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Pancakestübchen

Inci Yigit

Berliner Unternehmerin Frau Inci Yigit

Es ist 7.30 Uhr und in dem Pancakestübchen in der Mierendorffstrasse 16 in Charlottenburg stehen schon viele Kunden. So früh am Morgen haben sie die Qual der Wahl – Berliner Eierkuchen oder doch die amerikanische Version des Pancakes. Kunden sind Kinder und ihre Eltern aus der benachbarten Mierendorff Grundschule, die morgens eine Stärkung brauchen.

Inci Yigit, die Inhaberin des neulich eröffneten Pancakestübchens erklärt, woher die Idee für diesen süßen Laden kommt: „Als Kinder haben wir, meine Geschwister und ich, sehr gerne Berliner Eierkuchen gegessen. Wir kommen aus der Türkei und hier in Berlin haben wir zum ersten Mal Eierkuchen und später Pancakes gekostet. Und: Wir waren und sind immer noch von diesen süßen Speisen begeistert.“ Im Laufe der Jahre hat die fünfzigjährige ausgebildete Arzthelferin, Eierkuchen und Pancakes für ihre Familie gebacken und dennoch lange gebraucht bis sie sich entschlossen hat, sie auch Kunden anzubieten: „Vor dreißig Jahren war ich schon mal selbständig. Damals habe ich einen Imbiss gehabt, ganz klassisch mit Döner und Currywurst, aber ich bin leider gescheitert. Ich bin damals unvorbereitet an die Sache rangegangen. Aber das Gute war, dass ich schon damals wusste, dass ich meine eigene Chefin sein möchte, ich habe nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet.“

In der Zwischenzeit hat Inci als Arzthelferin, angehende Polizistin und Sozialarbeiterin gearbeitet. Obwohl sie ihre Jobs gerne gemacht hat, konnte sie von diesen nicht leben. Als sie nur noch Minijob-Angebote bekam, wusste sie, dass sie etwas ändern muss: „Ich habe mich dazu entschlossen, mich erneut selbständig zu machen, aber dieses Mal wollte ich alles ganz anders machen.“ Inci hat sich entschlossen sechs Monate lang Existenzgründungskuse bei der Initiative Selbständiger Immigrantinnen zu besuchen und mit Hilfe von Dozentinnen und Coaches ihren Businessplan zu schreiben. “Das war für mich eine absolut wichtige Entscheidung, weil ich mit meiner Selbständigkeit nicht allein gelassen war.“

Hilfe bekam Inci auch von der Investitionsbank Berlin und ihrer Familie. „Ich habe einen Minikredit aufgenommen. Damit konnte ich meinen Laden eröffnen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich ganz knapp kalkuliert habe. Deswegen mein Tipp an alle Gründerinnen: Nicht zu bescheiden sein bei dem Kreditantrag! Diesen Fehler machen wir Frauen oft. Männer sind da ganz anders.“ Für die Dekoration des Ladens war ihre achtzehnjährige Tochter zuständig und Incis Ehemann ist auch eine große Hilfe: „Mein Mann hilft mir beim Einkaufen, aber ich bin alleine im Laden von morgens bis abends.

Und was einige Gründerinnen vergessen: Selbständig zu sein, heißt viel zu arbeiten. Aber trotzdem habe ich meinen Schritt nicht bereut und bin Stolz, dass ich heute wieder meine eigene Chefin bin.“

 

Text und Bild: Renata Sikic.

Renata Sikic, gebürtige Bosnierin, ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Initiative Selbständiger Immigrantinnen. Die erfahrene Radiojournalistin und gelernte Bildredakteurin begleitet in ihrer Arbeit Migrantinnen, die sich selbständig gemacht haben oder dabei sind diesen wichtigen Schritt zu machen. Seit 1991 fördert die Initiative Frauen unterschiedlicher ethnischer oder nationaler Herkunft in Berlin in ihrem Wunsch nach wirtschaftlicher Selbständigkeit. ISI e.V. bietet ein einzigartiges Model – Migrantinnen für Migrantinnen! Erfahrene und kompetente Dozentinnen und Coachs können dank der eigenen Migrationsgeschichte und Integrationserfahrungen Migrantinnen gegenüber mehr Verständnis aufbringen und Entgegenkommen zeigen.

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