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Benin – wie man in Westafrika groß ins Saftgeschäft einsteigt (Teil 2)

Tankstelle Wir kommen auf unserem Weg nach Nordbenin nicht besonders gut voran, nach etwa einer halben Stunde hören wir wieder, wie die Luft aus einem Reifen entweicht. Offenbar ist nur das Ventil kaputt, das Rad wird abgenommen und zur nächsten Werkstatt gebracht. Wir haben wieder Glück und sind vor einem Restaurant gestrandet, so können wir die Wartezeit mit der Mittagspause verbinden.

Anschließend überlege ich, ob wir nicht unseren durchaus korpulenten Geschäftsführer im Stich lassen sollten, um das Gewicht des Wagens zu reduzieren. Erst einmal versuchen wir es dann aber doch nur mit der Umverteilung der Saftpackungen. Monsieur Eric, das ist der weitere Teilhaber der Saftfabrik, gibt bekannt, dass nun nichts mehr passieren werde, da er in der Zwischenzeit Jesus angerufen habe.

Vertrieb in einer Provinzstadt im Landesinneren

Interessanterweise kommen wir nach dem Gebet meines Teilhabers tatsächlich ganz ordentlich voran. Bei Einbruch der Dunkelheit sind wir in Parakou. Dies ist die „Hauptstadt des Nordens“, eine staubige Provinzstadt mit 200.000 Einwohnern, wo aber durchaus Leben herrscht. Unser örtlicher Distributeur sitzt in einem umgebauten Seecontainer, wir laden den Saft ab, sprechen über die weitere Strategie und machen dann eine Tour durch die örtlichen Restaurants und Geschäfte, wo es unseren Saft tatsächlich gibt. Gelegentlich aber auch Konkurrenzprodukte, die unterschiedlich gut sind.

Der Plan, bei einem Schulfest eine Verkaufsveranstaltung abzuhalten – ich hatte mich schon auf den Auftritt mit „Jus le Berlin“-Schirmmütze gefreut –   fällt aus, da der Strom selbiges tut und man folglich weder sehen kann, was noch wem man verkauft. Dafür essen wir bei Monsieur Erics Mutter zu Abend, ordentliches Essen (für den Weißen etwas entschärft) und hinterher Mangos aus eigener Ernte.

Für die Rückfahrt am nächsten Tag habe ich zugesagt, zur Abwechslung mal selbst den Herrn anzurufen. Es wurde nämlich festgestellt, dass das Auto immer nur dann kaputt geht, wenn ich vor Ort bin (ich hatte bisher angenommen, dass dieses Auto auch ohne meine Anwesenheit schlicht immer kaputt ist). Aber tatsächlich, wir kommen ohne das kleinste Problem zurück nach Cotonou, allerdings pünktlich zum Berufsverkehr, so dass wir etwas verspätet zum Privattermin mit dem Notarsgehilfen kommen, in dessen Anwesenheit die Statuten der Firma „CBA International SARL“ unterschrieben werden müssen.

Als Bonus: Bigamie

Zwei Stunden Ruhe im klimatisierten Hotelzimmer, dann treffen wir uns gemeinsam mit dem neuen Partner René (derjenige dessen Frau das abgepackte Wasser verkauft), um dies gemeinsam zu begießen. Auch die Frauen meiner beiden Partner sind dabei. Der small-talk erweist sich dabei als etwas tückisch. Die Frau von René frage ich nach ihren Wassergeschäften, wovon sie jedoch nichts weiß, dann folgt Schweigen. Ich wechsle lieber schnell das Thema.

Als sich seine Frau zwischendurch kurz entschuldigt, erklärt mir René ein wenig verlegen, dass man in Benin ja immer die Wahrheit sage (durchaus ein paradoxer Sprechakt von ihm) und es also so sei, dass man hier eben noch Bigamie habe und diese Frau nun nicht diejenige sei, welche das Wassergeschäft betreibt.

Ananas: nicht nur für Saft zu gebrauchen

AnanasfeldAm letzten Tag kümmere ich mich um ein bisher liegen gebliebenes Projekt: es geht um die Sammlung von Informationen zu Ananasblättern für eine Firma, die daraus Textilfasern gewinnen will. Die Beniner halten große Stücke  auf ihre einheimische Ananas und ich werde ins Produktionsgebiet gefahren. Das ist nun endlich mal wieder das richtige Afrika. Auf Pisten aus rotem Sand mit wild überwucherten Rändern geht es zu verschiedenen Feldern, wo ich mir an den stacheligen Blättern blutige Hände hole, als ich versuche, die gesammelten Proben ordentlich zu katalogisieren.

Dies bringt mir am Flughafen noch Ärger ein. Als ich in das Flugzeug nach Dakar steigen will, werde ich zurück zur Gepäckaufgabe geschickt. Mein Koffer ist nicht durch die Kontrolle gekommen, so muss ich den dortigen Beamten erklären, was denn das komisch aussehende Ding in meinem Koffer sei. Gegen Ananasblätter als wissenschaftliche Proben haben sie aber nichts einzuwenden. Ich hoffe, das geht mir mit den belgischen Zöllnern bei meiner Rückkehr auch so.

 

Text: Dr. Jan Cernicky.

Dr. Jan Cernicky studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Hannover und Paris und promovierte anschließend in Politikwissenschaften mit einer praxisnahen Arbeit über die Funktionsweise von regionaler Integration in Westafrika. Während mehrerer Aufenthalte im Zusammenhang mit damit verbundenen Forschungen in verschiedenen Staaten Westafrikas knüpfte Herr Cernicky ein enges Netzwerk von Kontakten in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Aufbauend auf diesem Netzwerk gründete Jan Cernicky im Jahre 2008 den Recherchedienst Afrika, der Informationsdienstleistungen und praxisnahe Beratung für wirtschaftliche Aktivitäten in Afrika anbietet, mit Fokus auf kleinen und mittleren Unternehmen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt im frankophonen Westafrika.

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