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Fokus auf die hochqualifizierten Mitarbeiterinnen mit internationaler Herkunft

Quelle: Fame auf Facebook

Quelle: Fame auf Facebook

Bei der  Fachveranstaltung fame, „Frauen – Migration – Aufstieg – Erfolg“, die am 20. August im Quadriga Forum in Berlin stattfand, ging es um hochqualifizierte Mitarbeiterinnen internationaler Herkunft. Die Veranstaltung begann um 12 Uhr und endete am späten Nachmittag. Im Vordergrund stand die Unterstützung der Mitarbeiterinnen mit internationaler Herkunft bei ihrem beruflichen Aufstieg.

 

 

 

 

Das Programm begann mit den Persönlichkeiten Thomas Kieneke und Christine Lüders, die sich und ihr Unternehmen im Zusammenhang mit fame vorstellten. Gefolgt durch ein Interview mit Aynur Boldaz und der Projektvorstellung von Berrin Alpbek wurde der Bezug zwischen erfolgreichen Migrantinnen und dem Ziel des Projekts deutlich gemacht. Der wissenschaftliche Beitrag von Prof. Dr. Ingrid Jungwirth spezialisierte vor allem den sozio-ökonomischen Aspekt der Thematik, welche in der Podiumsdiskussion mit Vera Gäde-Butzlaff, Aletta Gräfin von Hardenberg, Dilek Kolat und Hatice Selcuk debattiert wurden.

Förderung der in Deutschland lebenden Fach- und Führungskräfte

fame ist ein Projekt von zukunft im zentrum (ziz), das unter der Geschäftsführung von Herrn Thomas Kieneke geleitet wird. Der Hauptaspekt des Projekts ist die Unterstützung der Unternehmen, um das Potenzial an weiblichen Fach- und Führungskräften mit internationaler Herkunft zu nutzen. Herr Kieneke äußerte in seiner Rede, dass er seit 20 Jahren für die Gleichstellung und Gleichberechtigung der Frau in der Berufswelt aktiv sei. Leider würden jedoch bis heute die Unternehmen nicht sehen, welchen Mehrwert sie durch die Beschäftigung internationaler  Mitarbeiter hätten. Die große Einkommenslücke bei Frauen und die karge Besetzung von Mitarbeiterinnen in Führungspositionen brachte fame zustande, wobei ziz sein Fokus auf Berlin legt.

Fr. Lüders ist die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Berlin. Sie vertritt die Meinung, dass die internationale Herkunft kein Maßstab für das Potenzial, die Qualifikation oder den Erfolg des Menschen sei. Fr. Lüders appellierte an die interkulturelle Sensibilität und Vielfalt, die Migrantinnen und Migranten in das Unternehmen mitbringen. „Berlin ist eine bunte, vielfältige und lebenswerte Stadt, in der alle ihren Platz finden können. Das gilt selbstverständlich auch für Frauen mit Migrationshintergrund, natürlich auch in Top-Jobs. Wo, wenn nicht hier?“ . Um gerade diesen Menschen eine Chance in der Berufswelt zu verschaffen, schlug die ADS – Leiterin das anonymisierte Bewerbungsverfahren vor, das bereits in acht Bundesländern und vielen kleinen Unternehmen angewandt wird.

Auf diesen informativen Einstieg folgte  das Interview mit Fr. Boldaz, die als 19-jährige Türkin nach Deutschland kam und einen beruflichen Erfolg von der Putzfrau zur Unternehmerin schaffte. Es gelang ihr mit Hilfe von Vereinen und Schulungen, aber besonders durch ihren Mut und Selbstbewusstsein, das Unternehmen „ForeverClean GmbH“  im Jahr 2000 zu gründen. Ihr Engagement, doch vor allem ein breites Netzwerk verhalfen zu einem stetig wachsenden  Unternehmen, das jetzt Menschen mit Migrationshintergrund in die Arbeitswelt eingliedert. Ihr Unternehmen beschäftigt derzeit 500 Mitarbeiter und hat weitere Standorte in der Türkei.

Diversity –Management als Grundlage für die positive Wahrnehmung der Frauen

Im Anschluss an das Interview sprach Fr. Alpbek als Leiterin des Projekts zum einen die Wichtigkeit des Projekts für die Gesellschaftsstruktur an, erläuterte aber auch wichtige Aspekte wie die  Barrieren und Erfolgsfaktoren der Migrantinnen und die Projektgestaltung. Demnach ist die Männerdominanz in den Führungspositionen ebenso wie die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der hör- und sehbare Unterschied in Form von Akzent oder religiöser Bekleidung eine deutliche Barriere. Dagegen sind soziale Kompetenzen und die Selbstkompetenz ein besonderer Erfolgsfaktor für Menschen mit internationaler Herkunft, denn sie seien eine Schlüsselqualifikation mit den Eigenschaften Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit und Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein.

