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Akquise im dunklen Herbst

Dr. Jan Cernicky kEs war eine Woche Anfang November, ich kam gerade von einer Reise aus Benin zurück, durch die Wetterumstellung kündigte sich eine Erkältung an und hatte wenig geschlafen, denn ich musste um 6 Uhr morgens einen Zug nach Frankfurt nehmen. Dort war ich von einem Unternehmensverband eingeladen worden, einen Vortrag über die Märkte im frankophonen Afrika zu halten. Die Konferenz zog sich hin, meinen Vortrag schien niemand groß zu interessieren,  die Mehrzahl der Teilnehmer war offenbar an anderen Staaten interessiert. Also gab ich mir, zugegeben, auch keine übermäßige Mühe. Beim Mittagessen saß ich am falschen Tisch und konnte mit den interessanten Leuten nur kurz zwischen Tür und Angel sprechen.

Zwei Tage später verbrachte ich einen Tag auf einer Messe, immerhin zu Haue in Hannover. Der Kunde, den ich vor allem dort treffen wollte, kam nicht.  Die Gespräche mit an den Ständen, die ich sonst noch aufsuchte, waren nett, es gab Kaffee und Kekse; wirklich konkret wurde es aber nirgends. Abends eine Afrikaveranstaltung, die verschiedenen Vorträge, die sich über 90 Minuten hinzogen, drehten sich alle ums südliche Afrika, nicht wirklich mein Interessengebiet. Dazu brach nun die Erkältung richtig durch, beim anschließenden Empfang, hatte ich Mühe, mich anständig auf den Beinen zu halten, und selbst vom wirklich guten Buffet nahm ich nur einmal (das ist mir nach meiner Erinnerung noch nie passiert). Ich sprach mit den Leuten, die zufällig neben mir saßen und die mir von einem Bekannten der zufällig auch dort (und gesund) war vorgestellt wurden, aktiv nahm ich nicht am Networking teil, was ja eigentlich der Grund für solche Veranstaltungen ist.

Den nächsten Tag verbrachte ich im Bett. Dann begann ich die Kontakte der letzten Tage zu ordnen (doch gar nicht so wenige) und die angefangenen Gesprächsfäden nach meinen Notizen zu rekonstruieren.  Ich war überrascht, da gab es ja doch einiges, was man nachverfolgen konnte.

Nun, zu Beginn der Weihnachtsferien, haben sich hieraus mehrere größere und kleinere Aufträge ergeben und ich freue mich rückblickend, dass ich auch die nicht allzu angenehmen Termine ernsthaft wahrgenommen habe. Manchmal wundert man sich doch, wir Eigenwahrnehmung und Ergebnis auseinander gehen.

Auch darüber hinaus sehe ich, nachdem auch der trübe Herbst doch nicht so schlecht verlief, sehr positiv ins neue Jahr. Zum ersten Mal seit langem muss ich mir keine Sorgen um meine Mitarbeiter in Afrika machen. Die Elfeneinküste hat sich deutlich stabilisiert, auch in Mali geht es trotz zwischenzeitlicher Rückschritte aufwärts und den restlichen Ländern West- und Zentralafrikas, in denen ich aktiv bin, ist die politische und wirtschaftliche Lage gut. Viel besser übrigens, als man meinen könnte, wenn in den Nachrichten nur Süd-Sudan und Zentralafrika vorkommen.

Fürs kommenden Jahr heißt das, dass ich an dieser Stelle von mehreren neuen und spannenden Projekten werde berichten können, auf die ich mich sehr freue.

Fürst erste freue ich mich aber auf zwei Wochen Urlaub und viel Zeit für meiner Familie. Auch allen Lesern wünsche ich besinnliche Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr.

 

Text: Dr. Jan Cernicky.

Dr. Jan Cernicky studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Hannover und Paris und promovierte anschließend in Politikwissenschaften mit einer praxisnahen Arbeit über die Funktionsweise von regionaler Integration in Westafrika. Während mehrerer Aufenthalte im Zusammenhang mit damit verbundenen Forschungen in verschiedenen Staaten Westafrikas knüpfte Herr Cernicky ein enges Netzwerk von Kontakten in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Aufbauend auf diesem Netzwerk gründete Jan Cernicky im Jahre 2008 den Recherchedienst Afrika, der Informationsdienstleistungen und praxisnahe Beratung für wirtschaftliche Aktivitäten in Afrika anbietet, mit Fokus auf kleinen und mittleren Unternehmen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt im frankophonen Westafrika.

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