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Ökotourismus in Gabun

pfauAuf der kürzlich abgeschlossenen Reise nach Gabun hatte ich auch die Anfrage, mir das Potenzial für Ökotourismus anzusehen. Das ist keine so schlechte Idee, weil Gabun aufgrund einer mysteriösen Häufung von Unfruchtbarkeiten eine sehr kleine Bevölkerung hat. Es sind gerade mal 1,5 Millionen Menschen in einem Land, das von der Fläche nicht viel kleiner ist als Deutschland. Und da dazu noch immer mehr Menschen in die Städte ziehen, wird das Hinterland zusehends leerer. Gut für die Natur, die in fast der Hälfte des Landes durch Nationalparks geschützt ist.

Und es gibt tatsächlich Leute hier, die ernsthaft Tourismus in den Parks betreiben. So wurden relativ konkrete Projekte angeboten, wie z.B. die Entwicklung eines Naturpfades im Dschungel mitten im Lande. Ausgehend von einer recht luxuriösen Anlage am Rande eines Nationalparks soll man mit Kanus zum Basislager kommen und dann zu Fuß zu einem Zeltlager, von wo aus Gorillas beobachtet werden können. Schöne Idee, da man auf dem Weg zu den Gorillas auch noch Elefanten und andere große Wildtiere sehen mag.

Eigentlich wollte ich an einem Samstag eine Anlage in einem Nationalpark gleich gegenüber von Libreville besuchen, um dort über ein ähnliches Projekt zu sprechen. Das klappte aber nicht, weil die Minister, die sich ab Donnerstag zu einer eiligen Kabinettssitzung getroffen hatten, dieses Treffen eben in dieser Anlage durchführten. Ist eben ein kleines Land. So haben wir das auf Sonntag verschoben, was mir nicht ganz so entgegen kam, da man mit dem Boot auf die andere Seite der Bucht fahren muss, die Gabun in der Mitte teilt. Bei Sturm käme man also nicht wieder zurück und ich liefe Gefahr, das Flugzeug zu verpassen, mit dem ich am selben Tag zurückfliegen sollte. Andererseits wollte ich schon gern in eine Hotelanlage mit tropischen Sandstrand und einem dahinter liegenden Urwald.

Also nahm ich es auf mich, stellte den Wecker auf eine für einen Sonntag ziemlich frühe Zeit und fuhr mit meinen Partnern zu „Michele Marina“ dem kleinen Hafen, von wo aus man auf die andere Seite kommen kann. Erst einmal musste derjenige gefunden werden, der uns die Überfahrt organisierte, da hatte ich wie üblich nur einen Namen. Monsieur Amahn war überraschend leicht zu finden und er organisierte auch ohne Umstände eine Mitfahrt auf einer nicht zu verachtenden Yacht. Kein Riesending, aber doch schon beeindruckend, was die Reichen und Schönen so als Spielzeug haben. Diese wurde nach 20 Minuten rasender Überfahrt an ihren protzigen Strandhäuschen abgesetzt. Wir mussten noch 10 Minuten weiter dem einsamen Sandstrand folgen, dann kamen wir am Ziel an, das sicher eine schöne Anlage ist, jedoch immer noch von den Ministern mit ihrer Entourage besetzt war. Vier Tage Kabinettsklausur in einer der schicksten Anlagen im Lande ist schon mal eine Erwähnung wert, ging es in der Klausur doch darum, wie man auf die sinkenden Öleinnahmen reagieren soll. Offensichtlich mit Binnenkonsum, ich habe dort jedenfalls 12 Euro für einen Espresso und zwei Cola bezahlt.

DschungelDie Besitzer der Anlage nahmen sich zwar durchaus die Zeit, mit uns zu sprechen, die Möglichkeit, ein paar Stunden durch den Wald zu laufen, wie ich es mir vorgestellt hatte, gab es aber nicht. Noch nicht mal baden gehen durfte man, weil der Präsident jede Minute mit seinem Hubschrauber einschweben konnte und daher die ganze Anlage militärisch gesichert war. Einen Rundgang konnten wir dann doch beim Sicherheitschef beantragen, er gab meinen Namen an die Posten durch. So liefen wir dann an den etwa 20 Bungalows vorbei, und als dahinter wieder auf den Strand stießen, lagen dort tatsächlich drei Soldaten in Tarnanzügen hinter einem Maschinengewehr und prüften erst einmal, ob da tatsächlich ein Deutscher mit drei Einheimischen kann. Tatsächlich war ein Einheimischer zu viel dabei, der war wohl der Gehilfe unseres Führers, was zu längeren Diskussionen führte. Dann durften wir den Strand und die dahinter liegende Lagune betreten und nachher sogar mit einem kleinen Jeep in den Urwald fahren.

Das war dann tatsächlich so, wie ich es mir vorgestellt hatte: tiefer Wald mit Lianen und Wasserläufen, die den Weg kreuzen. Es gab sogar Elefantenspuren und eine Schlange. Leider dauerte der Spaß aber nur 15 Minuten, der Fahrer hatte Angst, dass der Präsident ankommen könnte und wir dann nicht mehr zurück in die Anlage dürften.

Das war aber nicht so. Wir saßen noch zwei Stunden müßig herum, sahen den Vorbereitungen für das Buffet des Kabinetts zu (da ließ man sich auch nicht lumpen) und hatten sonst nichts zu tun, bis gegen 14 Uhr der Hubschrauber ankam. Sofort wurde noch mal nachgefegt und alle Minister eilten zum Landeplatz. War mir alles etwas fremd, so ein Aufwand für einen Mann, der Präsident von 1,5 Millionen Menschen ist. Der Bürgermeister von München wird sicher nicht so behandelt.

Den Präsidenten haben wir dann nicht mehr gesehen, sondern unsere Chance auf eine Überfahrt genutzt, als offenbar die kleineren Funktionäre vor seinem Auftauchen nach Hause geschickt wurden. Wir durften mit ins Boot, das einem alten Landungsboot der Marine glich. Mir war es ein wenig mulmig zumute, den heimkehrenden beamten offenbar aber nicht. Um mich herum gab es ein Geschnatter wie nach einer Klassenfahrt. Die kleinen Funktionäre hatten offenbar auch Ihren Spaß am hemmungslosen Konsum auf Staatskosten.

Nun ja, wenn das Projekt anläuft und ich im Rahmen der Entwicklung des Dschungelpfades doch noch ein paar Tage durch den Urwald wandern kann und danach vielleicht ein bisschen am Strand liegen, komme ich trotzdem gern wieder. Aber ob so etwas in dieser politischen Umgebung klappen kann, steht mindestens mal zu bezweifeln.

Text: Dr. Jan Cernicky.

Dr. Jan Cernicky studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Hannover und Paris und promovierte anschließend in Politikwissenschaften mit einer praxisnahen Arbeit über die Funktionsweise von regionaler Integration in Westafrika. Während mehrerer Aufenthalte im Zusammenhang mit damit verbundenen Forschungen in verschiedenen Staaten Westafrikas knüpfte Herr Cernicky ein enges Netzwerk von Kontakten in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Aufbauend auf diesem Netzwerk gründete Jan Cernicky im Jahre 2008 den Recherchedienst Afrika, der Informationsdienstleistungen und praxisnahe Beratung für wirtschaftliche Aktivitäten in Afrika anbietet, mit Fokus auf kleinen und mittleren Unternehmen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt im frankophonen Westafrika.

 

1 Kommentar

  1. Ingrid Aouane

    Köstlich! Ich lebe hier seit 6 Jahren und kann das so richtig nachempfinden :-).

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