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Dokumentarfilm als politischer Thriller: „The Ambassador“

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Mads Brüggers Film über den Handel mit Blutdiamanten ist eher ein Thriller als ein Dokumentarfilm: „Hier endet mein Leben als dänischer Journalist. Mich erwartet ein Leben, in dem ich als respektiertes Mitglied der Gesellschaft jenseits aller moralischen Grenzen agieren darf. Ein Leben, in dem ich mit einem Koffer voller Diamanten quer durch die Welt reise. Ich spreche natürlich vom Leben eines afrikanischen Diplomaten.“

 

 

 

Ausgestattet mit einem Diplomatenpass recherchiert der dänische Journalist Mads Brügger als dekadenter, liberianischer Diplomat in der Zentralafrikanischen Republik (CAR), wo er vorgibt, eine Fabrik aufbauen und Arbeitsplätze für die Menschen vor Ort schaffen zu wollen. Eigentlich will er den Zugang zu den enormen Diamantenvorkommen des maroden afrikanischen Staates, denn die Ausfuhr von Diamanten ist ein lukrativer Nebenerwerb für viele Diplomaten in der Hauptstadt Bangui. „Ich möchte die Menschen zeigen, die niemals in den Medien zu sehen sind: Weiße Geschäftsleute, Diplomaten – all jene, die im postkolonialen Afrika ein Leben im Überfluss führen“, so der bekannte dänische investigative Filmemacher.

Blutdiamanten als Nebenerwerb

Main-still_by_Johan_Stahl_Winthereik

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Für den Film The Ambassador  (2011) zahlte Brügger 135.000 Euro (gesponsert vom Dänischen Filminstitut) für den Diplomatenpass und stieg als liberianischer Honorarkonsul in den Handel mit Blutdiamanten ein. „Es gibt mehrere Firmen, die mit solchen Titeln handeln. Um als Journalist die Grenzen der Recherche zu überwinden, habe ich die Identität eines Botschafters angenommen“, erklärte der Regisseur. Er wollte die Diamanten-Wirtschaft zwischen Afrika, Europa und China weiter verfolgen. Er hält Szenen fest, in denen er einen geschäftstüchtigen Diplomaten „spielt“.

 

Im Film versucht Mads Brügger mit dem Betreiber einer Miene ins Geschäft zu kommen, was auch gelingt. Mit versteckten Kameras zeichnete er seine eigenen korrupten Geschäfte mit Politikern und Besitzern von Diamantenminen in Zentralafrika auf. Entstanden ist ein Dokumentarfilm, den man eher als einen politischen Thriller bezeichnen sollte.

“Super-Diplomat als Comic-Figur.“ (Mads Brügger)

Ambassador_poster_thumb

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Bei einem Treffen mit Pygmäen trägt Mads Brügger alias Mr. Cortzen eine Piloten-Sonnenbrille, Reiterstiefel und raucht Zigarre – wie eine Figur aus einem „Tintin-Comic“ (Tim & Struppi). Ein auffälliger Weisser, der sich als Kolonialherr aufspielt – und zunächst alle überzeugt. Entscheidend in seiner Rolle als ein Staatsvertreter Liberias sind für Brügger die  „Enveloppes of Happiness“ (Bestechungsgelder) gewesen: „Im Gegensatz zu den meisten Filmen über Afrika, die doch nur Mitleid erzeugen wollen, ist dies ein sehr zynischer Film. Afrikaner wissen wie korrupt ihre Politiker sind. Mein Film zeigt, wie es in der Praxis funktioniert. Auf lange Sicht gesehen, kann ein Film zumindest ein kleiner Game Changer sein.“ Die Dialoge sind fesselnd. Man könnte meinen, der Film sei für einige seiner Gesprächspartner gefährlich gewesen. Brügger reagiert gelassen: „Zu diesem Zeitpunkt hatten diese Personen bereits viel größere Probleme. Einer der Männer, die wir für den Film interviewten, ist später erschossen worden. Nicht, weil er mit uns gesprochen hat…“

 

Die Regierung in Frankreich hat auf seinen Beitrag noch nicht reagiert: „Obwohl es den Luftraum Liberias und somit auch die Ausfuhr der Diamanten kontrolliert“, so Mads Brügger. Inzwischen wurde er zur unerwünschten Person erklärt, und sollte sich besser nicht mehr in CAR oder Liberia blicken lassen.

Text: Susanne Jensen.

 

Mittwoch, 19. März, 19.00 Uhr:

Nordischer Filmklub in Berlin
The Ambassador (DK 2011 | OmeU | Dokumentarfilm)
Der Nordische Filmklub ist eine Reihe des Kulturhus Berlin e.V. in Kooperation mit den Nordischen Botschaften.

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