«

»

Die Zukunft der Werbung

Die Informatiker Sahin Vadar, Marc Sperling und Ramdane Sennoun von Traxas Media. Quelle: Profund.

Die Informatiker Sahin Vadar, Marc Sperling und Ramdane Sennoun von Traxas Media. Quelle: Profund.

Das Web 2.0 ist heute schon längst Realität – Internet-User können überall nicht mehr nur konsumieren, sondern auch mitwirken, mitgestalten und in Dialog miteinander treten. In der Werbung ist das noch nicht ganz so ausgereift – bis heute: Denn Informatiker und Startup-Unternehmer Sahin Vardar hat mit seinem Unternehmen Traxas Media etwas Neues geschaffen: Eine Wand, die auf Menschen reagiert!

 

 

 

mb: Ihr habt im November 2012 das EXIST-Gründerstipendium bekommen?

Vardar: Ja, das haben wir bekommen. Beantragt haben wir das aber schon über ein halbes Jahr davor.

mb: Wie einfach oder kompliziert war es denn, dieses Stipendium zu bekommen?

Vardar: Ich empfand es als ziemlich schwierig. Allerdings gab es in unserem Fall ein Missverständnis, was den Inhalt unseres Projektes betraf. Wir haben deshalb mehrere Anläufe benötigt, obwohl wir schon gute Referenzen vorweisen konnten: Unter anderem hatten wir unsere Technologie schon bei der Fashion-Week am Ku’damm in dem Lamborghini-Store vorgestellt.

Wichtig war für uns vor allem die Unterstützung und der Glaube von Bekannten und Freunden an unsere Idee und an uns selbst, deshalb haben wir nicht aufgegeben und das Stipendium schließlich erhalten.

mb: Kannst du uns kurz und knapp erklären, was eigentlich das Grundkonzept von Eurer Idee ist und wie Eure Technik funktioniert?

Das neuartige Werbesystem für öffentliche Plätze, Messen und Verkaufsräume. Entwickelt von Traxas Media.

Das neuartige Werbesystem für öffentliche Plätze, Messen und Verkaufsräume. Entwickelt von Traxas Media.

Vardar: Das Grundkonzept ist ein interaktives Medium. Zurzeit existieren hauptsächlich statische Medien wie Fernsehen oder Printmedien. Der Inhalt ist immer gleich, egal wer ihn sich ansieht. Wir wollen stattdessen ein Medium schaffen, das Inhalte bietet, die auf den Betrachter reagieren. Als extremes Beispiel kann man den Film „Minority Report“ nennen. Dort sieht man in einer Szene, wie der Hauptdarsteller an Werbung vorbei läuft und plötzlich reagiert diese Werbung und sagt: „Guten Tag, Herr XY.“

 

Genau das ist unsere Idee! Wir wollen den Menschen als Person mit den Medien viel mehr in Verbindung bringen. Wenn Du an irgendetwas vorbei gehst, und es reagiert plötzlich auf dich, dann schaust du überrascht und fragst dich: „Oh, was ist da passiert?“

Wir arbeiten beispielsweise gerade an einer Lego-Burg, die physikalisch völlig korrekt vom Betrachter zum Einsturz gebracht werden kann. So etwas erregt Aufmerksamkeit und bleibt den Menschen im Kopf.

mb: Wie kam es zu dieser Idee? Was war die Gründungsmotivation?

Vardar: Die Idee ist jetzt schon drei oder vier Jahre alt. Ein Bekannter in der Türkei ist Professor. Wir haben ihn besucht und uns über unsere Projekte ausgetauscht. Er zeigte mir damals etwas, was in die Richtung ging. Schon damals wurden interaktive Flächen im Außenbereich eingesetzt, aber zu der Zeit war die Technik noch sehr rudimentär. Mein Bekannter nutzte damals zum Beispiel nur eine einfache Webcam. Trotzdem habe ich das Potenzial in der Technik erkannt. Bereits mit diesen einfachen Mitteln konnte man sehr viel erreichen. Ich war schon immer sehr technikaffin, deshalb habe ich mir das gern angesehen und wollte es hier in Deutschland vermarkten. Ich wollte mit meinem Bekannten eine Kooperation eingehen, aber wie es so ist – sobald es ums Geld oder andere Formalien geht: Wir konnten uns nicht einigen, stritten uns und die Kooperation ging zu Ende.

mb: Du sagtest, dass die Technik damals noch sehr rudimentär war. Ist das, was du jetzt machst, überhaupt eine Neuerung oder greifst du eher auf bestehende Technik zurück?

