«

»

Reisevorbereitungen nach afrikanischer Zeit

Dr. Jan Cernicky kDie viele Schreibtischarbeit der letzten Wochen hat mich ein wenig mürbe gemacht, daher klingt das Geräusch des Druckers heute besonders positiv, als er mein E-Ticket für den Gabelflug Hannover – Cotonou – Dakar – Hannover ausdruckt: endlich kann ich wieder auf ein praktisches Ziel hinarbeiten. Für die Vorbereitung der Reise bleiben fünf Wochen.

Und in diesen ist einiges zu tun. Das Grundgerüst der Reise steht nur grob. In Benin muss ich mich um meine lokale Saftfabrik kümmern (ich berichtete darüber an dieser Stelle), nach Senegal fliege ich weiter, weil ich sowieso in der Region bin, man kein Visum braucht und ich meinen lokalen Partner schon zu lange nicht besucht hatte. Wirkliche Inhalte für dieses Land brauche ich aber noch.

Daher mache ich erst einmal einen schon länger grob geplanten Termin bei der Botschaft des Senegals fest. Mit dem Botschafter sprach ich vor einigen Monaten auf einer Konferenz (auch dazu gab es einen Bericht an diesem Ort), nun kann ich auf das Angebot zurückkommen, dass mich die Botschaft mit Kontakten zu Firmen und Verbänden vor Ort unterstützt.

Gleich darauf rufe ich bei einem Wirtschaftsverband an, der signalisiert hatte, verstärkt in Afrika aktiv werden zu wollen. Ich schlage vor, dies einmal für Senegal auszuprobieren, was auf offene Ohren stößt. In den folgenden Tagen vereinbaren wir die groben Ziele und Konditionen.

Im nächsten Schritt gebe ich in meinem Netzwerk in Deutschland bekannt, dass eine Reise ansteht. Es gibt immer jemanden, der irgendwo von einem Projekt weiß oder jemanden kennt, der zufällig gerade irgendeinen Bedarf in einem meiner Zielländer hat. Leider kommen die entsprechenden Reaktionen üblicherweise nicht drei Wochen vor meiner Abreise, sondern eher drei Tage davor.

So ist es dann auch. Die nächste Woche verläuft ruhig, etwa drei Wochen vor Abreise besuche ich den Wirtschaftsattaché in der senegalesischen Botschaft. Mit nicht ganz so konkreten Infos wie erhofft, dafür aber guten Kontakten zur lokalen Wirtschaftsförderungsagentur, komme ich zurück. So kann ich rechtzeitig den in Dakar zuständigen Personen schildern, welche Unterstützung ich benötige. Eine konkrete Antwort kommt aber erst eine Woche vor Abreise: der benannte Kontaktmann ist zur Zeit meiner Anwesenheit nicht vor Ort, ob man die Reise verschieben könne? Nein!

So schlimm ist das dann doch nicht, da seine Assistentin ja vor Ort sei, die hätte ohnehin die Anweisung erhalten, sich um die Vorbereitung zu kümmern. Ich möge sie kontaktieren. Das hätte ich zwar schon vor zwei Wochen machen können, aber besser spät als nie. Auch ihr erkläre ich noch einmal worum es geht. So klar scheint ihr aber nicht zu sein, dass sie hier zuständig ist. Ich schicke meinen lokalen Partner vorbei, der hat zwar gerade überhaupt kein Geld (was ich ihm dann zur späteren Verrechnung schicke) aber findet in den kommenden Tagen zu einer offenbar sinnvollen Arbeitsteilung mit Madame.

Das Programm nimmt Form an, als die Rückmeldungen aus dem Netzwerk eintreffen. In Benin möchte jemand Fasern aus Pflanzen gewinnen, ein weiterer Partner kennt einen Unternehmer, der Finanzierung für eine Anlage zur Verarbeitung von Cashew-Nüssen sucht, dieser hat wiederum mehrere Bekannte, die andere Investments planen. Für die Saftfabrik interessiert sich ein Investor, ein Unternehmer aus Portugal sucht Lieferanten für gewürfelte Tropenfrüchte. Wir machen jeweils einen Termin.

Etwas komplizierter gestaltet sich die Sache im Senegal. Von dort meldet sich ein ehemaliger Wirtschaftsminister (er ist das wirklich – im Gegensatz zu den vielen ehemaligen Ministern die sich mir schon einmal vorgestellt haben – ich kenne seinen Namen), der bekanntlich auch Geld hat und einen ambitionierten Verarbeitungsbetrieb aufbauen will. Und das gerade in dem Wirtschaftssektor, den ich ohnehin vor Ort vertreten werde. Da muss also ein Termin her, was die schon angelaufene Planung ein wenig über den Haufen wirft. Gewisse Verstimmung in Dakar, ich muss daran denken, der Dame in der Wirtschaftsförderungsagentur eine Schachtel Pralinen mitzubringen.

Das Problem an den letzten Tagen vor der Abreise ist dann vor allem, die ganzen Informationen sinnvoll zusammenzustellen und einzupacken. Einiges fehlt auch am letzten Tag noch, aber es gibt ja vor Ort auch Internetzugang (Dokumente auszudrucken ist jedoch schmerzhaft teuer). Die Lage wird nicht entspannter, als ich merke, dass der Mai bei meiner Rückkehr zu Ende sein wird und damit eine Steuererklärung fällig wird.

Irgendwie klappen, wie auch sonst immer, alle Vorbereitungen, was das Finanzamt zur hektisch verfassten Steuererklärung zu sagen hat, erfahre ich später. Und wie auch sonst immer, nehme ich mir fest vor, beim nächsten Mal bei meinem Abreisetermin zu schummeln und allen Betroffenen (außer vielleicht meiner Frau) einen Termin eine Woche vor der tatsächlichen Abreise zu nennen.

 

Text: Dr. Jan Cernicky.

Dr. Jan Cernicky studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Hannover und Paris und promovierte anschließend in Politikwissenschaften mit einer praxisnahen Arbeit über die Funktionsweise von regionaler Integration in Westafrika. Während mehrerer Aufenthalte im Zusammenhang mit damit verbundenen Forschungen in verschiedenen Staaten Westafrikas knüpfte Herr Cernicky ein enges Netzwerk von Kontakten in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Aufbauend auf diesem Netzwerk gründete Jan Cernicky im Jahre 2008 den Recherchedienst Afrika, der Informationsdienstleistungen und praxisnahe Beratung für wirtschaftliche Aktivitäten in Afrika anbietet, mit Fokus auf kleinen und mittleren Unternehmen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt im frankophonen Westafrika.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>