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Clement Klutse: CDU macht richtige Arbeit

Clement Klutse

Clement Klutse, CDU-Kandidat für die Bürgschaftswahlen in Hamburg 2015 I Foto: CK

Als Volkspartei darf man die 16,5 Millionen Deutschen mit Einwanderungsgeschichte nicht ignorieren. Bei den Bürgschaftswahlen in Hamburg stellt die CDU die meisten Kandidaten mit Migrationshintergrund. Clement Klutse kam vor 20 Jahren aus Togo nach Deutschland. Jetzt will er zeigen, dass Politik keine Frage der Herkunft, sondern eine Frage der Werte ist.

 

 

 

 

VMW/mb: Wie läuft der Wahlkampf?

KLUTSE: Unser Wahlkampf läuft ganz gut. Der Wettlauf hat begonnen und ich versuche so nah wie möglich bei den Wählerinnen und Wählern besonders mit Migrationshintergrund zu sein. Durch Flyer verteilen, bürgernahe Gespräche und Meetings in verschiedenen Orten, wie in den Kirchen, versuche ich auch viele Fragen zu beantworten. Es ist in jedem Fall ein historisches Ereignis, da Hamburg bislang noch nie einen Mitbürger mit afrikanischen Wurzeln als Kandidat für die Bürgerschaftswahl gehabt hat.

VMW/mb: Sie sind Diplom Kaufmann und engagieren sich dennoch in der Politik. Warum?

 KLUTSE: Meine Geschichte ist die Geschichte vieler Zuwanderer. Vor 20 Jahren bin ich als politisch Verfolgter aus meinem Herkunftsland Togo nach Deutschland gekommen, ohne Deutschkenntnisse und ohne Familie oder Freunde. Der Weg war lang und steinig. Nach meinem BWL Studium habe ich in verschiedenen Bereichen gearbeitet und auch ehrenamtlich Community-Arbeit geleistet. Themen wie hohe Arbeitslosigkeit unter Migranten, Diskriminierung beim Zugang zur Arbeit, ethnische Diskriminierung beim Zugang zur Lehrstelle sind mir nicht unbekannt. Durch die Erfahrungen, die ich gesammelt habe, habe ich auch gesehen, dass es in den migrantischen Communities viele ungenutzte Potentiale gibt. Es gibt leider heute immer noch viele diplomierte Migrantinnen und Migranten, die arbeitslos sind. Meine Erfahrung und Expertise im Bereich Arbeitsmarktintegration, Existenzgründung für Migranten und meine Community Arbeit sollen dazu dienen, die Kompetenzen und Potentiale der Migrantinnen und Migranten sichtbar zu machen. Ich wollte mit meinem Beispiel zeigen, wenn ich es geschafft habe, können alle Migrantinnen und Migranten es auch schaffen. Es geht darum, nur die richtigen Prioritäten zu setzen. Die Politik dient hier als Benchmarking und das ist auch gut so.

VMW/mb: Was kann die deutsche Politik von Ihnen lernen?

KLUTSE: Ob die Politik von mir etwas lernen kann weiß ich selber nicht. Dennoch denke ich, mit meinem Fall zeigen zu können, dass mehr der Schwerpunkt auf die Potentiale der Menschen, ihre Fähigkeiten und Stärken gelegt werden sollte, anstatt auf ihre Herkunft oder ihr Aussehen. Zu oft habe ich den Eindruck, dass es in der Migrationspolitik in erste Stelle nur um den wirtschaftlichen Aspekt geht. Strategisch gesehen, sollte man denke ich, eher der Leute dazu bringen sich mit dieser Gesellschaft zu identifizieren in dem Moment sie hier dauerhaft leben. Mir geht es auch darum, zu zeigen, egal woher man kommt, oder welche Hautfarbe man hat: mit der richtigen Unterstützung und Ausdauer kann man es auch schaffen. Wenn das eine Inspiration für andere und für die Politik sein kann, ist mein Ziel erreicht und das freut mich.

VMW/mb: Warum kandidieren sie für die CDU?

KLUTSE: Die CDU ist eine Volkspartei wie alle anderen Parteien auch, die aber vielmehr daran interessiert ist, in Menschen zu investieren und nicht in Strukturen. Mehr Zuneigung anstatt Mitleid. Die großen Integrationsvorstöße in Deutschland kommen eigentlich von der CDU, Stichwort Anerkennung ausländischer Abschlüsse. In Hamburg kommen viele Integrationsansätze von der CDU. Um ein Paar zu nennen: Erster Integrationsbeirat, in dem Hamburger mit und ohne Migrationshintergrund vertreten waren ist von der CDU; Einführung der Einbürgerungsfeiern im Rathaus ist durch Bürgermeister Ole von Beust in 2006; Kampagne für junge Auszubildende mit Migrationshintergrund für den öffentlichen Dienst „wir sind Hamburg – bist du dabei?“; Unterzeichnung der Charta der Vielfalt in 2008 durch den damaligen sozial Senator Dietrich Wersich, heute Spitzenkandidat der CDU und unsere Bürgermeisterkandidat; Ich kann auch viele andere Beispiele nennen, die leider nicht von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, die aber auch oft und fälschlich auf dem Konto anderer Parteien verbucht werden.