Vardar: Wir hatten schon bestehende Technik, aber Technik entwickelt sich weiter. In private Wohnzimmer ist inzwischen mit der Kinekt und mit der Playstation Move mehr Interaktivität eingekehrt. Mit der Kinekt kann man schon einiges machen, aber das reicht für unser Vorhaben leider immer noch nicht aus. Wir wollen unter anderem Objekte am Körper erkennen lassen und das geht mit dieser Technik überhaupt nicht.

mb: Wie sieht es auf diesem Markt mit der Konkurrenz aus?

Vardar: Es gibt schon Konkurrenz hier in Deutschland, aber auch in Österreich. In Amerika gibt es noch einige Unternehmen. Dort wird die Technologie bereits großflächiger verwendet und man sieht schon den Erfolg. Dieses Großflächige fehlt hier in Deutschland einfach. Meistens wird so etwas nur für Events aufgebaut und nach zwei Tagen geht es wieder woanders hin.

mb: Ihr habt ja schon diverse technische Ausstattungen, zum Beispiel eine spezielle Kamera. Das erfordert sicherlich sehr viel Geld. Wie regelt Ihr das mit den Kosten?

Vardar: Ja, das ist ein sehr guter Punkt. Die Kosten sind sehr hoch, besonders für einen Studenten. An dieser Stelle haben wir sozusagen das Henne-Ei-Problem. Die Kameras, die wir brauchen, sind gerade erst in der Entwicklung und dementsprechend teuer. Die Kamera-Hersteller wissen auch noch nicht, was wir mit den Kameras machen wollen. Es gibt noch keinen Markt dafür, weil wir erst versuchen, diesen überhaupt aufzubauen. Sobald die Nachfrage steigt, werden auch die Kameras günstiger. Aber dazu brauchen wir erst die Kameras…

Bisher müssten wir für eine Kamera ein- bis zweitausend Euro zahlen. Glücklicherweise konnten wir schon erste Erfahrungen sammeln, indem wir uns Kameras ausgeliehen haben.

mb: Warum sollte ich als Werbeträger so etwas den herkömmlichen Werbemedien vorziehen?

Werbeprojektion von Traxas Media auf der FashionWeek in Berlin

Vardar: Werbung lebt davon, Aufmerksamkeit zu generieren. Wie viel Aufmerksamkeit erregt ein starres Poster? An welche Poster erinnerst du Dich überhaupt? Du läufst daran vorbei und bekommst es im Unterbewusstsein vielleicht noch mit, aber das meiste geht in der Masse unter.  Mit einer interaktiven Fläche erhältst du unterschiedliche Möglichkeiten, beachtet zu werden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Lego-Burg ist nur ein Beispiel. Wasserspiele sind auch machbar. Gerade die Verbindung von Werbung mit Spielen involviert den Betrachter sehr stark.

Wir bieten dem Werbetreiber damit gesteigerte Aufmerksamkeit. Zusätzlich bieten wir noch etwas, was konventionelle Werbung bisher nicht erfassen kann: Niemand weiß, von wie vielen Personen welche Werbung wann wo und wie lange betrachtet wird. Durch die Erfassung des Betrachters können wir das aufzeichnen und anonymisiert speichern. Das ist ein wenig wie Google AdSense.

 

 

mb: Kosteneinblick?

Vardar: Das ist schwer vorauszusagen, es spielen viele Faktoren hinein. Wir sind bestrebt, ein großes Netzwerk aufzubauen und dann Werbeplätze zu vermieten. Zuerst muss die ganze Technik vorhanden sein und aufgebaut werden. Bei der Miete unserer Wand spielen Ort und Zeit eine Rolle.

mb: Ihr habt die Technik auf der Lamborghini-Fashion-Week schon erprobt. Wie war das Feedback der Leute vor Ort?

Vardar: Es war super, sie waren richtig verblüfft! Allerdings ist mir aufgefallen, dass die Leute am Anfang nicht gemerkt haben, dass die Darstellung auf sie reagiert. Es war wahrscheinlich zu neu und unbekannt. Wir haben uns davorgestellt und gewunken, damit sie es merken. Wir müssen noch etwas tun, damit es eindeutiger wird.

 

Das Interview führten Dario Mohtachem und Claudia Ebert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>