Die Projektlaufzeit ist vom 01.01.2013 bis zum 31.12.2014 geplant. Das Angebot beinhaltet zum einen die Begleitung der Karriereentwicklung der Frauen im Zusammenhang mit verbesserten Rahmenbedingungen, aber auch eine allgemeine Sensibilisierung der Akteure für die Thematik. Zentrales Anliegen ist es außerdem, eine diversityorientierte Personalentwicklung in den Unternehmen zu erlangen.

Prof. Dr. Ingrid Jungwirth lehrt an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve und beschränkt sich dabei auf die Forschungsgebiete Mobilität, Migration und Gesellschaftsforschung. Ihr großes Interesse liegt der ungleichen Verteilung der Teilhabe an Wirtschaft und Gesellschaft, der sie sich mit einem Vortrag „Langer Hürdenlauf statt steiler Aufstieg“ widmete.  Prof. Jungwirth nannte Fakten aus der qualitativen Sozialforschung, die belegen, dass 60% der Akademikerinnen nicht als solche beschäftigt sind. Dies würde sich besonders in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technologie zeigen. Außerdem betrage der Anteil der erwerbslosen hochqualifizierten Migrantinnen 40%, diese Zahlen würden aufgrund der erschwerten Stellung der Frau durch Genderregime und das Geschlechterverhältnis zustande kommen.

Diese und mehrere Fakten wurden am Ende der Fachveranstaltung unter der Moderation von Nina Amin Albayazid, Journalistin und Moderatorin der rbb, diskutiert. Die Berliner Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Fr. Dilek Kolat, erwähnte die Unterstützung aus Familie und Freundeskreis, sowie Lehrern und Nachbarn als grundlegendes Resultat für ihr Durchhaltevermögen und Erfolg. Als Diplom-Wirtschaftsmathematikerin war sie in einer von Männern dominierten Branche tätig und stellt sich nun besonders für das Gleichstellungsgesetz und das Gesetz zur Ausschreibungspflicht von verfügbaren Stellen ein, damit auch Frauen die Gelegenheit zur Bewerbung für neue Arbeitsstellen erhalten. Die Bemühung zur Antidiskriminierung mit Hilfe von anonymisierten Bewerbungsverfahren spricht die Senatorin auch gut, allerdings wäre es ein Widerspruch zum Gesetz, das die Migrationsdiskriminierung verhindern soll. Fr. von Hardenberg sprach als Geschäftsführerin der Charta der Vielfalt e.V. die Vielfalt als Vorteil und Mehrwert für jedes Unternehmen an. Voraussetzung dafür sei aber „der Wille von oben“, denn nur wenn die Unternehmenskultur Vielfalt und Interkulturalität durchsetzt, kann sie auch Normalität werden.

Als Vorsitzende des Vorstands der Berliner Stadtreinigung sieht Fr. Gäde-Butzlaff, dass die Unternehmen, wie auch das deutsche Unternehmen BSR, akzeptieren müssen, dass Frauen Familie und Beruf vereinen können. Im Hinblick auf den demografischen Wandel sei das sogar wichtig. Die Initiative „Berlin braucht dich“ habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass Migrantenbewerbungen zunahmen. Demzufolge sei es wichtig, Migranten anzusprechen und sie primär zur Bewerbung zu motivieren.

Das Resultat dieser Diskussion ist in erster Linie, dass Migrantinnen in Unternehmen kein „Extrabonus“ sind, sondern Normalität. Desweiteren ist ein Umdenken der Unternehmen erforderlich, in Form von Diversity-Management soll das vielfältige und internationale begrüßt werden und sogar Unterstützung finden. „Diversity muss in den Chefetagen verankert werden, denn wenn in der Unternehmenskultur Vielfalt normal ist, ist auch der Akzent kein Problem mehr.“

Vor allen Dingen ist in der heutigen Gesellschaft Familie und Beruf nicht nur Frauen betreffend, sondern auch Männer tragen die Verantwortung für den Wandel des Frauenbildes in der Gesellschaft und müssen daher durch aktive Unterstützung das Diskriminierungsproblem aufheben.

 

Text: Seda Gül Inan.

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