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Managementkompetenz als Voraussetzung für nationalen und internationalen Erfolg russischer Unternehmen

Alexander Tirpitz KIn vielen Volkswirtschaften wie z.B. den Vereinigten Staaten und Deutschland werden kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) gerne als Rückgrat der Wirtschaft bezeichnet. Und das nicht ohne Grund: In beiden Ländern zählen rund 99% der Unternehmen zum Mittelstand und stellen etwa die Hälfte aller Arbeitsplätze. Mit einem Anteil von 40 bis 50% am Bruttoinlandsprodukt (BIP) tragen sie entscheidend zum Wirtschaftswachstum bei.

Im Gegensatz dazu haben die kleinen und mittleren Unternehmen in Russland bislang nur einen geringen Anteil am BIP von offiziell 21%. Das verdeutlicht anschaulich wie wenig entwickelt die russische mittelständische Wirtschaft derzeit noch ist und wie dominant große und Staatsunternehmen noch immer sind. In Anbetracht dessen erscheint es für die weitere Wirtschaftsentwicklung Russlands von enormer Bedeutung zu sein, die kleinen und mittleren Unternehmen weiter zu fördern und zu professionalisieren. Während gesetzliche und staatliche Fördermaßnahmen sicherlich notwendig für die Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen und eines unternehmerischen Klimas sind, erscheint insbesondere eine eher Management-orientierte Herangehensweise eine Chance für Russlands KMU darzustellen. Den oft finden sich die entscheidenden Hemmnisse der KMU-Entwicklung in den Betrieben selbst. Essentielle Managementfähigkeiten und -konzepte, die sich russische Mittelständler aneignen müssen, um sich entwickeln und wachsen zu können, sind die Folgenden:

  • Corporate Entrepreneurship
  • Innovationsmanagement
  • Kooperationsmanagement
  • Normierung
  • Kundenorientierung

Die Etablierung von Corporate Entrepreneurship im Unternehmen, d.h. seine Angestellten zu unternehmerischem Denken zu motivieren, ist der erste Schritt weg von einem Management à la Staatsunternehmen und hin zu Effizienz und Innovativität. Um seine Mitarbeiter erfolgreich zu unternehmerischem Denken und Handeln zu bringen, müssen sie jedoch eine gewisse Freiheit bei der Ausführung ihrer Arbeit sowie das Vertrauen des Unternehmens genießen und den individuellen Nutzen möglicher Extra-Anstrengungen sehen. „Eigeninitiative“ anstelle von „Dienst-nach-Vorschrift“ sollte das Credo sein.

Der zweite, stark vom ersten abhängige Schritt ist dann die Implementierung eines professionellen Innovationsmanagements. Denn gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind Innovationen der Schlüssel zum Erfolg und der Treibstoff, der den Motor am Laufen hält. Unglücklicherweise managen nur wenige KMU ihre Innovationen in zweckmäßiger und strukturierter Art und Weise. Das regelmäßige Sammeln neuer Ideen im Kreise der Mitarbeiterschaft, die Sicherstellung eines kreativen Arbeitsklimas oder die Nutzung von Techniken wie Mind-Mapping haben Seltenheitswert.

Über die Nutzung professioneller Managementmethoden für betriebsinterne Prozesse hinaus sollte russischen KMU bewusst sein, dass langfristig nur international agierende Firmen, die die richtigen Kooperationen eingehen, einen hohen Grad an Wettbewerbsfähigkeit erreichen. Aus diesem Grund ist es notwendig, ein entsprechendes international ausgerichtetes Kooperationsmanagement zu installieren (ggf. eine eigene Abteilung, die das Management aller externen Beziehungen zur Aufgabe hat) und internationale Normen bzw. Standards (sowohl im Management als auch bei der Produktion) anzunehmen. Dabei sind beide Maßnahmen eng mit einander verbunden: Die Erfüllung von Normen und Standards ist eine Grundvoraussetzung, wenn man internationale Partner finden will. Umgekehrt sorgt die Standardisierung interner Geschäftsprozesse auch für einen reibungslosen Ablauf zwischenbetrieblicher Beziehungen.

Während Corporate Entrepreneurship, Innovations- und Kooperationsmanagement sowie die Einhaltung von Standards zwar wichtig für die Entwicklung kleiner und mittlere Unternehmen sind, darf eines jedoch nicht außer Acht gelassen werden: Kundenorientierung. Da ein Unternehmen, das seine Kunden und ihre Bedürfnisse nicht im Auge hat, zum Scheitern verurteilt ist, sollte Kundenorientierung immer oberste Priorität haben. Einerseits bewirkt ein hohes Maß an Kundeorientierung eine positive Wahrnehmung des Unternehmens, anderseits sind Kunden eine enorme Innovationsquelle. Die Einbeziehung der Kunden in den Innovationsprozess eines Unternehmens führt zur Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen mit unmittelbarer Nachfrage. Daher sollten gerade kleine und mittlere Unternehmen, die häufig viel engeren Kundenkontakt pflegen als große Firmen, ihre Kunden als Innovationsquelle erkennen und daraus einen Wettbewerbsvorteil machen.

Wenn russische KMU es also schaffen, sich in den genannten Bereichen weiter zu professionalisieren, sollte sich der Mittelstand auch in Russland zum wirtschaftlichen Rückgrat entwickeln können. Aktuelle Entwicklungen in der russischen Start-up- und Uni-Spin-off-Szene zeigen auf jeden Fall viel Potential und lassen für die Zukunft noch einiges erwarten.

 

Text: Alexander Tirpitz.

Alexander Tirpitz ist Sinologe und Betriebswirt und Geschäftsführer des German Center for Market Entry in Berlin. Außerdem ist er Dozent für Themen des International Managements an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Das German Center for Market Entry (GCME) ist eine Ausgründung der Freien Universität Berlin und spezialisiert auf die Themen Internationalisierung und Schwellenländer. Die Aktivitäten und Leistungen des GCME umfassen Studien, Beratung sowie Seminare und Vorträge. Die Angebote richten sich an ausländische Unternehmen, die einen Markteintritt in Deutschland planen, sowie deutsche Unternehmen, die international tätig sind.

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