Heute wird klar für jeden: Migrantinnen und Migranten sind eine Bereicherung für Deutschland. Kein Potential soll mehr verloren gehen. Da denke ich die CDU Hamburg macht eine richtige Arbeit dadurch, dass die Vielfalt der Gesellschaft in der Partei und in den Kandidaturen repräsentiert wird.

VMW/mb: Warum sollen die Menschen in Hamburg sie wählen?

KLUTSE: Das ist eine sehr interessante Frage. Hamburg ist kosmopolitisch, eine Weltstadt mit Menschen von über 180 Nationen. Die Politik soll auch unsere Gesellschaft reflektieren. Ich glaube, was am meisten bei uns Migranten fehlt sind die Vorbilder, Vorzeigebeispiele, Leute die es „geschafft“ haben. Dass Migranten, Politiker sein können oder Entscheidungsträger im Unternehmen oder öffentliche Dienste, Banken Manager oder Chef Ärztinnen oder Ärzte, soll irgendwann zu Normalität werden. Allein auf den Grund der demographischen Entwicklung verschärft sich weltweit der „War for Talents“. Ich weiß aber aufgrund meiner alltäglichen Arbeit im Integrationsbereich mit Kontakt zu Migranten und Institutionen, dass es unter Migranten viele Potentiale gibt. Es ist mir sehr wichtig, diesen Gesichtspunkt in der Politik zu vertreten, denn es gibt viel zu viele Kommentare über Migrantinnen und Migranten die nicht stimmen.

Migranten und speziell Afrikaner sollen sich emanzipieren. Heute und in der Geschichte Hamburgs zum erstmal haben wir die Möglichkeit eine afrikanische Stimme im Parlament zu haben und die eigene Interesse zu vertreten. Ich bin „zufällig“ derjenige der diesen Auftrag erfüllen darf wenn ich gewählt bin. Die Förderung der bereits im Lande vorhandenen Talente und ihre langfristige Bindung an das Land soll das Hauptmotiv der Politik sein. Daran will ich arbeiten wenn ich gewählt bin.

VMW/mb: Wie sehen ihre Visionen für unsere Gesellschaft in zehn Jahren aus?

KLUTSE: Es macht Freude zu sehen wie die Gesellschaft sich weiter entwickelt und Migranten politische Rolle einnehmen. Als ich vor 20 Jahren nach Deutschland ankam und Hamburg zu meiner Wahlheimat machte, konnte sich niemand die jetzige Entwicklung vorstellen. Die Politik hat den Ton angegeben. Die interkulturelle Öffnung treibt voran. In 10 Jahren sehe ich Migranten auch als Führungskräfte und gute Beispiele in verschiedenen Positionen, in den Medien, DAX Unternehmen, Krankenhäuser, öffentliche Dienst.Diese positive Entwicklung stärkt das Selbstbewusstsein der kommenden Generation, die der zukünftigen Arbeitnehmer und Zahler der Sozialbeiträge.

VMW/mb: Wo sehen wir einen Herr Klutse in zehn Jahren?

KLUTSE: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Vor 10 Jahren konnte ich mir selber nicht vorstellen in der deutschen Politik eine aktive Rolle zu spielen. Ich sehe viele Entwicklungsmöglichkeiten und bin optimistisch was die jetzige Entwicklung angeht. Ich hoffe eine Brückenbauer-Rolle zu spielen und weiterhin Pionierarbeit leisten zu können. Ich werde weiterhin versuchen mit meinem Leben anderen Menschen zu dienen.

VMW/mb: Wie sieht für sie unsere Gesellschaft in zehn Jahren aus?

KLUTSE: Ich mache immer bei dieser Frage eine Parallele zu unserer Nationalmannschaft. Ein buntes Team wo jeder seine Fähigkeiten, Talente, Begabung reinbringt um gemeinsame Erfolge zu erzielen. Vor 12 Jahren war das schon Thema meiner Diplomarbeit. Heute erlebe ich es in der Realität. In dieser Sache ich bewundere die Arbeit einiger Politiker insbesondere in der CDU, die es auf sich genommen hat, Aufklärungsarbeit zum Thema Zuwanderung zu leisten. Es ist erfreulich zu sehen, dass wir angefangen haben von einer „sachorientierten Gesellschaft“ zu einer „personenorientierten Gesellschaft“ zu kommen. Dass ist ein Paradigmenwechsel auf den wir alle stolz sein können.

VMW/mb: Herr Klutse, vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview führte Celia Anandi Kempkes.

 

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