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Ist Afrika für Investitionen nicht viel zu gefährlich?

Dr. Jan Cernicky kWelche Nachrichten haben Sie in den letzten Monaten so aus Afrika gehört? Krieg in Mali, Krieg im Kongo, erschossene Bergleute in Südafrika? Wenn Sie genau hingehört haben, bekamen Sie auch den jährlichen Putsch in Guinea-Bissau sowie denjenigen in der Zentralafrikanischen Republik mit.

Ist es unter solchen Bedingungen nicht Wahnsinn, sich in Afrika wirtschaftlich zu engagieren? Vermutlich wird es Sie nun nicht allzu sehr überraschen, dass ich dies verneine, doch ich kann das auch begründen.

Zum einen ist Afrika nun mal nicht ein Land, sondern ein Kontinent mit 53 Staaten. Und während die afrikanischen Staaten oft ganz selbstverständlich in einen Topf geworfen werden, kommt ja offensichtlich auch niemand ernsthaft auf die Idee, wegen der Zustände in Griechenland einen Bogen um Deutschland zu machen.

Viele Staaten Afrikas sind nämlich bemerkenswert stabil. Ghana z.B. hat gerade zwei Präsidentenwahlen mit äußerst knappem Ausgang hinter sich gebracht. Die Ergebnisse wurden akzeptiert, ohne Gewaltausbrüche. Auch im Senegal hat der langjährige Präsident Wade (kein Putschist, sondern selbst von Anfang an gewählt) seine Niederlage an den Urnen akzeptiert. Selbst Kenia und die Elfenbeinküste haben nach unruhigem Zeiten zu relativ stabilen politischen Verhältnissen zurückgefunden.

Die meisten Staaten Afrikas sind trotzdem sicherlich keine funktionierenden Demokratien. Aber Gewaltausbrüche oder gar Kriege sind in den meisten Staaten akut nicht zu erwarten. Und in denen, in denen das doch der Fall ist, etwa in Guinea-Bissau, der Zentralafrikanische Republik oder in Somalia, würde auch aus anderen Gründen ohnehin kaum jemand ernsthaft investieren.

Zweitens sind Konflikte, die durchaus auch in eher stabilen Staaten auftreten, meist regional begrenzt. Während der letzten größeren Konfrontation im Osten der DR Kongo war ich gerade in deren Hauptstadt Kinshasa (ich schrieb darüber an dieser Stelle), betroffen war ich davon nicht im geringsten. Ähnlich Mali: Der Aufstand der Tuareg und der sich daran anschließende Krieg fand im Norden des Landes statt (daher wissen ja nun deutlich mehr Menschen wo eigentlich Timbuktu liegt), im wirtschaftlichen Zentrum im Süden gab es keine Kämpfe. Es gibt andere Beispiele, wie etwa das Nigerdelta in Nigeria oder die Cassamarce im Senegal. Nicht die Länder an sich sind gefährlich, nur bestimmte Regionen. Natürlich informiert man sich vor Aktivitäten in einem Land darüber und meidet die gefährlichen Regionen. Auch wenn’s schmerzt, selbst das ist im Bezug auf Deutschland auch nicht völlig anders. So weigerte sich vor einiger Zeit ein Kunde aus Mali, für dort anstehende Geschäfte in Bitterfeld zu übernachten. Das war ihm wegen seiner Hautfarbe zu gefährlich.

Drittens lässt sich natürlich nicht verneinen, dass es Menschen gibt, die in Afrika überfallen und ausgeraubt wurden. Ich kenne zwei Beispiele: Der eine verlor seine um den Hals baumelnde Spiegelreflexkamera und 250€ die er bei sich trug, der andere stieg zu Fremden für eine Stadtrundfahrt in Dar es Salam in ein Auto und wurde dann gezwungen, an mehreren Geldautomaten Geld abzuholen. Nicht eben kluges Verhalten, oder?

