen Fördermöglichkeiten und den damit verbundenen Antragsdschungel.

Afrika ist nun einmal eine Kernregion der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (kurz EZ, der eingängige Begriff Entwicklungshilfe ist nicht mehr erwünscht) und somit stehen für fast alle Aktivitäten dort irgendwelche Töpfe mit Fördergeldern bereit. Vor allem durch die in den letzten Jahren vollzogene Hinwendung zur Privatindustrie als Partner in EZ-Projekten, hatte ich keine andere Wahl, als mich in diesen Bereich einzuarbeiten. Denn warum sollten deutsche Betriebe ein Projekt ganz aus eigener Tasche bezahlen, wenn es dafür eine Finanzierung aus öffentlichen Kassen gibt?

Die Liste der möglichen Förderungen ist lang. So gibt es das developpp Programm, in dem auch kleinere Betriebe aus der Privatwirtschaft für Investitionen in armen Ländern bis zu 50% der Kosten als Zuschuss bekommen können. Es gibt „strategische Allianzen“, welche Neuerungen in ganze Wirtschaftssektoren einbringen sollen. Dann gibt es die Entwicklungs- und Außenwirtschaftsbanken, die reine Exportgeschäfte oder auch Investitionen absichern. Es gibt Töpfe des Wirtschaftsministeriums, welche Informations- und Markteinführungsprogramme finanzieren. Und es gibt noch die großen internationalen Geldgeber wie die EU oder die UN, welche über EZ-Programme immense Summen an Vereine, Verbände und Unternehmen ausschütten, dafür furchtbar komplexe Antragsformalien entwickelt haben.

Der Antragsdschungel

Da die Beantragung für die meisten Firmen zu komplex ist, hat sich eine ganze Branche entwickelt, deren Hauptaufgabe es ist, Hilfestellung bei Anträgen zu leisten. Dafür gibt es von der GIZ (die altbekannte GTZ gibt es auch nicht mehr, hier wurde allerdings eine wirkliche Reform durchgeführt und nicht nur der Name geändert) z.B. „EZ-Scouts“. Im privaten Bereich tummeln sich Vereine, die Anleitungen und Seminare für diesen Bereich anbieten. Einen solchen Kurs habe ich natürlich auch besucht.

Der Nachteil dieser Anbieter ist, dass sie sich, aufgrund des Mandats oder der Spezialisierung, nicht auf dem ganzen Weg dem jeweiligen Kunden widmen können. Denn so ein Antrag muss ja vorbereitet werden, es bedarf Informationen und Kontakten aus dem Zielland und auch nach Gewährung der Mittel geht es ja weiter.

Das ist gut für mich, denn ich kann das ganze Paket anbieten, durchaus in Zusammenarbeit mit den genannten Spezialisten. Auch für die Akquise ist dies von Vorteil, denn viele Kunden würden ohne externe Teilfinanzierung das Wagnis Afrika gar nicht eingehen. Und so sitze ich dann im Büro und bearbeite einen Antrag auf Gelder vom Wirtschaftsministerium (gar nicht so kompliziert, nur ein paar unklar formulierte Bedingungen), einen für die GIZ über devolppp (auch machbar, wenn man einen EZ-Scout kennt, der die Logik dahinter einmal erklärt) und einen EU-Antrag (unmöglich ohne ein Glossar zum logischen Aufbau des Antrage und ohne Grundlagenkurs).

Konkrete Projekte

So kann z.B. ein deutsches Unternehmen leistungsfähige Lösungen für die Erhaltung von ländlichen Straßen entwickelt haben. Im Kongo mit seinem verfallenen Wegenetz gibt es dafür naturgemäß immensen Bedarf. Nun finanzieren EZ-Projekte keine reinen Exportgeschäfte (aus gutem Grund). Das macht aber nichts, da die Geräte ohnehin nicht längerfristig genutzt werden können, wenn nicht auch gleich die Fahrer und Mechaniker ausgebildet werden. Da vor allem die Wartung von allen vergleichbaren Maschinen ein Problem vor Ort ist, verbreitern wir den Ansatz und liefern nun eine Lösung für den Wegebau zusammen mit einer Ausbildungsstätte für Nutzung und Wartung von landwirtschaftlichen Maschinen inkl. einer funktionierenden Werkstatt. Nun ist dies nicht nur ein äußerst sinnvolles Projekt, sondern stimmt auch mit mehreren Zielen der deutschen und internationalen EZ in diesem Land überein.

Es reicht aber nicht, dass das Projekt stimmig ist, man muss das auch belegen. Also müssen unsere Partner vor Ort Daten zur Situation sammeln (Zustand der Wege, bereits vorhandenes Material, existierende Förderprogramme, Bedarf an Ausbildung in dem Bereich etc.). Diese Daten müssen an der richtigen Stelle im logischen Zusammenhang des Antrags stehen (was ist ein „objectife“ was ein „result“ was ein „goal“?)

Ich habe mittlerweile gute und leistungsfähige Partner-NGOs in vielen Staaten Afrikas, so dass wir auf dieser Basis schnell passende lokale Partner für große und kleine Projekte identifizieren und die nötigen Daten sammeln können. Das Projekt wird dann in Zusammenarbeit mit dem deutschen und dem afrikanischen Partner entwickelt.

Schließlich steht der Antrag, einzige Sorge die bleibt: hoffentlich reichen die Partner vor Ort den Antrag fristgerecht ein. Es sind nämlich meist die afrikanischen Partner, die offiziell als Antragsteller auftreten müssen. Spätestens zwei Tage vor der Frist nötige ich diese, den Antrag vollständig („bitte prüft das mehrfach!!“) bei der genannten Stelle abzugeben und höre mit meinen Nachfragen nicht auf, bis ich die Eingangsbestätigung sehe. Das ist wirklich nötig, denn das Konzept der starren Frist, nach welcher wirklich Schluss ist, ist vielen meiner Partner nicht verständlich zu machen („ein Tag später wird ja wohl noch gehen“).

 

Text: Dr. Jan Cernicky.

Dr. Jan Cernicky studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Hannover und Paris und promovierte anschließend in Politikwissenschaften mit einer praxisnahen Arbeit über die Funktionsweise von regionaler Integration in Westafrika. Während mehrerer Aufenthalte im Zusammenhang mit damit verbundenen Forschungen in verschiedenen Staaten Westafrikas knüpfte Herr Cernicky ein enges Netzwerk von Kontakten in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Aufbauend auf diesem Netzwerk gründete Jan Cernicky im Jahre 2008 den Recherchedienst Afrika, der Informationsdienstleistungen und praxisnahe Beratung für wirtschaftliche Aktivitäten in Afrika anbietet, mit Fokus auf kleinen und mittleren Unternehmen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt im frankophonen Westafrika.

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