«

»

Das Zeitalter der Netzwerke

Dario Mohtachem

Dario Mohtachem, Stellv. Vorsitzender VMW – Verband der Migrantenwirtschaft

Migration und Integration – diese Themen beschäftigen nicht nur die Menschen in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern der Welt. Aber wie gehen die einzelnen Staaten mit diesem Thema um? Bei der Konferenz EUROMED III Migration in der slowenischen Hafenstadt Portoroz haben sich Vertreter unterschiedlichster Länder über nationale Erfahrungen ausgetauscht. Ziel war unter anderem ein besserer Dialog zwischen Regierung und Unternehmern. Auffällig waren vor allem ein wirtschaftliches Verständnis von Migration und die Bedeutung von Netzwerken.

 

Slowenien war einst der wirtschaftsstärkste Teil Jugoslawiens – heute ziehen Orte wie Portoroz mit dem wunderbaren Blick aufs Wasser, mediterranem Klima und luxuriösen Hotels jedes Jahr im Sommer unzählige Touristen an. Doch wenn ab September die Touristenregion menschenleer wird, beginnen die Konferenzen in den Hotels, so wie die EUROMED III Konferenz am 24. und 25. September 2013, bei der Dario Mohtachem, stellvertretendes Vorstandsmitglied des Verbands der Migrantenwirtschaft (VMW), teilgenommen hat.

Ziel der Veranstaltung war das Zusammenbringen von Experten und Vertretern unterschiedlicher Organisationen aus ganz Europa, um nationale Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. In vier Sitzungen an zwei Tagen wurden in Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppen unterschiedliche Projekte präsentiert, Probleme angesprochen und immer wieder die Bedeutung von Netzwerken betont.

Netzwerke sind entscheidend

Kingsley Aikins, Geschäftsführer von Diaspora Matters, der seit vielen Jahren Regierungen und Unternehmen berät, stellte fest:  „Das Informationszeitalter ist vorbei – das Zeitalter der Netzwerke hat angefangen!“ In Dänemark ist das Hauptproblem vieler Arbeitsloser Aikins zufolge nicht ein Mangel an Fähigkeiten, sondern an Netzwerken. Aber er kritisiert auch, dass keinem in Schule und Studium wirklich beigebracht wird, wie man richtig netzwerkt – obwohl das entscheidend ist. Sein Tipp lautet: „Man sollte ein kleines Netzwerk an wirklich festen Kontakten haben, ein sehr großes Netzwerk an flüchtigen Kontakten und das gesamte Netzwerk nutzen, um sein Netzwerk stetig um neue interessante Kontakte zu erweitern.“

Facebook, LinkedIn & Co

Hier kommen auch soziale Netzwerke ins Spiel, die Menschen zusammenbringen. Auf Facebook finden sich schon längst nicht mehr nur Freunde, sondern auch Unternehmen und politische Organisationen, die um Unterstützer werben. Für Menschen, die auf ihre Karriere bedacht sind, ist die Plattform LinkedIn sogar noch wichtiger als Facebook – dort finden sich, wie ein Teilnehmer feststellt, schon 250 Millionen karrierebewusste Menschen aus aller Welt.

 Eine Welt ohne Grenzen

Veranstaltungsort: Kempinski Palace Hotel in Portoroz. Eines der ältesten Hotels in der beliebten Urlaubsregion Sloweniens.

Veranstaltungsort: Kempinski Palace Hotel in Portoroz. Eines der ältesten Hotels in der beliebten Urlaubsregion Sloweniens.

Netzwerke bestehen heute über Ländergrenzen hinaus. Nicht nur durch soziale Netzwerke im Internet, sondern auch durch längere Auslandsaufenthalte haben viele bereits Freunde und Geschäftskontakte in verschiedensten Ländern der Welt. Einige Konferenzteilnehmer gehen sogar soweit zu sagen, dass Geographie heute nicht mehr von Bedeutung ist. Heute sprechen wir weniger von Migration, sondern viel eher von Mobilität. Vor allem Hochqualifizierte wandern um den Globus und suchen nach den besten Möglichkeiten, um ihr Geld, ihre Arbeitskraft und ihre Ideen in die Gesellschaft einzubringen.

 

Wichtig ist daher nicht nur eine Willkommenskultur der einzelnen Länder, sondern auch ein besserer Dialog zwischen der Politik und den ausländischen Unternehmern, um diese besser zu verstehen, den Zugang zum Markt für sie zu erleichtern und Finanzierungsquellen leichter zugänglich zu machen.

Über die gesamten zwei Konferenztage wurde Migration ausschließlich wirtschaftlich diskutiert, bis eine Dame einer Menschenrechtsorganisation sich am Ende zu Wort meldete und alle daran erinnerte, dass es auch noch eine soziale Komponente gibt. In vielen Ländern scheinen die Menschen weiter zu sein, was Migrationsfragen betrifft – Migranten werden längst nicht mehr als soziale Belastung, sondern mehr als Wirtschaftsfaktor gesehen, der in vielfältiger Weise einen Beitrag zum Gemeinweisen leisten kann.

Veranstalter der Konferenz war das „International Centre for Migration Policy Development“ (ICMPD). Mehr über ICMPD erfahren Sie hier.

 

Text: Dario Mohtachem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>