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Ibrahims Ferrari-Feinkost

Ibrahim Feinkost klein

Ibrahim Ceylan mit einem Mitarbeiter in seiner neuesten Filiale in Berlin Kreuzberg

Ibrahim Ceylan hat den Nerv der Deutschen getroffen. Seit mehr als zwanzig Jahren produziert und vertreibt er Gourmetsalate nach originalen Rezepten aus seiner anatolischen Heimat. Und das mit beispiellosem Erfolg. Seine Produkte findet man heute nicht nur am eigenen Tresen, auf Wochenmärkten und bei kleineren Lebensmittelhändlern: Auch die großen Handelsketten haben die mediterranen Delikatessen entdeckt: In Filialen von Edeka (Nah und Gut) sowie REWE gehen sie schon jetzt über den Ladentisch. Und die Zukunft verspricht weiteres Wachstum: Derzeit werden vielversprechende Gespräche mit einer bekannten Handelskette geführt. In fünf bis zehn Filialen des Händlers sollen die Feinkostsalate zunächst aufgenommen werden. Diese Entwicklung läuft jedoch in Richtung einhundert und mehr Filialen in ganz Deutschland.

Wachsen ja – aber nicht auf Kosten der Qualität

Dabei steht für Ibrahim Ceylan Expansion keineswegs an erster Stelle. Er bekommt regelmäßig unzählige Händleranfragen, aber nur mit wenigen kommt er ins Geschäft: „Von vierundzwanzig Interessenten bekommen zwanzig eine Absage“. Meistens sorgt die pauschale Frage nach dem Preis für den Abbruch der Verhandlungen. „Die Menschen müssen verstehen, dass billig nicht gleich gut ist“. Händler müssen die Marke vor allem „würdevoll“ präsentieren. Ceylan schaut sich hierzu jede Filiale höchst persönlich an. Kompromisslose Sauberkeit, eine angenehme Atmosphäre und stets sehr freundliches Personal sind die Minimalanforderungen des anspruchsvollen Unternehmers.

Ferrari-Feinkost“ zu fairen Preisen

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Zu Ceylans Sortiment zählen mittlerweile auch vegane Produkte

Für Ceylan hat die Qualität der Grundprodukte oberste Priorität. Gemüse und Getreide bezieht er möglichst aus dem Umland. Er fährt persönlich auf die brandenburgischen Höfe, um die Frische und den einwandfreien Geschmack der Zutaten zu garantieren. Schafskäse bezieht er hingegen vom Zulieferer seines Vertrauens aus Frankreich, Feta gibt es nur ganz original aus Griechenland.

Die erlesenen Produkte werden dann in der eigenen Produktionsstätte in vollständiger Handarbeit verarbeitet und dabei nach traditioneller Art mit der Hand verrührt. Das Endprodukt dieser aufwendigen Prozedur nennt Ceylan stolz „Ferrari-Feinkost“. Ganz anders als die Prestige-Automarke sind seine Produkte jedoch überraschend preiswert. Gesunde Ernährung solle sich jeder leisten können, auch Arbeitslose, lautet die Begründung.

Der Mann hinter dem Produkt

Hinter dem Erfolg steht eine irgendwie typische aber dabei doch ganz individuelle Einwanderungsgeschichte. 1970 kommt Ibrahim Ceylan im Alter von sechszehn Jahren nach Berlin. Deutsch lernt der motivierte Jugendliche, der bis zur neunten Klasse in der Türkei zur Schule gegangen war, an der Volkshochschule. Nach einer Ausbildung zum Elektromonteur arbeitet er fünf Jahre in dem Beruf, bis er den ersten Versuch in der Lebensmittelbranche unternimmt. Sein Döner-Imbiss erbringt jedoch nicht den erhofften Erfolg, denn was heute in Berlin als Kult-Snack gilt, ist in den 70er Jahren noch relativ unbekannt. Auch wenn Ibrahim zu seinem erlernten Beruf zurückkehrt, will er den Traum vom eigenen Geschäft nicht aufgeben. Zwischen 1979 und 1985 betreibt er parallel zum Job einen mobilen Obst-und Gemüse-Handel. Seine Frau, eine Deutsche, unterstützte ihn beim Verkauf. 1990 eröffnete er dann sein erstes Geschäft in Friedrichshain.

Kurz nach der Eröffnung: Ein Ereignis, welches alles verändern soll…

Als Ceylan gemeinsam mit seinen Mitarbeitern die Mittagspause mit einem selbstgemachten anatolischen Eiersalat begeht, erweckt er damit das Interesse eines vorbeigehenden deutschen Kunden. Nach einer kleinen Kostprobe will dieser sofort bestellen. Am nächsten Tag stellt der aufmerksame Geschäftsmann zwei Kilogramm des Salats zum Verkauf in die Theke. Nach weniger als zwei Stunden ist das Kontingent erschöpft. Mit gesteigerter Menge wächst die Nachfrage exponentiell, bald kommt ein türkischer Kartoffelsalat hinzu, nach drei Monaten umfasst das Sortiment bereits zehn Salate. Dieses reißt man Ceylan auch auf den mobilen Marktständen regelrecht aus der Hand. Die logische Konsequenz ist eine Umstrukturierung des Sortiments: In Zukunft soll sich alles um Feinkost drehen.

Tradition und Wandel im Einklang

Während Ceylan die ersten Rezepte aus seiner Heimat, der Stadt Sivas in der östlichen Türkei, mitgebracht hatte, kommen ihm auf Reisen durch den Mittelmeer-Raum immer neue Ideen. Heute befinden sich unter anderem auch ägyptische, marokkanische und französische Produkte im Sortiment. Nahezu alle Salate sind vegetarisch, vier Produkte werden sogar vegan, also ohne jegliche tierische Bestandteile, zubereitet. In letzter Zeit beobachtet Ceylan eine steigende Nachfrage nach laktosefreien Produkten. In Zukunft soll es auch für diese Kunden noch mehr Auswahl geben.

Die Wünsche der Kunden spielen für den Geschäftsmann eine ganz besondere Rolle. „Bei uns kann jeder probieren.“ Man sehe dem Kunden an, wenn er mehr wolle, wenn es ihm gefalle, schwärmt Ceylan. Über Anregungen freue er sich genauso wie über Lob, denn schließlich müssen die traditionellen Rezepte auch den Ansprüchen des modernen Kunden genügen.

 

Text: Maximiliane Schwerdt.

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