Was ich damit sagen will: Wenn man genau hinsieht und gut plant, sind die meisten Staaten Afrikas aktuell als Ziel für Investitionen nicht viel risikoreicher als viele Staaten Europas. Wer vor zehn Jahren in Griechenland investiert hat, steht nun vermutlich auch nicht besser da als nach einem Investment in Somalia. Wer nachts am Frankfurter Hauptbahnhof mit viel Geld und einer dicken Kamera herumläuft, riskiert auch, beides nachher nicht mehr zu besitzen.

Durch die Krise des Euro-Raumes wird diese Argumentation noch zwingender: In Europa ist eben auch nicht absehbar, was die kommenden 10 Jahre bringen werden. Auch in Südostasien knicken gerade die Währungen und Wirtschaften ein. In Amerika stehen für die kommenden Monate wieder Probleme mit dem Haushalt an.

Die meisten afrikanischen Staaten (abgesehen von Südafrika und den Ländern am Mittelmeer) stehen dagegen relativ stabil da. Das liegt zwar weniger an eigenen Leistungen, als daran, dass es bisher nicht viel Wirtschaft gibt, die zusammenbrechen könnte. Diese Wirtschaft wächst aber von niedrigem Niveau aus stetig mit nennenswerten Raten. Das dies auch auf absehbare Zeit in den meisten Staaten des Kontinents so bleiben wird, liegt daran, dass Afrika der Kontinent ist, auf welchem die Bevölkerung am schnellsten wächst und gleichzeitig der letzte weiße Fleck auf der Landkarte der Globalisierung ist. So weiß ist der Fleck mittlerweile zwar nicht mehr, doch nachdem Asien und Südamerika weitgehend in die globale Wirtschaft eingebunden sind, bleibt eben nur noch Afrika für Expansionen übrig.

Die Wirtschaften werden dabei nicht weiterhin durchschnittlich mit 7% wachsen, aber auch bei 3-4% bleibt für deutsche Mittelständler für viele Jahre viel Potenzial. Und wer nicht so genau weiß, wie er nun in diese ach so spannenden Märkte kommen kann: ich helfe da gerne weiter.

 

Text: Dr. Jan Cernicky.

Dr. Jan Cernicky studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Hannover und Paris und promovierte anschließend in Politikwissenschaften mit einer praxisnahen Arbeit über die Funktionsweise von regionaler Integration in Westafrika. Während mehrerer Aufenthalte im Zusammenhang mit damit verbundenen Forschungen in verschiedenen Staaten Westafrikas knüpfte Herr Cernicky ein enges Netzwerk von Kontakten in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Aufbauend auf diesem Netzwerk gründete Jan Cernicky im Jahre 2008 den Recherchedienst Afrika, der Informationsdienstleistungen und praxisnahe Beratung für wirtschaftliche Aktivitäten in Afrika anbietet, mit Fokus auf kleinen und mittleren Unternehmen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt im frankophonen Westafrika.

1 Kommentar

  1. Martin Kieffer

    Ich stimme Ihrer Auffassung ganz und gar zu.
    Wir sind eine Beratungsgesellschaft mit Sitz´in Bonn und Conakry (Guinea) und sind mit einem Agrarunternehmen u.a. vor Ort aktiv. Wir vermitteln Geschäfte bzw. Investitionen nach Afrika. Eines der größten Poblem ist die immer noch noch schlechte Infrastruktur (schlechte Straßen, Stromausfall), was enorme Folgeprobleme mit sich sich zieht. Auch die Zwischenfinanzieurng bzw. Verteilung von Risiken ist eines der zentralen Themen, Und schließlich ist essentielll,dass man auf loyale, zuverlässige und professionelle Partner trifft. Demgegenüber stehen enorme Chancen in fast allen Bereichen. Risiken und Chancen bedürfen einer guten Abwägung, wobei ich die Gefahren weniger im politischen Bereich sehen, als viel mehr in der Tatsache, dass Länder wie Guinea sehr viel unorganisierter sind als Europa. Letztlich bedarf es guter Fachleute vor Ort, die die Gegebenheiten kennen, professionell arbeiten auf die ein Investor 100% vertrauen kann.
    Viele Grüße
    Martin

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